Israel: „Niemand von uns ist an Feindschaft interessiert“

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Major Arye S. Shalicar ist ein deutsch-iranischer Israeli. Aufgewachsen als Jude im muslimisch geprägten Berliner Stadtteil Wedding, lebt er heute mit seiner Frau und dem sieben Monate alten Raphael in Jerusalem. Sein Beruf: Militärsprecher. Er spricht über Raketen, Panzer und Militärflugzeuge. Nicht weil er den Krieg liebt, im Gegenteil.

„Als Sprecher des Israelischen Militärs kann ich bezeugen, dass niemand von uns an Feindschaft interessiert ist.“ Als Pressesprecher der Israelischen Armee will er der Welt vielmehr klarmachen, dass hier in Israel alles etwas anders ist als in vielen Medien dargestellt. In einem exklusiven Interview mit Position spricht er über die Palästinenser, den Islam und die militärischen Herausforderungen Israels. Zum Thema der Iranischen Atombombe schweigt Major Arye S. Shalicar. „Damit sind die Politiker beschäftigt.“

Hass auf die Juden und auf Israel erlebte Arye S. Shalicar als Junge im muslimisch geprägten Berlin-Wedding tagtäglich. Er bekam diesen Hass am eigenen Leibe zu spüren. In seiner Autobiografie „Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude“ beschreibt er den muslimischen Antisemitismus auf Berlins Strassen.

Fundamentalistischer Islam ist nicht am Zusammenleben interessiert

Und heute in Israel, wie erlebt man da den islamischen Antisemitismus? Als Militärsprecher sei es seine zentrale Aufgabe über militärische Strategien, Probleme und Herausforderungen zu sprechen. Religiöse Probleme thematisiere er lieber nicht. „Werden ideologische militärische Aspekte in der Armee nicht diskutiert?“, will ich von ihm wissen. „In geschlossenen Räumen schon“, meint Shalicar. Und für Position. öffnet der Militärsprecher die Tür des sonst geschlossenen Raumes einen Spalt weit:

Der fundamentalistische Islam sei eine Triebfeder des Krieges und des Hasses. Für Shalicar und das Israelische Volk ist diese Tatsache traurige Realität. „Der fundamentalistische Islam will kein Zusammenleben, kein Verständnis, er kennt nur den Dschihad, den Krieg gegen die Ungläubigen.“ Der Dschihad bedeute Krieg gegen ein Volk, das man hier nicht haben wolle. Ein Krieg gegen Menschen, die man nicht dulde.

Islamismus: Der Kern des Problems

Landfrage, Siedlungspolitik, Völkerrecht sind Schlagwörter, über die rege debattiert und erfolglos verhandelt wird. Nur, ich frage mich an diesem Abend ganz neu: liegt wirklich da der Kern der Problematik des Nahost-Konfliktes? Sind dies nicht vorgeschobene Argumente, die das eigentliche Problem ausblenden? Rashid, der Versicherungsmakler aus dem arabischen Dorf el-Azariya hat in einem Interview gegenüber israelnetz.com erklärt: „Der Friedensprozess widerspricht grundlegend unserer Ideologie und Religion!“

Arye S. Shalicar: „Wir sind dem Fundamentalismus, dem Salafismus ausgesetzt. Damit müssen wir leben.“ Israel, die einzige Demokratie im Nahen Osten weit und breit ist herausgefordert. „Wir sind einer Realität ausgesetzt wie keine andere Armee der Welt. Wir sind praktisch gefangen in einer Umgebung von Diktaturen, die zehntausende von Menschen jedes Jahr umbringen. Mit der Palästinischen Zivilbevölkerung haben wir kein Problem. Wir haben Probleme mit den Terrororganisationen wie der Hamas, dem islamischen Dschihad oder Organisationen wie der Hisbollah, welche Terror gegen die Israelische Zivilbevölkerung ausüben. Und das schon seit Jahren. Diese Organisationen müssen verstehen und begreifen, dass wir unsere Zivilbevölkerung und unsere Demokratie schützen.“

Auf die Frage, warum Israel die Palästinische Bevölkerung im Gazastreifen wie in einem Gefängnis einsperrt, antwortet Shalicar kurz und konkret: So etwas zu behaupten sei „Lüge und antisemitische Propaganda.“ Zwei Übergänge gäbe es vom Gazastreifen nach Israel. Der Interessanteste sei der Übergang „Kerem Schalom“ über den „täglich hunderte von Lastwagen mit israelischen Gütern in den Gazastreifen fahren,“ so Shalicar.

Wachsender Islamismus in Westeuropa: Dieselbe Bedrohung wie in Israel?

„Wir leben leider nicht in der Schweiz. Ihr bekommt keine Raketen ab von euren Nachbarn. Wir haben keine andere Wahl, als uns zu verteidigen.“ Genauso wie militärstrategische Fragen im Nahen Osten scheint Shalicar auch die Frage zu beschäftigen, ob Europa die Gefahr der wachsenden Islamisierung überhaupt erkennt und richtig einschätzt. Für mich stellt sich nach dieser Begegnung mit Major Arye S. Shalicar die Frage: Liegt Israel in diesem Sinne nicht praktisch vor unserer Haustüre? Kann es auch bei uns soweit kommen, dass ein Militärsprecher sagen muss: „Wir haben keine andere Wahl, als uns zu verteidigen“?

Von Daniel Zingg (Israel) / Position.