Ein außergewöhnlicher Heiratsantrag

wedding

Liebes Fräulein Elisabeth!

Seien Sie bitte nicht über den Inhalt dieses Briefes überrascht. Der Ihrem verehrten Herrn Vater und Mutter übersandte Brief wird Sie mit den dafür vorliegenden Gründen bekannt machen.

Denken Sie, Sie können die Anstrengungen ertragen, die ganz notwendig damit verknüpft sind, mit einem Manne verbunden zu sein, der jeden Tag darauf gefaßt sein muß, zum Leiden um Christi willen berufen zu werden? Können Sie es ertragen, Ihres Vaters und Ihrer Verwandtschaft Haus zu verlassen und auf den zu vertrauen, der die jungen Raben nährt, die zu ihm schreien, wenn Sie an Ihren und Ihrer Kinder Unterhalt denken, vorausgesetzt, es würde ihm gefallen, Sie mit solchen zu segnen? Können Sie es unternehmen, einem Gatten in der Sorge für eine Familie zu helfen, die vielleicht aus hundert Personen besteht? Können Sie die Unbilden der Witterung in einem fremden Klima, bald die Hitze, bald die Kälte, ertragen? Können Sie einen Gatten haben, als hätten Sie ihn nicht, und sich willig von ihm trennen, wenn sein Herr ihn fortruft, das Evangelium zu predigen, und ihm befiehlt, Sie hinter sich zurückzulassen?

Wenn Sie bei Gott um Weisung gesucht und Ihr Herz geprüft haben und dann sagen können: „Ich vermag alle diese Dinge durch den, der mich mächtig macht, Christus“, wie wäre es, wenn Sie und ich im Herrn miteinander verbunden würden und Sie kämen bei meiner Rückkehr von England mit mir als Gehilfin bei der Versorgung des Waisenhauses? Ich habe gute Gründe dafür zu glauben, daß es der göttliche Wille ist, meinen Stand zu ändern, und ich habe oft gedacht, Sie sind der für mich bestimmte Mensch. Ich werde weiter auf Weisung von Gott warten und bitte ihn herzlich, nichts daraus werden zu lassen, wenn dies nicht von ihm ist.

Ich schreibe so offen, weil ich weiß, ich schreibe aus keinem anderen Beweggrund als aus Liebe zu Gott. Ich werde es mir zur Aufgabe machen, den Herrn Jesus anzurufen und möchte Sie bitten, Ihn wie auch Ihre Freunde um Rat zu fragen. Denn wenn wir einen Segen erlangen wollen, müssen wir die Aufmerksamkeit des Herrn und die seiner Jünger auf die Heirat lenken.

Ich glaube, ich kann den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs zum Zeugen dafür anrufen, daß ich Sie, meine Schwester, nicht aus Sinnenlust, sondern aufrichtig zum Weib zu nehmen wünsche.

Ich gebe Ihnen keine langen Erklärungen ab, denn ich denke, Sie halten mich für aufrichtig. Die leidenschaftlichen Ausdrücke und fleischlichen Höflichkeiten können sich, meine ich, diejenigen ersparen, die sich im Herrn verbinden wollen. Ich kann nur versprechen, daß ich mit Gottes Hilfe mein Ehegelübde halten und alles tun werde, was in meiner Möglichkeit steht, Ihnen auf dem Wege des Heils vorwärtszuhelfen.

Wenn Sie meinen, eine Heirat sei Ihrem besseren Teil irgendwie abträglich, so seien Sie so freundlich und schicken Sie mir eine Absage. Ich will um alles in der Welt kein Fallstrick für Sie sein. Scheuen Sie sich nicht, Ihre Meinung auszusprechen. Ich weiß gewiß, daß ich Sie nur um Gottes willen liebe und ich wünsche, mit Ihnen nur nach seinem Befehl und für seine Sache vereinigt zu werden. Ich schreibe dies mit Furcht und großem Zittern und will geduldig darauf warten, bis der Herr geruht, Sie, liebes Fräulein Elisabeth, dazu geneigt zu machen, eine Antwort zu senden.

Ihrem herzlich verbundenen Bruder,

Freund und Diener in Christus

George Whitefield

 

– Wolfgang Bühne, „Sich selbst lieben?“, S. 77f. // Bild: ©SXC/conmani