Ein Brief der Christlichen Gemeinde zu St. Laodizea

Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Das sagt der Amen, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Ursprung der Schöpfung Gottes: Ich weiß deine Werke, daß du weder kalt noch warm bist. Ach, daß du kalt oder warm wärest! So aber, weil du lau bist und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.

Denn du sprichst: Ich bin reich und habe Überfluß und bedarf nichts! und weißt nicht, daß du elend und erbärmlich bist, arm, blind und bloß! Ich rate dir, von mir Gold zu kaufen, das im Feuer geglüht ist, damit du reich werdest, und weiße Kleider, damit du dich bekleidest und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde, und Augensalbe, um deine Augen zu salben, damit du sehest. Welche ich liebhabe, die strafe und züchtige ich. So sei nun fleißig und tue Buße!

Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, so werde ich zu ihm hineingehen und das Nachtmahl mit ihm einnehmen und er mit mir. Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden habe und mit meinem Vater sitze auf seinem Thron. Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

– Offenbarung 3, ab Vers 14

Christliche Gemeinde zu St. Laodizea

Lieber Bruder Timotheus,

die Einladung zu einer Bibelwoche möchten wir hiermit zunächst rückgängig machen.

Zwischenzeitlich haben in der Gemeinde aus unserer Sicht fortschrittliche Prozesse stattgefunden. Die verantwortlichen Brüder, die Sie vor längerer Zeit eingeladen haben, Bruder Tmotheus, sind in dem erst kürzlich konstituierten Vorstand nicht mehr vertreten. Sie wurden von den progressiven Mitgliedern nicht gestützt. An dieser Sachlage wird sich kaum etwas ändern, denn bei uns wird jetzt neuerderdings alles demokratisch entschieden.

Wir freuen uns, dass wir gute Kontakte zu allen Bevölkerungsschichten haben. Gerade am letzten Sonntag war ein profunder Gastredner bei uns , Bruder Ratio Synkretes, ein Redakteur der „Laodizäischen Welt-Presse“ in unserer Mitte. Herr Synkretes interessiert sich sehr brennend fürs Christentum. Er hat anschließend noch bei uns einen sehr schönen Gottesdienst gehalten.

Aus tiefer Liebe wollen wir ihnen, lieber Bruder Timotheus, und in aller Demut die Gründe nennen, die uns vorläufig abhalten, ihren Dienst anzunehmen:

Sie vertreten immer noch die Ansicht, dass ausschließlich die Schrift die Grundlage für die Gestaltung des Gottesdienstes sei. Können Sie sich wirklich nicht von den extremen Meinungen des Paulus trennen? Sie vertreten eine gesetzliche Absonderung. Halten Sie die Zucht, wie Paulus sie praktizierte, wirklich noch für zeitgemäß? Ihr Dienst bei uns würde einige Geschwister sehr beunruhigen, die in freier Entscheidung ohne Trauschein in Liebe zusammenleben.

Sie sehen die ganze Sache ein wenig zu eng. Merken Sie nicht selbst, dass Sie dadurch Neurosen kultivieren? Wir brauchen Freiheit in unseren Gemeinden! Keine Zwänge! (Haben sich eigentlich die von unserem lieben Bruder Dr. Arsenus empfohlenen Meditationsübungen harmonisierend auf ihren Magen ausgewirkt?) Im Ganzen sind Sie einfach zu stark auf ihren Ziehvater Paulus fixiert. Diese starke Bindung an den ehemaligen Apostel unterminiert ihre Persönlichkeit total! Planen Sie doch wie wir die attraktive, christliche Zukunft — spirituell menschenorientiert!

Schon geringe Abweichungen von den Schriften des Paulus sehen Sie als gravierend an. Wir aber üben Liebe und Toleranz und haben so auf Ortsebene eine herzliche Gemeinschaft mit allen anderen Gemeinden, wenn diese auch zugegebenermaßen andere, um nicht sogar zu sagen biblisch etwas abweichende Lehren besonders in unsere Jugend gebracht haben. Aber die Hauptsache ist doch, dass unsere Gemeinde wächst. Da müssen wir halt Zugeständnisse und Kompromisse machen. Dafür werden wir von tatsächlich allen Glaubensrichtungen und allen Kirchen anerkannt. Wer hätte das vor einiger Zeit noch geahnt?

Einheit ist uns an dieser Stelle wichtiger, wir hoffen Ihnen auch. Das mag jetzt reichen. Wenn Sie ihre Meinung in diesen uns wesentlichen Punkten angepasst haben, dürfen Sie uns gerne wieder besuchen, lieber Bruder Timotheus . Vielleicht können Sie ja dann mit ihrer Frau einen Sonntagsgottesdienst zusammen übernehmen.

Br. Harmatia – Br. Oekumenius – Schw. Emanzipatia