Irrlehre und Nächstenliebe

lockere-sau

„Man muss auch beachten, dass eine „deutliche“ Benennung von falschen Lehren bzw. Lehrer nicht als „lieblos“ oder „angreifend“ bezeichnen werden darf. Für Jesus scheint es kein Widerspruch zu sein auf der einen Seite die Nächstenliebe zu verlangen, aber andererseits seine theologischen Gegner als „Otternbrut, Heuchler“ oder „übertünchte Leichen“ zu bezeichnen (vgl. Mt.23,33 u.a.). Ebenso reden die Apostel von Heuchlern, faulen Bäuchen, Ohrenbläser, hohle Schwätzer (denen man den Mund stopfen muss), abscheulich, befleckt, unvernünftige Tiere (zum Einfangen und verderben geboren), Kinder des Fluches, Hund, im Kot wälzende Sau usw. (vgl. Tit.1,10ff). Nach 2.Joh.9-11 soll man sich von falschen Lehrern distanzieren, um sich nicht zu verunreinigen.

Auch die Reformatoren haben hier deutliche Worte gefunden, welche heute von der evangelikalen Welt sicherlich nicht als „gewinnend“ bezeichnet werden. Sicher sollten wir nicht beleidigend reden, doch die Klarheit der Schrift und die Treue zu Gott und seinem wahrhaftigen Wort verpflichtet uns, Klartext zu reden, damit der Glaube nicht verwirrt oder mit Grauzonen und Kompromissen vernebelt wird. Jesus und die Apostel sind uns hier auch in dieser Sache Vorbilder. Sie waren provokant und forderten die Massen mit Ihren klaren und deutlichen Lehren heraus. Diese Haltung ist in der christlichen Welt zugunsten einer angeblich „dialogisch-gewinnenden“ Haltung weitgehend verloren gegangen, indem man das „Ärgernis des Kreuzes“ und die „Torheit der Predigt“ für die Gesellschaft entschärft hat.

Dies gilt auch im gewissen Sinn für die innerchristliche Welt und ihren postmodern-pluralistischen und liberalen Umgang mit biblischen und unbiblischen Lehren.“

– Ronald Senk, „Das Israel Gottes“, FN S. 113