Fruchtenbaum, Das Leben des Messias

Wollen wir die Bibel richtig verstehen, brauchen wir Kenntnis über die historischen Hintergründe der jeweiligen Texte. Lesen wir die Berichte über Jesus Christus, verstehen wir sie vor allem dann richtig, wenn wir dabei die jüdisch-religiöse Kultur von damals im Blick haben. Hierzu hilft das vorliegende Buch von Arnold Fruchtenbaum, einem an Christus gläubigen Juden.

Der Autor behandelt nicht alle, aber die zentralen Ereignisse aus dem Leben Jesu. Chronologisch beginnt er mit dem ersten Kapitel des Johannes-Evangeliums und der Frage nach dem »Wort«. Der jüdische Bibelleser kennt bereits das aramäische »Memra«. Und entsprechend finden sich sechs Wahrheiten in diesem Kapitel, die auf die »Memra«-Theologie aufsetzen und sie auf Jesus Christus beziehen.

Weiteres Thema sind die Geschehnisse rund um die Geburt und Kindheit von Jesus Christus. Während der westliche Leser im Normalfall eine handelsübliche Krippe unter dem Tannenbaum mit „Hirten“ und „drei Weisen“ vor Augen hat, korrigiert der Autor die damit verbundenen falschen Vorstellungen.

Schließlich legt das Buch den interessanten Fokus auf das Wichtigste, die Frage nach der Person Jesus Christus – ist er nun der Messias oder nicht? Der Prozess der Entscheidungsfindung durch die Pharisäer ist zentral in den Evangelien. Auch der Leser muss letztlich über dieselbe Frage für sich selbst entscheiden, auf Grundlage der bekannten biblischen Überlieferungen.

Neben vielen anderen Wundern tat Jesus Christus auch Wunder aus den drei Kategorien, die von den jüdischen Religiösen als „messianische Wunder“ bezeichnet werden:

Zum einen die Heilung eines jüdischen Aussätzigen (S. 32) deshalb, weil Aussatz als göttliche Strafe verstanden wurde, die nur der Messias wieder erlassen und somit auch heilen konnte. Jesus berührte (!) den Aussätzigen bzw. Unreinen und machte ihn »rein«. (Lk 5,12f.) Zum zweiten die Austreibung von Dämonen, die stumm waren. (S. 52) Nach der jüdischen Tradition trieb man Dämonen aus, indem man zuerst ihren Namen erfuhr. Nur der Messias war von dieser Prozedur frei und so fragten die Leute anschließend: „Ist dieser nicht etwa der Sohn Davids?“ (Mt 12,23) Zum dritten konnte Jesus einen Blindgeborenen heilen. (S. 68) Auch die angeborene Blindheit wurde – wie der Aussatz – als Strafe verstanden.

Fruchtenbaum geht intensiv auf den Konflikt zwischen Jesus Christus und den Pharisäern ein. Besonders seine Ablehnung der pharisäischen Menschengebote (z.B. das übertriebene „Sabbat“-Gebot) führte dazu, dass die Juden die Messianität von Jesus verneinten und Jesus letztlich kreuzigten. Ihr Unglaube wurde gerichtet, andererseits. Auf Erden bereits 70 n. Chr.

Etwa die zweite Hälfte des Buches behandelt die Verurteilung, Verhaftung, Verhandlung und Kreuzigung des Messias. Wurde er beschuldigt, die pharisäischen Gebote gebrochen zu haben, wird hier sehr deutlich, wie die Pharisäer selbst mehrfach ihre eigenen Gebote brechen. Zum Schluss werden noch die zehn Erscheinungen nach der Auferstehung hervorgehoben.

Fazit: Das Buch liest sich leicht, der Leser wird prüfen und es bleiben ihm so manche Schätze.