Francis A. Schaeffer – Der Kampf, in dem wir uns befinden

AnpassungDer Zeitgeist unserer Tage strebt fortwährend vorwärts; er erhebt den Anspruch der Autonomie und zerstört auf seinem Weg alles, was uns lieb und teuer ist. Hätten wir uns vor sechzig Jahren vorstellen können, daß Millionen ungeborener Kinder in unseren westlichen Ländern getötet werden würden? Oder daß wir keine Redefreiheit haben würden, wenn wir in den staatlichen Schulen von Gott und den biblischen Wahrheiten erzählen wollten? Oder daß jegliche Form sexueller Perversion von den Medien der Unterhaltungsindustrie gefördert werden würde? Oder daß Ehe, Kindererziehung und Familienleben angegriffen würden?

Traurigerweise müssen wir gestehen, daß nur sehr wenige Christen erkannt haben, in welchem Kampf wir uns befinden. Sehr wenige haben eine eindeutige und mutige Position gegen den Zeitgeist unserer Tage bezogen, der unsere Kultur und die christliche Gesinnung zerstört, die unserem Land einst seine Gestalt gaben. Die Heilige Schrift macht aber klar, daß wir als bibelgläubige Christen in einen Kampf einbezogen sind, der kosmische Ausmaße hat. Es ist ein Kampf auf Leben und Tod um den Geist und die Seele des Menschen, ein Kampf, der von Ewigkeitsbedeutung ist; ebenso ist dies auch ein Kampf auf Leben und Tod um das Leben auf dieser Erde. Auf der einen Ebene handelt es sich um einen geistlichen Kampf, der in den himmlischen Regionen geführt wird. Der Brief von Paulus an die Epheser liefert uns die klassische Ausdrucksweise:

„Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die Geister der Bosheit in der Himmelswelt“

– Epheser 6,12

Glauben wir wirklich, daß wir uns in einem kosmischen Kampf befinden? Glauben wir wirklich, daß es „Mächte der Finsternis“ gibt, die unser Zeitalter beherrschen? Glauben wir wirklich, wie der Apostel Johannes sagt, daß „die ganze Welt in der Macht des Bösen liegt“ (1. Joh. 5,19)? Wenn wir diese Dinge nicht glauben (und wir müssen feststellen, daß sich ein Großteil der evangelikalen Welt so verhält, als ob er diese Dinge nicht glauben würde), dann können wir sicherlich nicht erwarten, daß wir in diesem Kampf gute Aussichten auf Erfolg haben. Warum ist das christliche Ethos unserer Kultur so vergeudet worden? Warum haben wir so wenig Einfluß auf unsere heutige Welt? Liegt das nicht daran, daß wir den eigentlichen Kampf nicht ernst genommen haben? Und wenn wir darin versagt haben, den Kampf ernst zu nehmen, dann haben wir sicherlich auch verfehlt, die Waffen zu ergreifen, die unser Herr für uns vorgesehen hat. Wie der Apostel Paulus schreibt:

„Schließlich: Werdet stark im Herrn und in der Macht seiner Stärke! Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die Listen des Teufels bestehen könnt. ( … ) Deshalb ergreift die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag widerstehen und, wenn ihr alles ausgerichtet habt, stehen könnt. So steht nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, angetan mit dem Brustpanzer der Gerechtigkeit und beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft (zur Verkündigung) des Evangeliums des Friedens. Bei alledem ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr alle feurigen Pfeile des Bösen auslöschen könnt. Nehmt auch den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist Gottes Wort. Mit allem Gebet und Flehen betet zu jeder Zeit im Geist, und wachet hierzu in allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen.“ (Epheser 6, 10 .11.13 -18)

Beachten Sie, daß hier nichts von dem aufgeführt wird, was die Welt für gewöhnlich als Vorgehensweise akzeptiert; aber es gibt keine andere Möglichkeit, den geistlichen Kampf in den himmlischen Regionen zu führen. Wenn wir diese Waffen nicht ergreifen, dann haben wir auch keine Hoffnung auf einen Sieg.

Der eigentliche Kampf ist ein geistlicher Kampf in den himmlischen Regionen. Dies bedeutet allerdings nicht, daß der Kampf, in dem wir uns befinden, sich im außerweltlichen Bereich oder außerhalb der Menschheitsgeschichte abspielt. Es ist ein wirklich geistlicher Kampf, aber er findet nichtsdestoweniger ebenso hier auf der Ebene in unserem eigenen Land statt, in unserem Gemeinwesen, an unseren Arbeitsplätzen, in den Schulen und sogar in unseren Häusern. Das Gegenüber des geistlichen Kampfes befindet sich in der sichtbaren Welt, in den Köpfen von Männern und Frauen und auf jedem Gebiet der menschlichen Kultur. Der himmlische Kampf wird im Bereich von Raum und Zeit auf der Bühne der Menschheitsgeschichte geführt.

Aber wenn wir den Kampf auf der Bühne der Menschheitsgeschichte gewinnen wollen, dann müssen wir uns zunächst dem geistlichen Kampf mit den Waffen stellen, die die einzig effektiven sind. Dazu benötigen wir eine lebenslange Bindung an Christus, die sich auf die Wahrheit stützt, in der Gerechtigkeit lebt und im Evangelium begründet ist. Interessanterweise stellt man fest, daß alle Waffen, die Paulus bis zu diesem Punkt aufzählt, Defensivwaffen sind. Die einzige von ihm erwähnte Offensivwaffe ist „das Schwert des Geistes, das ist Gottes Wort“. Während die anderen Waffen uns dazu dienen sollen, uns gegen die Angriffe Satans zu verteidigen, ist die Bibel diejenige Waffe, mit der wir uns zusammen mit unserem Herrn in die Offensive begeben können, um die geistlichen Feinde in ihrer Gottlosigkeit zu besiegen. Aber wir müssen uns auf die Bibel als Gottes Wort berufen, und zwar in allem, was sie lehrt bezüglich der Errettung genauso wie in ihren Aussagen zur Geschichte, zur Wissenschaft und zur Moral. Wenn wir auf irgendeinem dieser Gebiete Kompromisse eingehen, wie das unglücklicherweise heute bei vielen geschieht, die sich evangelikal nennen, dann zerstören wir die Kraft des Wortes Gottes und liefern uns selbst in die Hände des Feindes. Schlußendlich benötigen wir ein Leben des Gebets: „Betet zu jeder Zeit im Geist“.

Auf dem Gebiet der menschlichen Geschichte ist dieser Kampf jedoch genauso wichtig. Auch hier herrscht ein fundamentaler Konflikt, der das irdische Gegenüber des himmlischen Kampfes darstellt. Dieser Konflikt nimmt zwei Formen an. Die erste hat damit zu tun, wie wir denken – mit unseren Vorstellungen und mit unserer Weltanschauung. Die zweite bezieht sich auf die Art, wie wir leben und handeln. Beide Konflikte – auf dem Gebiet des Denkens und auf dem Gebiet des Handelns – sind von Wichtigkeit; auf beiden Gebieten finden sich die bibelgläubigen Christen in einem Kampf mit der uns umgebenden Kultur unserer Tage wieder.

– Francis A. Schaeffer, „Die Große Anpassung“