Finanzkrise: Wahrheiten, Ursachen und Lösungen

Deutsche_BankWarum der Kollaps in Europa in den nächsten Jahren bevorsteht, wie es dazu kommen konnte und wie wir persönlich in Zukunft umdenken sollten erklärt uns in dem folgenden Videobeitrag Prof. Dr. Christian Kreiß. Ausgehend von konkreten ökonomischen Daten zur Finanzkrise zeichnet er Trends, deutet auf die Ursachen und schlägt am Ende Lösungen vor, die er auf ethischer Ebene sucht. Hier eine Zusammenfassung seiner Thesen und am Ende der Videobeitrag selbst.

Prof. Kreiß erklärt zunächst drei ökonomisch relevante Fehlentwicklungen, die sich ähnlich wie Krebs ausbreiten und in naher Zukunft eine Bereinigung verlangen.

(1) Die Zunahme von unnötiger Arbeit führt zu einer Steigerung der Lebenshaltungskosten. Als Beispiele unnötiger Arbeit nennt er das Schreiben von Büchern, die nicht gelesen werden, aber auch Werbung und die Bankindustrie. Durch Werbung erhöht sich der Absatz des beworbenen Produkts und es entstehen Arbeitsplätze in der Werbebranche. Gleichzeitig werden jedoch die Werbekosten auf die Produkte umgelegt und sie werden für alle teurer. Würden die Werbeleute und Banker stattdessen als einfache Bauern arbeiten, gäbe es mehr Lebensmittel und sie wären für alle billiger. Darüber hinaus bemängelt Kreiß die mechanische Maximierung der Produktivität des Einzelnen ohne Berücksichtigung der dadurch anfallenden Kosten durch Burnout, Stress und Frust am Arbeitsplatz.

(2) Die zunehmende Ungleichverteilung von Vermögen hat ökonomische Konsequenzen. In jedem Produktpreis sind neben den Arbeitskosten etwa 35-40% Kapitalkosten wie Zinsen, Pacht und Mieten enthalten. Durch reinen Konsum inkl. Befriedigung der Grundbedürfnisse wie z.B. Essen und Wohnen (ca. 60% in Deutschland lebt zur Miete) findet ein Umverteilungsprozess statt, durch den die Reichen immer reicher werden. Etwa 20% der deutschen Bevölkerung besitzt etwa 80% des Nettovermögens (d.h. Vermögen abzgl. Schulden). Etwa 50% hat kein Vermögen in Deutschland. Der Umverteilungsprozess wird durch den Zinseszinseffekt noch beschleunigt.

Weltweit besitzt ca. 1% der Menschen ca. 40% des Vermögens. 60% der Weltbevölkerung besitzt nur etwa 0,8%. Da immer weniger Menschen immer mehr Geld haben, erhöht sich strukturell auch die Sparquote und das Kapitalangebot steigt. Das bedeutet, der Preis für das Kapital in Form von Zinsen sinkt und es wird der ökonomische Anreiz geschaffen, (auch privat) wieder mehr Schulden aufzunehmen und zu konsumieren bzw. zu investieren. Das wiederum führte zu den Überinvestitionen z.B. in neue Immobilien aber auch zu Überkapazitäten, z.B. in der Automobilindustrie. Und ungenutzte Kapazitäten wie Leerstand und ruhende Maschinen bedeuten wiederum vorausgegangene unnötige Arbeit, siehe (1).

Gleichzeitig bleibt das Masseneinkommen und damit auch die Massennachfrage zurück, denn während die wenigen Reichen noch reicher werden, besitzt die Masse relativ immer weniger Vermögen. Schuldenfinanzierter Konsum führt kurzfristig zu einem Aufschwung, ist aber nicht nachhaltig sondern verschlechtert langfristig die Situation. Auch die zunehmende Überschuldung sowohl der Privathaushalte als auch der Länder führen unweigerlich zu einer ökonomischen Bereinigung bzw. zu einem Kollaps.

Die folgende Abbildung soll die Zusammenhänge verdeutlichen:

Finanzkrise_Ursachen

(3) Eurokrise verstärkt Entwicklungen

Seit Einführung des Euro und Festsetzung der Wechselkurse sind die langfristigen Zinsen in Europa gefallen und die Investitionen durch diesen ökonomischen Anreiz entsprechend gestiegen. Besonders im Süden Europas führte der künstliche Konjunkturboom zu steigenden Löhnen und steigenden Produktpreisen. Die Preise sind derart gestiegen, dass die Produkte heute nicht mehr abgesetzt werden können und die Länder nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Allein ein Senken der staatlichen und privaten Löhne auf das Niveau von vor Einführung des Euro könnte die Wettbewerbsfähigkeit wieder herstellen und die Krise in den Ländern überwinden.

Die Jugendarbeitslosigkeit in Ländern wie Spanien und Griechenland liegt bei etwa 40%. In Europa ist etwa jeder fünfte Jugendliche arbeitslos. Die Krise hat auch Auswirkungen auf das Sozialleben.

Eine mögliche Bereinigung im Sinne eines Abbaus von Überkapazitäten z.B. durch regionalen ökonomischen Stillstand oder soziale Unruhen könnte von denen geplant und gewollt sein, die daraus ihren Nutzen ziehen würden. Werden woanders Kapazitäten zerstört, wird das Überangebot bereinigt und es bleibt das eigene Kapital. Prof. Kreiß äußert die Vermutung, die Einführung des Euro könnte seitens anderer Gesellschaften wie den USA oder des UK eben aus diesem Grund initiiert worden sein.

Prof. Kreiß kritisiert auch die systematische Desinformationspolitik in den Medien. Eine werbeabhängige Presse ist nicht unabhängig, kleinere Seiten im Internet werden als ‚unseriös‘ abgetan. Es sei eine Illusion zu glauben, dass die Überwindung der Krise im Interesse aller sei. In der Geschichte gebe es Beispiele, in denen kleinere Gruppen durch Krisen einflussreicher wurden wie z.B. J.P Morgan und Rockefeller.

Am Ende seines Vortrags zeigt Prof. Kreiß mögliche Wege aus der Krise. Er weist auf das Erlassjahr im Alten Testament hin (3 Mo 25). Er hinterfragt inwieweit Vermögen von mehr als 1-2 Millionen Dollar ethisch vertretbar sind. Es sollte eine Umverteilung des Geldes stattfinden, welche nur durch eine Vermögensbestandssteuer realisierbar sei. Und zuletzt kritisiert er den angelernten kapitalistischen Egoismus, die Werbung als „kollektiven Unfug“ und die gewinnorientierten Medien, die besser von gemeinnützigen GmbHs geführt werden sollten.

Prof. Kreiß appeliert an seine Zuhörer, weniger zu konsumieren, so unnötige Arbeit abzubauen und dadurch den Wohlstand aller langfristig zu steigern. Man solle zudem nicht der Lüge glauben, dass Geld etwa arbeiten könne. Wer von Zinsen lebt, lebt von der Arbeit anderer Menschen. Schließlich betont er noch die Pflichten der Bürger wie z.B. Steuerehrlichkeit und Gerechtigkeit.

Eine sehr wertvolle Vorlesung mit christlichen Ansätzen.

 

 

– Bild: ©pixelio/Daniel Gast