Die eugenische Gesellschaft verhindern

ruecken_625Auf ein geborenes Kind nach PID kommen mindestens 33 selektierte und verworfene Embryonen. Die Präimplantationsdiagnostik ist in Wahrheit eine Präimplantationsselektion. Ihre Legalisierung wäre ein großer Schritt in die eugenische Gesellschaft. Sie setzt werdende Eltern dem Druck aus, die Gesundheit ihrer Kinder zu garantieren. Von Eltern behinderter Kinder wird eine Rechtfertigung erwartet, warum sie von den diagnostischen Möglichkeiten zur Vermeidung der Geburt keinen Gebrauch gemacht haben.

Von der Ausdehnung der Präimplantationsselektion auf eine Screening-Methode im Rahmen der künstlichen Befruchtung träumte schon der Pionier der In-Vitro-Fertilisation und Träger des Medizin-Nobelpreises 2010 Robert Edwards, der bereits 1997 den eugenischen Nutzen der künstlichen Befruchtung pries. Edwards Traum aber ist der Albtraum jedes Demokraten, weil eine Demokratie die prinzipielle Gleichheit der Menschen voraussetzt. Die prinzipielle Gleichheit der Menschen wiederum erfordert, dass wir alle den gleichen natürlichen Ursprung haben und dass nicht die einen die Geschöpfe der anderen sind.

Die Präimplantationsselektion zerstört die Symmetrie der Beziehungen, die dem demokratischen Rechtsstaat zugrunde liegt. Den Weg in eine eugenische Gesellschaft kann nur ein Verbot der Präimplantationsselektion verhindern.

Prof. Dr. Manfred Spieker, Osnabrück, März 2011

 

Warum PID ethisch und rechtlich abzulehnen ist

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist aus ethischen und rechtlichen Gründen nicht zu billigen. Zu diesem Ergebnis kommt einer der führenden evangelischen Medizinethiker, der Theologieprofessor Ulrich Eibach (Bonn), in einer Stellungnahme für die Evangelische Nachrichtenagentur idea.

Bei der PID werden künstlich befruchtete Eizellen vor dem Einpflanzen in den Mutterleib auf mögliche genetische Defekte untersucht und gegebenenfalls vernichtet. Laut Eibach führt dies zur Selektion. PID sei damit eine Form der „aktiven Tötung bzw. Sterbehilfe“. Es werde die Geburt von Menschen verhindert, die genetische Dispositionen für Krankheiten tragen. Damit maße sich der Mensch die Entscheidung darüber an, welches Leben lebenswert sei und welches nicht.

Werde die PID rechtlich erlaubt, „so werden zugleich Lebensunwerturteile und darauf basierende Tötungshandlungen gebilligt“, so Eibach. Die befruchtete Eizelle sei kein biologisches „Etwas“, sondern menschliches Leben und stehe unter dem Schutz der Menschenwürde. Die PID sei nicht nur eine Methode, um individuelle Krankheiten und angeblich unzumutbare Belastungen für die Eltern zu verhindern, sondern diene auch dazu, den Eltern und der Gesellschaft „die Belastungen durch behinderte und unheilbar kranke Menschen zu ersparen“. Eibach: „Sehr schnell könnte sich daraus ein gesellschaftlicher Druck entwickeln, die PID in Anspruch zu nehmen, um ein behindertes Kind als ‚Schadensfall’ für Krankenkassen und die Gesellschaft zu vermeiden.“

„Unheilvolle Utopie“: Gesellschaft ohne Behinderte

Nach Ansicht des Theologen würde ein Ja zur PID die Tendenz verstärken, eine Gesellschaft ohne behinderte und kranke Menschen anzustreben. Wer jedoch das Ziel verfolge, eine Welt ohne Krankheiten und Behinderungen medizintechnisch oder auf andere Weise herzustellen, verfalle „einer unheilvollen Utopie von einer Gesellschaft, die sich nur aus starken, gesunden und autonomen Menschen zusammensetzt“. Diese Utopie sei diskriminierend. Laut Eibach stellt die PID auch vor die Frage, welchen Platz Behinderte und unheilbar Kranke in der Gesellschaft haben sollen.

Insofern müsse eine Gesetzgebung verhindert werden, „von der eine Gefährdung der Menschenrechte dieser schwächsten Menschen ausgehen kann“. Eibach weiter: „Wer Leiden beseitigt und krankes Menschenleben verhindert, hat nicht immer recht. Nicht jedes Mittel ist dazu recht und sollte erst recht nicht vom Gesetzgeber zum Recht erhoben werden.“ Eibach war von 1981 bis 2007 Pfarrer am Universitätsklinikum Bonn und Beauftragter der Evangelischen Kirche im Rheinland für Fortbildung und Fragen der Ethik in Biologie und Medizin.

Zur Stellungnahme von Professor Eibach