Finanzkrise: Gott ist im Streit mit Seinem Volk

FinanzkriseIm September 1857 verteilte ein junger Geschäftsmann namens Jeremiah Lamphier in Manhattan ein Traktat mit dem Titel: “Wie oft soll ich beten?”, mit dem er Geschäftleute zu einem wöchentlichen Gebetstreffen einlud. Zum ersten Treffen kamen nur sechs Personen, aber nach drei Wochen waren es über hundert.

Am 14. Oktober 1857 brach das gesamte Bankensystem der Vereinigten Staaten zusammen. Viele Unternehmen gingen bankrott, und Hunderttausende waren finanziell ruiniert. Die Banken in New York blieben während zwei Monaten geschlossen. Während sich die Krise verschärfte, gab es Aufruhr in den grösseren Städten. Auf dem Höhepunkt der Krise veröffentlichte die Synode der New Yorker Presbyterianischen Kirche folgende Erklärung:

“Hinsichtlich der kürzlichen wirtschaftlichen Katastrophe, die Synode von New York, tief beeindruckt von der Tatsache, dass der Herr einen Streit mit Seinem Volk hat, und dass es uns obliegt, uns unter Seine Hand zu demütigen, empfehlen wir ernsthaft allen unseren Kirchen, den 5.November zu reservieren als einen Tag besonderer Demütigung und Gebet zu Gott dem Allmächtigen, dass er Mitleid mit uns haben möge.”

Es war die allgemeine Ansicht der Christen jener Tage, dass Gott “einen Streit mit Seinem Volk hatte”, und dass Er durch diese Krise die Aufmerksamkeit des Volkes auf Sein Reich richten wollte. Sie antworteten mit Gebet und Fasten (Demütigung). Gott hatte tatsächlich Mitleid, und das Ergebnis war die grosse Gebets-Erweckung von 1858. Tausende von Geschäftsleuten trafen sich täglich zum Gebet, und Hunderttausende bekehrten sich.

Die Antwort auf eine Krise offenbart den Charakter und die Prioritäten, sowohl der Einzelpersonen als auch der Nation. Es geht nie ums Geld. Es geht immer ums Herz. Auf persönlicher Ebene offenbaren finanzielle Krisen, wie tief der Geist Mammons in unseren Herzen verwurzelt ist.

Es gibt einen grossen Kontrast zwischen der Antwort der Kirche auf die Krise von 1857, und die anscheinende Nicht-Antwort der Kirche auf die Krise von 2008. Die Kirche von 1857 antwortete mit Umkehr und einer Suche nach den persönlichen und geistlichen Wurzeln des Problems: “Herr, was ist falsch mit uns? Was immer es ist, wir wollen Busse tun.” Die Kirche von 2008 scheint zu sagen: “Herr, wie konntest Du das zulassen, und warum tut die Regierung nichts dagegen?” Die Kirche von 1857 erkannte, dass Gott “einen Streit mit Seinem Volk” hatte. Die Kirche von 2008 sieht nur den Streit zwischen der Regierung und Wall Street.

Die Kirche von 1857 hatte recht. Gott ruft Sein Volk zurück zu persönlicher Heiligkeit und Gottesfurcht. Er möchte ein heiliges, bussfertiges und Ihm nahes Volk, nicht ein stolzes, reiches und selbstgefälliges. Um dies zu erreichen, geht Er offenbar so weit, die “Eiterbeule” des falschen Wohlstands aufzuschneiden. Wir sollten darauf antworten wie die Kirche von 1857.

Heute wird dies aber kaum auf der Ebene irgendeiner institutionellen Kirche geschehen. Fangen wir in unseren eigenen Häusern damit an.

 

Finanzkrise: Gott vergessen und Schulden angehäuft

wallstreet_flagge_pix_gerdaltmann_170Die Staatsschuldenkrise der USA und die Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit durch eine Rating-Agentur erschüttern die Finanzmärkte der ganzen Welt. Wie konnte es dazu kommen, dass das bisher wirtschaftsstärkste Land so stark in die Schuldenfalle geriet – zumal es von vielen als die „christlichste“ Nation der Welt angesehen wird? Gottvergessenheit sei eine Ursache der Misere, schreibt die Politikwissenschaftlerin und USA-Kennerin Sarah Lohmann in einem Kommentar für die Evangelische Nachrichtenagentur idea. Sie ist Lehrbeauftragte für US-Außenpolitik an der Universität der Bundeswehr in München und war davor eine Pressesprecherin des Außenministeriums in Washington.

Schuldenmachen und der Amerikanische Traum

Mit umgerechnet etwa zehn Billionen Euro stehen die Vereinigten Staaten in der Kreide. Um die geistlichen Ursachen zu ergründen, muss man die Entwicklung der US-Geschichte bedenken, so Lohmann. Viele der ursprünglichen Siedler seien von einer protestantischen Arbeitsmoral angetrieben gewesen. Für sie sei harte Arbeit ein Kennzeichen christlichen Lebens gewesen, was mit einem gehobenen Lebensstandard belohnt werde. Lohmann: „Aber irgendwann vergaßen die Amerikaner die Basis der protestantischen Arbeitsmoral: Gott.“ Zunächst habe Präsident Franklin D. Roosevelt (1882-1945) in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts den Besitz eines eigenen Hauses als Inbegriff des „Amerikanischen Traums“ bezeichnet. Dann habe der Staat habe im Zuge des „New Deals“ (Neuer Gesellschaftsvertrag) für Immobilienkredite gebürgt – mit der Folge, dass die Bürger immer mehr Schulden gemacht hätten, statt zu sparen. Das sei vom Staat gefördert worden. Lohmann: „Die Anzahl der staatlichen Programme wuchs so grenzenlos wie die Versprechungen der jeweiligen Präsidentschaftskandidaten – ohne dass Steuern erhöht oder ineffektive Programme eingestellt wurden.“

Wohlstandsevangelium lästert Gott

Jahrzehntelang habe man jungen Leuten eingeredet, „dass Habgier keine ernsthafte Sünde sei“. Zudem hätten einige Prediger ein „Wohlstandsevangelium“ verkündigt – nämlich, dass Jesus seine Nachfolger mit materiellem Besitz segnen wolle. Laut Lohmann ist „dieses Evangelium nicht nur Betrug, sondern Gotteslästerung“, weil es Gott zum Werkzeug der Erfüllung finanzieller Wünsche mache. Für eine Läuterung der US-Gesellschaft sieht Lohmann nur einen Weg: „den Weg zum Kreuz, sodass unsere Träume geformt werden können von dem, der für alles bereits bezahlt hat“.

– Quelle: idea // Bild: ©pixelio/Gerd Altmann