Internetmission – eine ehrliche Einschätzung

InternetmissionEin Freund kam auf mich zu: „Ich wurde gefragt, einen Vortrag über Internetmission zu halten. Was sagst Du?“ Nun, was soll ich sagen? Mein erster Gedanke war, das Thema ist viel zu komplex. Wo soll man da anfangen? Dann aber dachte ich, eben weil es so komplex und für uns Christen heute außerdem so wichtig ist, gerade deshalb hier mein Versuch, ein paar Zeilen zum Thema zu schreiben.

Internetmission – das ist ‚Mission‘ im ‚Internet‘, oder? Bevor wir uns also über die Möglichkeiten (und Grenzen) des Internets beschäftigen, sollten wir uns zuallererst fragen, was wir eigentlich unter dem Begriff ‚Mission‘ verstehen. Dann erst, inwieweit das im Internet möglich ist.

Gedanken zum Missionsbegriff

Für viele ist der Missionar einfach nur „im Auftrag des Herrn unterwegs“, egal was er tut. Ich aber meine nicht alles, was wir „für den Herrn“ tun, ist Mission. Diakonie zum Beispiel ist Diakonie, und Seelsorge ist Seelsorge. Ein christlicher Buchladen ist nur das, und eine Nachrichtenagentur beschäftigt sich eben mit Nachrichten. Wer einen Glaubenskurs anbietet, der ist Bibellehrer. Und wer die Gemeinde leitet, den nennt man Ältester. Alles sind wichtige Dienste „für den Herrn“, aber es ist keine Mission im engeren Sinne.

Lesen wir den Missionsbefehl: „So geht nun hin und macht zu Jüngern…“ Dazu gehört das Lehren und das Taufen. Wer an Jesus Christus gläubig wird, der wird getauft. Und der Glaube wiederum kommt nach Römer 10:17 aus der Predigt. Sehen wir davon ab, dass der Missionar in der Regel in anderen, noch unerreichten Kulturkreisen unterwegs ist, so ist Mission im eigentlichen Sinne vor allem die Arbeit am Menschen. Jesus hat mit seinen Jüngern zusammengelebt.

Das Internet – Anonymität, Google und Facebook

Im Internet surfen die meisten anonym, zumindest versuchen sie es. Auch wer seinen Namen preisgibt, hält immer noch die räumliche Distanz zu seinem Gegenüber. Hinzu kommt die große Unverbindlichkeit, denn mit einem Klick ist der Leser wieder weg. Die Gemeinschaft im Internet findet hier im Vergleich zum biblischen Gemeindeleben seine klaren Grenzen.

Das zweite Problem stellt sich denen, die „aus dem Nichts“ etwas schaffen wollen. Egal welcher Dienst und welche Webseite, sie muss erst einmal gefunden werden. Google ist eine Maschine, und die sucht nicht nach der Wahrheit sondern hält sich an die eigenen Kriterien. Die Alternativen sind entweder teure AdWords Werbung oder eine große (und großzügige) Webgemeinschaft.

Damit sind wir auch schon bei Facebook. Ein wunderbares Tool, um Dienste zu verbreiten. Mit dem Nachteil, dass es vor allem die Oberflächlichkeit fördert. Jeder Nutzer wird täglich überflutet mit nützlichen oder auch weniger nützlichen Beiträgen. Wer hier Jünger machen will, wird ganz sicher scheitern. Jünger-machen, das geht nur durch Gemeindearbeit bzw. -gründung vor Ort.

Beispiele von Internetdiensten

Ich will hier nun wirklich nicht schreiben, dass das Internet völlig nutzlos ist. Wenn das so wäre, würde ich nicht täglich Stunden damit verbringen, Webseiten wie diese zu verwalten. Vor allem der Zeltmacher Dienst macht Freude und bringt Kontakte, übrigens auch zu Nicht-Christen. Man bekommt Emails und hat Austausch, der sicher wertvoll ist. Aber es ist keine echte Mission.

Weitere Beispiele von christlichen Webseiten sind Radiodienste wie CID oder DWG, Glaubenskurse vom ERF oder einfache Seiten wie Herr-Jesus und Lebenssinn. Letztere werden auch über Google gefunden und bringen erste Kontakte ähnlich wie Zeltmacher.

Zur Unterstützung der Gemeindearbeit haben wir die Seite Chronologisches-Bibelstudium erstellt. Vielleicht findet man sie irgendwann auch über Google, aber vor allem machen wir Werbung vor Ort und bieten so die Möglichkeit, in Ruhe nachzulesen was wir denn so lehren. Tägliche Begleitung, beharrliches Einladen und für-die-Menschen-beten kann es aber nicht ersetzen.

Warum so kritisch?

„Facebook ist Selbstprostitution“, so der Titel eines entsprechenden Artikels. Man präsentiert und verkauft sich, um gesehen zu werden. Meine Befürchtung ist, dass auch viele andere Dienste im Netz dieselbe Richtung einschlagen. Wenn im christlichen Gemeindeleben die Anzahl der Mitglieder Indikator für geistliche Frucht geworden ist, wieviel mehr die Anzahl der Besucher und Zugriffe auf christliche Seiten im Internet? Viele haben einen Counter auf ihrer Seite, und der ERF wirbt fleißig mit der Anzahl seiner Kursteilnehmer.

Echte Mission ist wichtiger, das ist meine These. Der Einzelne, dem ich persönlich gegenüber sitze, der noch nie zuvor von Jesus gehört hat und wahrscheinlich so schnell auch auf keine christliche Webseite kommt (weil er nie danach sucht), ist mir wichtiger als Hunderte von Klicks von denen einige sogar aus Japan kommen und ich mich fragen muss, inwieweit ich dem Japaner dienen kann.

Und weil mir dieser Mensch so viel wichtiger ist, schreibe ich diese Zeilen. Lassen wir uns nicht blenden und bleiben wir realistisch. Halten wir uns an den einfachen Missionsbefehl und vergessen wir ihn nicht.

Letzte Gedanken

Ein Referent über Mission erzählte eine Geschichte. Eine Gemeinde wollte missionieren und hatte die Idee, dazu ein christliches Café zu eröffnen. Warum aber, so die Ältesten nach viel Gebet, gehen wir nicht in ein bereits bestehendes Café? Warum denn ein neues eröffnen? Wir sollen „gehen“ und nicht „einladen“…

Denselben Gedanken beziehe ich auch auf das Internet. Warum einen neuen Dienst starten, wenn man sich in bereits existierenden wie z.B. Gutefrage.net engagieren kann? Ich selbst habe dort einen Account und melde mich zu Heilsfragen zu Wort. Und die Leute stellen viele Fragen zum Thema Religion. Man braucht gar nicht versuchen sie zu erreichen, die Menschen kommen selbst.

Zuletzt sehe ich noch die Möglichkeit, im Internet zu predigen. Nicht anonym, sondern per Video nach dem Motto „Hier stehe ich und kann nicht anders.“ Der Gedanke beschäftigt mich seit langer Zeit. Das wäre wohl am ehesten Internetmission, denn „der Glaube kommt aus der Predigt.“

Fazit: Man kann das Internet sinnvoll nutzen. Aber es hat seine missionarischen Grenzen.

– Bild: ©pixelio/Gerd Altmann