Ehe und Sexualität: Gibt es Auswege aus Sackgassen?

HerzLust dürfen wir haben. In der Lutherbibel heißt es in Psalm 37,4: „Habe deine Lust am Herrn, der wird dir geben, was dein Herz wünscht!“ Aber gibt Gott uns immer, was unser Herz wünscht? Bleiben nicht viele Wünsche offen? Da ist die Sehn-Sucht der Frau, von ihrem Mann verstanden zu werden. Und für ihn ist es lästig, immer irgendwelche Beziehungsgeschichten anzuhören, die er doch nicht versteht. Hat er dann Lust, sich ihr zu nähern, weicht sie aus. Es ist schwierig, Sexualität mit ihr zu leben, denn oft ist sie müde, hat Kopfschmerzen oder sonst ein Problem, das er nicht immer versteht. Vielleicht war er nicht freundlich genug, hat eine falsche Antwort gegeben oder der Ton war nicht richtig. Es ist anstrengend, seiner Frau zu begegnen, sie zu öffnen für körperliche Nähe und Zärtlichkeit. Ihre Unzufriedenheit mit ihm hemmt seine Gefühle. Und dazu hat er noch Angst, es könnte vielleicht bei ihm nicht richtig „funktionieren“. Da käme er sich wie ein Versager vor.

Am Anfang hat er einfach Selbstbefriedigung betrieben, wenn der Druck zu groß war. So konnte er wenigstens wieder frei denken, wenn er seinem Beruf nachging. Und dann traf er die Frau, die ihn verstand. Nein, er wollte keine Beziehung mit ihr beginnen. Er war doch Christ. Doch es tat gut, mit ihr zu sprechen und ihre Zuneigung zu spüren. Nur einmal mit ihr ausgehen, auf einen Kaffee, eine Geschäftsbesprechung auf privater Ebene. Mehr nicht. Doch er pflegte weiter Kontakt mit ihr. Mehr nicht? Auf jeden Fall in Gedanken war er bei „der anderen“, wenn er später mit seiner Frau ins Bett ging…

In den ersten Ehejahren war alles noch so einfach. Seine Frau liebte ihn und zeigte ihm das auch. Alles schien so locker zu sein. Irgendwann wurde es kompliziert. Wenn er mit ihr schlafen wollte, fing sie an, Probleme zu wälzen. Das war einfach anstrengend. So verzog er sich vor den Fernseher oder ging ins Internet. Dort tauchte alles auf, wonach er sich sehnte: nackte Haut, Verführung, Lust, die schließlich zur Sucht wurde. Aber nein, er ging nicht fremd! versuchte er sich immer wieder zu beruhigen. Er war doch treu. Diese virtuelle Frau im Fernsehen oder Internet kannte ihn ja nicht wirklich, und er sie auch nicht. Doch immer mehr wurde er abhängig von Videos und von „der Frau“, die ihn zärtlich an seinen Gefühlen abholte. Das war so viel einfacher, als um seine eigene Frau zu werben. Und so entfernte er sich innerlich immer mehr von seiner Frau. Sie wurden einander fremd. Wenn sie wieder einmal intim wurden, waren seine Gedanken gefüllt mit „fremder Haut“.

„Männer reagieren anders auf Schwierigkeiten oder Stress als Frauen. Diese reagieren eher problemorientiert und suchen das Gespräch mit anderen. Männer versuchen eher, mit Vermeidung dem Problem zu begegnen, abwartend, überspielen es, probieren es mit Ablenkung oder tauchen in innere Welten ab, eine fremde Beziehung oder eben ins Internet. (Auszug aus einem Artikel von ´Adam online´ Nr. 18, einer Zeitschrift für Männer ´Was suchen Männer im Netz´, im Internet zu finden unter www.adam-online.de)

Wer nicht offen über Gefühle sprechen kann, ist besonders gefährdet, fremd zu gehen, ohne nach außen hin scheinbar untreu zu werden. Leider wird in den Gemeinden selten über dieses Thema gesprochen. Es wird unendlich viel gelitten. Frauen spüren oft, dass etwas nicht stimmt. Wenn sie den Grund herausfinden und mit ihrem Mann sprechen wollen, spielt dieser oftmals das Problem herunter und gibt ihr als Antwort: „Ich gehe doch gar nicht fremd. Wäre es dir lieber, wenn ich eine Freundin hätte?“

Ich wünsche mir, dass dieses Thema in den Gemeinden auf den Tisch kommt und Hilfe angeboten wird. „Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen“, sagt Jesus im Johannesevangelium 8,32. Wenn Wahrheiten offenbar werden, kommt die Lüge ans Licht, sie kann sich nicht länger tarnen. Und wer ins Licht Gottes kommt, dem bietet Gott durch Jesus Christus Freiheit an. Es gibt einen Weg! Haben Sie Mut zur Wahrheit!

Rat für die Frau:

Bleiben Sie mit Ihren Beobachtungen oder Befürchtungen nicht allein. Vorwürfe gegenüber Ihrem Mann werden Sie nicht weiterbringen, weil er sich zu rechtfertigen suchen wird. Sagen Sie ihm offen, dass Sie für sich Hilfe suchen werden und bitten Sie ihn, mit Ihnen zusammen zu einem Seelsorger oder Therapeuten zu gehen. Lassen Sie sich, wenn Sie allein Hilfe suchen, nicht gegen Ihren Mann aufhetzen. Trennung ist nicht die Wende, die Sie jetzt in Ihrer Ehe brauchen, sondern konkrete Schritte aufeinander zu. Bitten Sie Gott um Hilfe, damit Ihre Ehe Erneuerung erfahren darf.

Rat für den Mann:

Haben Sie Mut, zuzugeben, dass Sie ein Problem haben! Bleiben Sie mit Ihrem Problem nicht allein, und versuchen Sie nicht, es allein lösen zu wollen. Leben Sie nicht länger ein Doppelleben neben Ihrer Ehe, auch wenn das Fremdgehen nur am Bildschirm sein sollte! Helfen Sie sich selbst, indem Sie den Zugang zu bestimmten Programmen im Fernsehen oder Internet blockieren. Beobachten Sie sich selbst: Wann und wie oft geben Sie Ihrer Sucht nach? Schaffen Sie Aufdeckung vor einer vertrauten Person, der Sie berichten, wenn Sie wieder in die falsche Richtung gegangen sind. Entwickeln Sie Vermeidungsstrategien! Suchen Sie einen guten Therapeuten oder Seelsorger. Mit Verhaltenstherapie können Sie konkrete Schritte aus der Sucht heraus lernen. Befreiendes Gebet nach Matth.18, 18 ist eine großartige Möglichkeit, Gottes Hilfe einzubeziehen!

Gebet für das Ehepaar:

Vater im Himmel, durch deinen Sohn Jesus hast du uns Freiheit versprochen. So bitten wir dich von ganzem Herzen: Befreie uns von allen Einflüssen, die unsere Ehe zerstören wollen. Schenk uns eine neue, herzliche Liebe zueinander, die uns fähig macht, einander zu beschenken. Lass deinen Segen wieder auf uns kommen, damit wir ein Segen sind füreinander, durch unser Vorbild für unsere Kinder, durch unser Zeugnis für die Gemeinde und die Welt.

Du willst uns geben, was unser Herz sich wünscht, wenn wir unsere Lust an dir haben. Amen.

– Ruth Heil, Quelle: Family Life Mission // Bild: ©SXC/fangol