Willkür aus der Bibel – drei Beispiele

SteineOft sucht man sich willkürlich Schriftstellen, die aus dem Zusammenhang gerissen die eigene Meinung zu stützen scheinen.

Zum Beispiel versucht man mit „gehorcht und fügt euch euren Führern“ (Hebr 13:17) oder mit „bleibe bei dem, was du gelernt hast“ (2 Tim 3:14) Gehorsam und Treue gegenüber jeder noch so unbiblischen Führungsperson oder Tradition einzufordern. Aber im Zusammenhang und in der ursprünglichen Aussageabsicht dieser Schriftstellen geht es natürlich um Gehorsam und Treue allein gegenüber schriftgemäßer Führung und Lehre.

Oft wird „der Buchstabe tötet“ (2 Kor 3:6) als Argument gegen (angeblich zu viel) Theologie und Bibelstudium angeführt. Doch ein Blick auf den Zusammenhang zeigt, dass Paulus in 2 Kor 3 mit dem „Buchstaben“ das mosaische Gesetz meint, im Gegensatz zum neutestamentlichen Evangelium („Geist“).

Gleiches gilt für das Zitieren von „wir erkennen stückweise“ (1 Kor 13:9) als Begründungsversuch dafür, dass eine gesicherte Erkenntnis biblisch absoluter Wahrheit nicht möglich sei. Mit „stückweise“ bzw. „Stückwerk“ (Luther) meint Paulus aber die damaligen bruchstückhaften Prophezeiungen und spontan offenbarten Erkenntnisse (Vers 8). In 1 Kor 13 sagt er nichts davon, dass biblische Erkenntnis vorläufig oder Gewissheit unmöglich sei, sondern will vielmehr einige der von den Korinthern unangemessen hochgesteigerten Geistesgaben relativieren und die Liebe dagegen erhöhen.

Schon das Erkennen und Beachten dieser grundsätzlichen „Stoßrichtung“ des jeweiligen Schriftabschnittes bewahrt vor den gröbsten Entgleisungen bei der Auslegung.

– D.A. Carson, „Stolpersteine der Schriftauslegung“, S.10 // Bild: ©SXC/Fischkuh