Zur Frauenordination – Kurt Heimbucher

PastorinIn besonderer Weise hat mich in der Synode die Frage der Frauenordination umgetrieben. Ich habe zu dieser Frage wohl auch am häufigsten dort das Wort genommen und zwar kontra. Ich ehre und achte die Frau, gerade auch in Gemeinde Jesu. Es ist immer meine These gewesen, daß die Frau vor Gott völlig gleichwertig gegenüber dem Manne ist, daß Mann und Frau aber nicht gleichartig sind. Die Aufgabenstellungen sind verschieden. Die Frau hat in der Gemeinde Jesu ihre wichtigen Aufgaben, in denen sie unvertretbar ist. In meinen Kirchenvorständen haben Frauen mitgearbeitet, und ich war dankbar für ihren Dienst. Die Frauen haben in den Gemeinden, in denen ich arbeitete, Dienste in der Kinder- und Jugendarbeit getan, sie waren in diakonischen Aufgaben tätig und in vielen anderen Bereichen.

Es ist nicht gut, wenn so getan wird, als wären bestimmte Dienste in der Gemeinde Jesu wichtiger und andere unwichtiger. Überschätzung und Unterschätzung von Diensten hat in der Gemeinde Jesu keinen Platz. Hier stehen wir mit unseren von Gott gegebenen Gaben alle auf der gleichen Ebene. Ob ich auf der Kanzel stehe und predige oder eine Frau eine Kranke besucht – vor Gott ist das gleichwertig und bedeutet keinen Rangunterschied.

Ich konnte aber aus der Schrift heraus nie erkennen, daß der Frau die Leitungsaufgabe in der Gemeinde zugedacht worden ist. In den Synodalbeiträgen zu dieser Frage habe ich versucht, meine biblische Erkenntnis vorzutragen. Ich bin in dieser Frage nie durchgedrungen. Bei der Letztabstimmung über die Frage der Frauenordination hat nur ein kleiner Kreis von Synodalen gegen das Gesetz gestimmt. Die große Mehrheit der Synode stimmte der Frauenordination zu. Ich weiß, daß auch im pietistischen Raum diese Frage verschieden gesehen wird und möchte mich deswegen mit meiner Meinung hier nicht absolut setzen, aber ich habe immer darum gebeten, daß auch meine Erkenntnis und meine geistliche Überzeugung ernst genommen werden.

– Kurt Heimbucher. „Notizen aus meinem Leben“. 2. Aufl. Wuppertal und Zürich 1989, S. 99

 

Freie evangelische Gemeinden: Weg frei für Pastorinnen

Mit überwältigender Mehrheit stimmten die Gemeindedelegierten und Pastoren der Freien evangelischen Gemeinden (FeG) auf ihrem jährlichen „Bundestag“ am 18. September 2010 im Kronberg-Forum (Dietzhölztal-Ewersbach/Mittelhessen) für einen entsprechenden Antrag der Bundesleitung. Er überlässt es den Gemeinden, ob sie entsprechend qualifizierte Frauen als Pastorinnen anstellen.

Der Antrag erhielt 437 von 573 abgegebenen gültigen Stimmen und übertraf mit 76,3 Prozent deutlich die erforderliche Zweidrittelmehrheit. 124 Delegierte (21,6 Prozent) votierten für einen Gegenantrag von fünf Pastoren, die die bestehende Regelung, dass nur Männer Pastoren sein können, erhalten wollten. Zwölf Vertreter (2,1 Prozent) enthielten sich. Bei einer Abstimmung im Jahr 2008 war die Zwei-Drittelmehrheit für die Einführung von Pastorinnen mit 64 Prozent knapp verfehlt worden.

Seit 2005 hat sich der FeG-Bundestag mit diesem Thema befasst. Die Freikirche zählt 38.400 Mitglieder in 454 Gemeinden. Unter den Freikirchen halten nur noch die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK), die Siebenten-Tags-Adventisten, Brüdergemeinden und russlanddeutsche Gemeinden daran fest, dass Pastoren Männer sein müssen. Andere lassen auch weibliche Geistliche zu wie der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten), die Evangelisch-methodistische Kirche, die Heilsarmee, die Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden, der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden und die Altkatholische Kirche.

Frauenordination nun auch im Mülheimer Verband möglich

Nachdem bereits die meisten Denominationen dem kirchlichen Konsens gefolgt sind, auch Frauen für das Lehr- und Pastorenamt einzusegnen, hat entsprechendes nun auch der Mülheimer Verband auf seiner Delegiertentagung 2011 mit deutlicher Mehrheit beschlossen.

68 Experten stimmten für die neue „Leitlinie zum Dienst der Frauen in Verkündigung, Lehre und Leitung in den Gemeinden des Mülheimer Verbandes“, 9 dagegen und 3 enthielten sich. Präses Ekkehart Vetter (Mülheim/Ruhr) begrüßte die Entscheidung auch mit der Begründung, es handle sich nicht um eine heilsentscheidende Frage.

Eine Hamburger Gemeinde hat bereits angekündigt, ihre Gemeindereferentin zukünftig zur Pastorin zu ordinieren. Der Leitlinie zufolge können Frauen sowohl als Pastorinnen als auch als „Älteste“ (Gemeindeleiterinnen) berufen werden. Zuletzt gab es Diskussionen, als auch die FEG ihren ähnlich lautenden Beschluss bekanntgab.

In einer Zeit, in der biblische Positionen durch Mehrheitsbeschlüsse (und nicht durch Bibelexegese) festgelegt werden, wird es immer schwieriger, seine Gemeinde den eigenen Überzeugungen entsprechend verantwortlich zu leiten. So kommt es zu Spaltungen und es erfüllt sich die Prophetie nach 2. Timotheus 4:3.