Holzhauer, Verführungsprinzipien

HolzhauerDieses Buch, das 2012 zum wiederholten Mal neu aufgelegt wurde, kann man durchaus als bibeltreues Standardwerk zu Themen wie Mystik, Okkult-Religiosität, Exorzismus und Schwärmerei bezeichnen. Es entstand aus verschiedenen Veröffentlichungen des ehemaligen Pfingstlers Rudi Holzhauer (1916-1989), der viele Jahre in eben diesen Strömungen beheimatet war.

Ein Problem der heutigen Zeit ist, dass man größtenteils erbauliche Literatur lesen möchte. Aufklärung über Verführung ist aber wenig erbaulich und wird deshalb oft kaum beachtet oder gar mit Argwohn betrachtet.

Das 1. Kapitel behandelt das uralte Thema „Mystik“. Was ist Mystik? Was soll damit erreicht werden? Was hat es mit Neuoffenbarungen auf sich?

Im 2. Kapitel wird daran anknüpfend ein geschichtlicher Überblick über die verschiedensten Strömungen und Verzweigungen mystischer, falschprophetischer, meditativer, magisch-okkulter und ekstatischer Frömmigkeit gegeben. Holzhauer schlägt einen Bogen ausgehend von der nachapostolischen Zeit (Gnostiker, Montanisten, Donatisten) über das Mittelalter, der Reformationszeit, dem nachreformatorischen Protestantismus bis ins letzte Jahrhundert hinein. Personen wie Theresa von Avila, Ignatius von Loyola, Jakob Böhme, F.C. Oetinger u.v.m. werden vorgestellt. Es finden sich unter diesen „Erleuchteten“ auch verführte Gottesmänner, die sicher manch Gutes gewirkt haben, allerdings immer wieder in der Gefahr standen, sich für übersinnliche Dinge zu öffnen (Zinzendorf, Blumhardt). Das Problem dabei ist das subtile Wegwenden vom geschriebenen Gotteswort, hin zu einer unnüchternen, erfahrungs- und gefühlsbetonten, subjektiven Frömmigkeit.

Kapitel 3 behandelt das Thema „Exorzismus“. Hier wird deutlich wie dadurch, dass man Bibelstellen aus dem Zusammenhang reißt, viel schlimmer Missbrauch getrieben wird. Christen werden als angeblich besessen oder okkult gebunden betrachtet und man bringt sie durch die abstrusesten Methoden und ein völlig überzogenes Nachforschen in der Vergangenheit des Betroffenen, nur noch tiefer in eine Gebundenheit, meist in eine Abhängigkeit zum Seelsorger. Dieser bemerkt nicht, dass er Magie im Prinzip mit Gegenmagie bekämpft.

In Kapitel 4 geht Holzhauer auf die Verbindung von „Okkultreligiosität und seelischer Erkrankung“ ein. Auch hier wird wieder deutlich, was durch eine falsche Form der Seelsorge und deren Überbewertung, an katastrophalen Folgen zutage treten kann. Es wird auch auf Psychologie, Gewissenforschung und manipulierte Abhängigkeit eingegangen.

Im letzten Kapitel beleuchtet der Autor verschiedene Verführungsprinzipien und fasst einiges nochmal zusammen, wobei es aufgrund der in sich geschlossenen Kapitel auch zu Überschneidungen kommt.

Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen. Besonders Gemeindeleiter, Älteste und Menschen in verantwortlicher Position sollten es lesen. Man kann es auch als Nachschlagewerk gebrauchen.

Sebastian Gruner (Erlbach-Kirchberg)