Fernsehen: Viel sehen, wenig wissen

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Ein Trugschluss: Der Bürger fühlt sich durch die TV-Bilder informiert. In Wirklichkeit ist er häufig nur das Opfer politisch und kommerziell motivierter Meinungsmache.

Das Wort ist stark in der Vermittlung von Information, das Bild stark in der Erzeugung von Emotion. Ein Bild wirkt ungleich stärker und direkter auf einen Menschen als ein Wort. Das macht sich die Werbung zunutze. Auch in der Politik hat immer häufiger das Bild das letzte Wort. Dadurch, dass Bilder Beweiskraft signalisieren, auch wenn das in keiner Weise zutrifft, wird der Film zum optimalen Medium der Übertragung von Stimmung, Meinung, von Propaganda.

Die Dominanz des Bildmediums führt zu der bedenklichen Situation, dass Menschen, die sich über den Fernseher informieren, meinen, gut Bescheid zu wissen. Befragt man sie zu den Themen, von denen sie glauben, durch das Fernsehen informiert zu sein, dann kommen kaum Fakten – aber jede Menge Gefühle der Empörung, der Sympathie, der Antipathie.

Der Direktor der Psychiatrischen Uniklinik von Ulm, Professor Manfred Spitzer, sagt: «Das Bildungsniveau steht in direktem Zusammenhang mit dem Fernsehkonsum.» Je mehr Zeit Menschen vor dem Fernseher verbringen, desto weniger wissen sie. Der Effekt ist so gravierend, dass Spitzer die begründete Überzeugung vertreten kann, der massiv gestiegene Fernsehkonsum bedrohe unsere wirtschaftliche Zukunft – weil die Menschen immer weniger Wissen haben, das zur Bewältigung des Alltags und der beruflichen Anforderungen notwendig ist.

– Quelle: factum