Fünf Thesen zur geistlichen Situation Deutschlands

Thesen

1. Jesus Christus steht zu wenig im Zentrum des christlichen Glaubens
2. Sinn und Ziel des christlichen Lebens sind zu wenig auf Gott ausgerichtet
3. Die Bibel ist zu wenig zentraler Ausgangspunkt der christlichen Lehre
4. Es fehlt das richtige Verständnis von der Liebe in Bezug auf den Zorn Gottes
5. Die geistliche Situation Deutschlands und der Welt wird nicht erkannt

Die Erläuterungen zu den Thesen:

1. Jesus Christus steht zu wenig im Zentrum des christlichen Glaubens

Wir können keine unmittelbare Beziehung zu Gott dem Vater haben, sondern nur eine mittelbare durch Jesus Christus, welcher durch seinen Opfertod den Weg zum Vater freigemacht hat.

Diese absolute, grundlegende biblische Wahrheit wird in der Praxis der Predigt, Evangelisation und Seelsorge immer mehr übergangen. Es wird zu Gott eingeladen und von Vergebung und Heilung gesprochen, ohne den Heilsplan Gottes, den Weg über den Opfertod Jesu Christi klar zu lehren.

Zur Zeit von Charles Hodge wurde darüber noch hart diskutiert und Gemeindezucht praktiziert. Heute wird dieser wichtige Punkt – im Sinne falsch verstandener Toleranz und Liebe – zu wenig thematisiert.

Folge davon sind falsche Versprechungen, unbiblische Einheitsbestrebungen und fehlende Absonderung gegenüber den heidnischen Religionen, besonders dem Islam.

2. Sinn und Ziel des christlichen Lebens sind zu wenig auf Gott ausgerichtet

Der Westminster-Katechismus lehrt an erster Stelle: „Das höchste Ziel des Menschen ist, Gott zu verherrlichen und sich für immer an Ihm zu erfreuen.“

Diese theozentrische Sichtweise wird zunehmend durch die anthropozentrische Sichtweise ersetzt. Mittelpunkt des christlichen Lebens ist immer mehr der Mensch und sein Leben, immer weniger Gott selbst, seine Souveränität und Gnadentaten, wie sie uns in der Bibel überliefert sind.

Folge davon ist besonders die falsche Gewichtung weg von der Furcht Gottes und der Liebe zu Gott und unserem Nächsten hin zu übertriebener Selbstliebe. Es besteht zudem eine westliche Blindheit gegenüber der Ausbeutung unseres Nächsten auf Grundlage kapitalistischer Geldliebe.

3. Die Bibel ist zu wenig zentraler Ausgangspunkt der christlichen Lehre

Die christliche Lehre ist zu wenig durchtränkt vom Wort Gottes und wird zunehmend durch säkulare Theorien wie die Psychologie und durch Erfahrungstheologie ersetzt.

Die Predigt ist zu selten Auslegungspredigt. Bestehende Denkmuster werden anhand ausgesuchter Bibelstellen belegt, anstatt bestehende Bibelstellen auslegend zu predigen. Gott spricht weniger zum Menschen durch sein Wort, stattdessen spricht der Mensch und sucht die Bestätigung Gottes.

Grund dafür ist auch die Trennung von Kirche und Freikirche, sowie von Universität und Bibelschulen. Es fehlt das Geld für mehr hauptamtlich beschäftigte Bibellehrer und deren tiefgründige Aus- und Weiterbildung. Es fehlen bibeltreue Professoren zur fundierten Bibellehre inkl. Apologetik.

Folge davon sind Spaltungen aufgrund mangelhafter Dogmatik, die nicht durch inhaltliche Auseinandersetzung, sondern durch Toleranz und Gleichgültigkeit überwunden werden soll.

4. Es fehlt das richtige Verständnis von der Liebe in Bezug auf den Zorn Gottes

Die Liebe Gottes wird nicht nur in den Mittelpunkt christlicher Lehre gestellt, sie verdrängt auch zunehmend die biblische Lehre von der Heiligkeit und vom Zorn Gottes.

Gott hatte Adam und Eva gerichtet, dann Kain, die Menschen zur Zeit der Sintflut, dann Sodom und Gomorra, die Ägypter beim Auszug, die Kanaaniter bei der Eroberung, das Volk Israel und die Nationen von der Richterzeit bis zu den Epochen Assyriens, Babylons, Persiens, Griechenlands, Roms und darüber hinaus bis zur heutigen Zeit. Gott hat sich nicht geändert.

Immer wieder sprach Gott davon, dass das Maß ihrer Sünde noch nicht voll wäre, doch irgendwann war es dann soweit. (1 Mo 15,16; Dan 8:23) Dieses Prinzip Gottes wird im Neuen Testament bestätigt (Matth 23, 32; 1 Thess 2,16; 2 Petr 3,9f.)

Das falsche Gottesbild prägt das christliche Leben negativ und führt außerdem zu falschen Erwartungen vom Segen Gottes über unsere persönliche Zukunft und die Zukunft unseres Landes.

5. Die geistliche Situation Deutschlands und der Welt wird nicht erkannt

Falsch verstandene Toleranz, Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit lassen Realitäten wie Unzucht, Unmoral, Abtreibungen, Apostasie u.v.a.m. übersehen.

Die geistliche Gesundheit einer Kirche wird anhand der Zahl der Gottesdienstbesucher gemessen, nicht aber an biblischen Prinzipien. Materieller Reichtum wird als Bestätigung Gottes gesehen. Im Vergleich zu anderen Ländern gilt für Deutschland insbesondere Offenbarung 3,17.

Es wird für Erweckung gebetet und davon gepredigt, aber das Maß ist bald voll.

Tun wir Buße.