Die Kreuzesstrafe im »Antiken Palästina«

Kreuzigung-Jesus

Die antiken Verfahrensweisen bei der Kreuzigungsstrafe sind recht verschieden. Wir skizzieren hier nur kurz den Ablauf, der im römischen Palästina der üblichste war. Die Kreuzigung war – nach den Schilderungen des römischen Staatsmannes und Anwalts Cicero – die grausamste und fürchterlichste Todesstrafe. Die Römer hatten sie von den Karthagern übernommen. Sie wandten diese Form der Hinrichtung nur bei Sklaven und gemeinen Verbrechern an. Römische Bürger durften nicht gekreuzigt werden.

Im römischen Strafvollzug wurde der Verurteilte zuerst gegeißelt. – Johannes 19, 1 – Er musste dann den Querbalken zur Hinrichtungsstätte, die außerhalb der Stadt lag, tragen. – Johannes 19 ,17 – An diesem Balken wurde der Verurteilte auf ebener Erde mit ausgespannten Armen angenagelt. Vorher wurde er völlig entkleidet. Dann wurde der – mit seinen Händen am Holz Befestigte – an einem ungefähr 3 m hohen Pfahl, der auf der Hinrichtungsstätte stand, hochgezogen. Das fertige Kreuz hatte somit die Form eines »T«. – Danach trieb man einen langen Nagel durch die übereinanderliegenden Füße.

Die Kleider des Gekreuzigten fielen dem Hinrichtungskommando zu. – Johannes 23f. – Aus Mitleid reichte man dem Leidenden einen Betäubungstrank. Nach Markus 15, 23 war es bei Jesus Christus Wein mit Myrrhe. Über dem Kopf des Gekreuzigten bringt man den »Titelus« an. Das ist eine Tafel mit kurzer Urteilsbegründung. – Johannes 19, 19f.

Bei der Annagelung wurden die Nägel zwischen den Knochen der Handgelenke – Handwurzelknochen oder zwischen Elle und Speiche – hindurchgetrieben. Die großen Schmerzen entstanden oft durch verletzte Nerven. Die Hängelage des Gekreuzigten verursachte außer rasenden Kopfschmerzen, Fieber und Angstzustände, Atemnot. Der Verurteilte konnte dem Erstickungstod nur entgehen, indem er sich, gestützt auf den Nagel, der durch die Füße getrieben war, etwas aufrichtete. In abwechselndem Heben und Senken des Körpers, in Atemnot und Atemschöpfen, vollzog sich der Todeskampf.

Manchmal führte man den schnelleren Tod durch das Zerschlagen der Schienbeine oder einen Lanzenstich in die Achselhöhle herbei, um die Qual abzukürzen. – Johannes 19, 31-33 – Die ganze Zeit ist der Gekreuzigte völlig hilflos den Raubtieren und Vögeln preisgegeben, die ihn anfallen. Nicht einmal der Fliegen, die sich auf seinen Wunden niederlassen, kann er sich erwehren.

Die Kreuzesstrafe ist die grausamste Erfindung der antiken Justiz, die qualvollste Marter, die Menschen durch menschliche Teufelei erleiden können. In diesem Sinne ist das Kreuz das Symbol für das einmalige, heilige Leiden von Jesus Christus, dem Erlöser der Welt.

 

Literatur:
• Fritz Rienecker, Lexikon zur Bibel, Wuppertal 1960, S.812f.
• Ethelbert Stauffer, Jerusalem und Rom im Zeitalter Jesu Christi, Bern 1957, S. 123-127