Die Einheit von Geist und Schrift

Feuer
»Es ist nicht zu übersehen, dass manche Christen sich für den Geist entschieden haben. Ekstatische Erfahrungen werden dann als Bestätigung angeführt, dass sie seine ganze Fülle empfangen haben. Was diesen „Schwerpunkt auf dem Heiligen Geist“ oft begleitet, ist ein Widerwille gegen sorgfältiges Bibelstudium. „Exegese ist ungeistlich“, sagt man uns, „Dogmatik spaltet nur; Theologie ist irrelevant.“ In Reaktion darauf haben andere das Pendel hart in die andere Richtung ausschlagen lassen. Allzu oft impliziert unsere Haltung: ,,Alles, was wir brauchen, ist das rohe Fleisch des Wortes.“

Das zeigt sich oft in der Art und Weise, wie die Seminare Männer auf den Verkündigungsdienst vorbereiten. Über drei Jahre hinweg wird ein angehender Prediger dafür zugerüstet, die Syntax griechischer Sätze zu analysieren, hebräische Verben zu konjugieren und Calvin, Luther und Hodge im Wortlaut zu zitieren. Das Beunruhigende daran (und das sagt einer, der sich der Entwicklung all dieser Fähigkeiten widmet!) ist, dass dadurch unbeabsichtigt der Eindruck entstehen könnte, der Schlüssel dazu, die Gedanken Gottes zu verstehen, liege in der Aneignung eines Arsenals höchst spezialisierter und akademischer Kenntnisse.

Die beunruhigende Polarisierung ist offensichtlich. Ein Teil des Volkes Gottes hat sich für den Geist entschieden. Andere haben der Schrift den Vorzug gegeben. […] Der Punkt ist dieser: Wir müssen aufhören zu scheiden, was Gott zusammengefügt hat. Es ist gar nicht beabsichtigt, dass wir entscheiden müssten, ob wir den Schwerpunkt auf den Geist oder das Wort legen wollen. Christen müssen nach beidem in unteilbarer Einheit streben. Konkreter gesagt: Wir müssen Ausschau halten nach dem Geist des lebendigen Gottes, der in, mit und durch das geschriebene Wort Gottes wirkt.«

– Arturo G. Azurdia, „In der Kraft des Geistes“, S. 45f. // Bildquelle leider unbekannt