Göttliche Liebe ist noch stärker als der Hass

„Sollte ich nicht hassen, die dich, HERR, hassen, und keine Abscheu empfinden vor deinen Widersachern? Ich hasse sie mit vollkommenem Hass, sie sind mir zu Feinden geworden.“ – Psalm 139,21f.

Nehmen wir den Extremfall. Was empfinden wir, wenn wir einem Kinderschänder in die Augen sehen? Was, wenn dieser Mensch – Gott bewahre – das eigene Kind missbraucht hat?

Wer hier allein von der Liebe zum Nächsten predigt, denkt zu kurz. Der erste, natürliche Gedanke in solchen Fällen ist hasserfüllt. Wer dem Perversen mit natürlicher Liebe begegnet, wird selbst ein solcher, dann ist das eigene moralische Empfinden pervertiert.

Vom Extremfall zum Normalfall. Der Mensch hat sich an die Sünde gewöhnt. Es fällt zunehmend schwerer, eine Grenze zu ziehen. Was früher moralisch verurteilt wurde, ist heute salonfähig geworden. Haben wir dann noch negative Gefühle? Oder sind wir gleichgültig geworden und predigen emotionslos, schablonenhaft von Sünde, Blut und Vergebung?

„Der HERR prüft den Gerechten; aber den Gottlosen und den, der Frevel liebt, hasst seine Seele.“ (Psalm 11:5) Gott ist voller Zorn – nicht nur auf die Sünde, sondern auch auf den Sünder. Der Mensch ist verantwortlich für sein Tun. Kein Richter dieser Welt verurteilt eine Straftat, ohne auch den Menschen dafür zu bestrafen. Gott richtet ebenso.

Doch jetzt müssen wir von der Liebe predigen. Gottes Zorn ist keine blinde Wut, sondern „eine völlig vernünftige und gewollte Reaktion auf Angriffe gegen Seine Heiligkeit.“ (D.A. Carson) Noch größer als sein Zorn aber ist seine Liebe zu uns. Seine Liebe ist so groß, dass sie den Hass und den Zorn überwindet. Jesus Christus nimmt unsere Sünde und damit auch den Zorn auf sich. Er trägt unsere Strafe am Kreuz, aus Liebe zu uns sündigen Menschen.

Diese göttliche Liebe sollen auch wir weitergeben. Jedem Menschen, in jedem Fall.