Hat der biblische „Fundamentalismus“ ausgedient?

eg-logo-kDer Begriff „Fundamentalismus“ wird in der Gesellschaft meist mit Fanatismus, Intoleranz und Gewaltbereitschaft gleichgesetzt. Sollten Christen, die sich auf das Fundament der Bibel berufen, deshalb auf diese Bezeichnung verzichten? Mit dieser Frage setzt sich der Direktor der Evangelischen Gesellschaft für Deutschland (EGfD), Andreas Klotz, in seinem Bericht auseinander, den er bei der Jahreshauptversammlung des Gemeinde- und Gemeinschaftsverbandes am 2. Juni 2012 in Radevormwald den 113 Delegierten vorlegte.

Klotz hält den Verzicht auf den Begriff „Fundamentalismus“ trotz berechtigter Einwände aufgrund mangelnder alternativer Standortbestimmungen und der theologischen Tradition seines Verbandes für schwierig. Klotz: „Wenn wir uns mit Rücksicht auf das gesellschaftlich verbreitete Verständnis nicht mehr als ‚Fundamentalisten’ bezeichnen, distanzieren wir uns nicht nur von der Gewaltbereitschaft, die in unserer Gesellschaft scheinbar unauflöslich mit diesem Begriff verbunden ist, sondern gleichzeitig geben wir damit in den Augen unserer Beobachter den Wahrheitsanspruch auf.“ Am Absolutheitsanspruch Jesu Christi müsse man aber erkennbar festhalten, um nicht „eine Entleerung unserer Theologie zu signalisieren“. Die EGfD verstehe die Bibel als unfehlbares Wort Gottes.

Kein Fanatismus

Klotz grenzt sich gleichzeitig von jedem religiösen Fanatismus ab. So dürfe der Missionsauftrag nicht durch Zwang oder Manipulation erfolgen, sondern nur mit freiwilliger innerer Zustimmung des mündigen Menschen. Auch stelle der Absolutheitsanspruch Christi keinen „Ausschließlichkeitsanspruch“ als einzige anzuerkennende Religion in der Gesellschaft dar. Am Grundanliegen einer friedlichen Koexistenz verschiedener Kulturen und Religionen wolle man mitarbeiten. Dazu gehöre ein Ja zum gesellschaftlichen Pluralismus. Ferner ruft Klotz die Mitglieder der EGfD auf, am Wohl des Staates aktiv mitzuarbeiten: „Wir sollen Bürger und nicht nur Kunde sein.“ Er mahnt dazu, innerevangelikale Kämpfe und Verdächtigungen zugunsten fairer Auseinandersetzungen um den richtigen Weg aufzugeben.

Bibellesen mit geistlicher Disziplin

Ferner wirbt Klotz für das intensive Lesen und Studieren der gesamten Bibel: „Es ist notwendig und wertvoll zugleich, die Bibel als göttliches Gesamtkunstwerk zu verstehen und möglichst in einer zusammenhängenden Schau aufzunehmen.“ Dazu sei geistliche Disziplin erforderlich: „Eine unserer wesentlichen Zielsetzungen als Gemeindeverband besteht darin, die Entdeckung, dass Gott durch sein Wort redet, und die sich daraus ergebende Freude und alle damit verbundenen Segnungen für möglichst viele Menschen erfahrbar zu machen.“ Die EGfD führt in diesem Jahr das Projekt Bibel-lesen.de durch. Dazu gehört ein systematischer Bibelleseplan, der für jeden Tag Lesungen aus drei Kategorien enthält: den Geschichtsbüchern des Alten Testaments, der poetischen und prophetischen Literatur im Alten Testament und aus allen Büchern des Neuen Testaments.

Zu Christus finden und geistlich reifen

Ähnlich äußerte sich der Präses der EGfD, Jürgen Schmidt (Gießen). Der Verband in erster Linie den Menschen das Wort Gottes nahebringen, damit sie zum Glauben an Christus finden und geistlich reifen. Das Jahr des Bibellesens bringe dafür großen Nutzen, so Schmidt. Zur EGfD gehören 78 landeskirchliche Gemeinschaften und freikirchlich geprägte Gemeinden mit etwa 6.000 Mitgliedern und regelmäßigen Besuchern vorwiegend im Westen und Nordwesten Deutschlands.

– Quelle: idea im Juni 2012

Christen sollen „biblische Fundamentalisten“ sein

Christen sollten „biblische Fundamentalisten“ sein. Dazu hat der Leiter des Bibelcenters Breckerfeld, Johannes Vogel (Breckerfeld bei Hagen), auf der Maleachi-Konferenz aufgerufen, die vom 26. bis 28. Mai 2007 im Bibel- und Erholungsheim Hohegrete (Pracht/Sieg) stattfand. Das Treffen unter dem Motto „Gemeinde vor dem Ende – untergehen oder überwinden?“ zählte rund 450 Teilnehmer.

Nach Vogels Worten ist die Bibel das Fundament für den persönlichen Glauben und das Gemeindeleben: „Wo das Wort Gottes in seiner Autorität angegriffen wird, da ist Kraftlosigkeit, Fruchtlosigkeit und schleichendes Versagen vorprogrammiert.“ Kritik übte Vogel in diesem Zusammenhang an der Ökumene. Die Zusammenarbeit der Kirchen auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner geschehe auf Kosten von Glaubenswahrheiten. Er bedauerte, dass immer mehr Freikirchen „auf diesen Zug aufgesprungen sind“. Die Folge seien Kompromisse: „Kompromiss ist immer ein höfliches Wort für Kapitulation.“

Es sei ein Kennzeichen heutiger Spiritualität zu meinen, dass jeder nach seiner eigenen Überzeugung selig werden könne. In dem Zusammenhang kritisierte Vogel die Volxbibel, eine Übertragung der Bibel in die Sprache einer bestimmten Jugendszene, die im Internet weiterentwickelt wird. Vogel: „Da kannst du die Bibel so schreiben, wie du das möchtest: Das ist doch ein Wahnsinn.“ Er rief dazu auf, unbedingt am Absolutheitsanspruch der Bibel festzuhalten, nach dem Jesus Christus der einzige Weg zum Heil ist. Vogel bedauerte, dass auch in evangelikalen Kreisen zunehmend geistliche Gleichgültigkeit einkehre: „Das tut Jesus weh.“ Zu einer Gemeindeparty kämen alle, doch wenn es darum gehe, in der Fußgängerzone Traktate zu verteilen, finde man kaum Mitstreiter.

– Quelle: idea im Mai 2007