Ist Mission noch zeitgemäß?

MissionWas passiert, wenn wir nicht gehen?

Immer wieder hört man, Mission sei überholt, ein Überbleibsel aus der Kolonialzeit westlicher Staaten und überheblicher Ausdruck einer Religion, die sich für etwas Besseres halte. Christen sind sicherlich nichts Besseres. Aber sie haben den Besten, nämlich Jesus Christus, kennengelernt und verstanden, wie gut Er es mit allen Menschen meint. Und sie können nicht anders, als es allen weiterzusagen (s. Apg 4,20).

Es war nicht immer so, dass das Christentum vom Westen her verbreitet wurde. In den ersten Jahrhunderten kam es aus dem Osten zu uns. Eine kleine verachtete Minderheit lebte und predigte die Botschaft der Bibel in Israel und der heutigen Türkei. Heute kommt die Mehrheit der christlichen Missionare nicht aus westlichen Ländern, sondern aus dem sogenannten Globalen Süden.

Unsere westliche Gesellschaft wurde jahrhundertelang durch das biblische Menschenbild geprägt. Als Folge davon dürfen wir mit einer Freiheit leben, die Menschen in Ländern, die nicht die gleiche Geschichte haben, weitgehend unbekannt ist.

Die Bundeszentrale für politische Bildung sagt: „Freiheit ist ein Grundbegriff moderner Demokratien und zählt zu den wichtigsten Grund- und Menschenrechten.“ Und Wikipedia beschreibt Freiheit als „die Möglichkeit, ohne Zwang zwischen verschiedenen Möglichkeiten auswählen und entscheiden zu können.“

Doch viele Menschen wissen gar nicht, dass wir diese Freiheit dem Einfluss des Christentums zu verdanken haben. Auch wenn diese Freiheit heute von vielen Menschen in haarstreubender Art und Weise ausgenutzt wird, haben wir doch die Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen. Gott hat uns mit dieser Wahlmöglichkeit geschaffen und beabsichtigt auch, dass Menschen ihre eigene Wahl treffen können, mit allen dazugehörigen Konsequenzen. Was aber, wenn sie keine Wahlmöglichkeit haben, weil sie das Evangelium nicht kennen oder keinen Zugang zu der Botschaft der Bibel haben?

Wenn Menschen eine Wahl haben, ist es ihre Verantwortung;
wenn sie keine Wahl haben, ist es unsere Verantwortung!

Lohnt sich das alles?

Es gibt viele Argumente und Sorgen, die uns auf dem Weg in die Mission begleiten. Die meisten sind alles andere als verheißungsvoll und behagen uns ganz und gar nicht. Man muss geradezu verrückt sein, um sich darauf einzulassen. Denn wenn wir etwas machen, dann wünschen wir uns, das Richtige zu tun und natürlich auch Bestätigung, Anerkennung und Gelingen.

Es war um 40 nach Christus, als im römischen Reich die ersten christlichen Gemeinden entstanden. Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott Seinen Sohn (Gal 4,4) Genau zum richtigen Zeitpunkt, als die Griechen mit ihrer Sprache und Kultur den Mittelmeerraum beherrschten, die Römer ihr Weltreich aufgerichtet und weltverzweigte Straßen gebaut hatten und die Juden in vielen Städten des Reiches verteilt waren, kam Gottes Sohn als Mensch auf diese Erde, um der Retter der Welt zu werden. Aber dann lief alles gar nicht so reibungslos, wie man es erwarten würde.

Jesus Christus kam in das Seine und die Seinen nahmen Ihn nicht an. Er ließ die himmlische Herrlichkeit und die ungetrübte Gemeinschaft mit Seinem Vater und Seine Rechte zurück. Er wurde als hilfloser Mensch geboren und lebte in äußerst einfachen Verhältnissen. Er wurde verachtet, unschuldig verurteilt und ans Kreuz geschlagen, wo Er auch starb.

All das hat der Herr auf sich genommen, damit wir gerettet werden können! Es hat Ihn alles gekostet. Hat es sich gelohnt? Er hat Sein Leben gegeben und hat das Lösegeld bezahlt, damit uns ein für allemal vergeben ist. Wir dürfen eine lebendige Beziehung zum Vater eingehen, die uns heute und für alte Zeit trägt. Wenn wir in Christus sind, haben wir unzählige Segnungen empfangen, unter anderem …

– sind wir abgewaschen, geheiligt und gerechtfertigt (1. Korinther 6, 11).
– sind wir nicht mehr zu trennen von der Liebe Gottes (Römer 8,39).
– haben wir ewiges Leben (Johannes 3,16).
– sind wir eine neue Schöpfung (2. Korinther 5,17).
– sind wir Mitbürger und Gottes Hausgenossen (Epheser 2,19).
– sind wir Kinder Gottes (1. Johannes 3,2).
– sind wir Miterben und Mitteilhaber der Verheißung (Epheser3,6).
– sind wir Sein Volk, ein königliches Priestertum und eine heilige Nation (1. Petrus 2,9).
– haben wir eine vorbereitete Wohnung im Haus des Vaters (Johannes 14,2).
– haben wir Zugang zum Thron der Gnade (Hebräer 4,16; 10,19).
– wohnt Christus in uns (Kolosser 1,27).

Risiken und Nebenwirkungen inklusive

Und dann hat der Herr den Staffelstab an Seine Jünger weitergegeben: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich auch euch!“ (Joh. 20,21) Gebt den Reichtum, den ihr empfangen habt, weiter!

Von Anfang an hatten die Gläubigen mit Widerstand zu rechnen. Sie wurden ein- gesperrt, mussten vor dem Hohen Rat erscheinen, wurden bedroht und geschlagen, bis der erste Christ wegen seines Glaubens sogar getötet wurde (Apg. 4 bis 8). Der Bericht von den Erlebnissen des Paulus ist noch detaillierter: Er war wochenlang zu Fuß unterwegs, wurde abgelehnt, geschlagen, gesteinigt, hat Schiffbruch erlitten, dazu Hunger, Durst, Kälte, Blöße, Schlaflosigkeit und viele verschiedene Gefahren (2. Kor.1 1). War es also wirklich der richtige Zeitpunkt für das Kommen des Sohnes Gottes und die Verbreitung Seiner Botschaft? Und lohnte sich der Einsatz?

Trotz des starken Gegenwinds glaubten überall Menschen der Botschaft der Bibel und wurden errettet. Auch später haben nicht alle Menschen die Christen toleriert oder friedlich aufgenommen. Viele haben versucht, die wachsende Gemeinde im Keim zu ersticken.

Doch Phillips drückt es folgendermaßen aus: „Es ist eine nüchterne historische Tatsa che, dass niemals zuvor so eine kleine Gruppe gewöhnlicher Menschen die Welt so bewegt hat, dass ihre Feinde mit Tränen der Wut in ihren Augen sagen mussten, diese Männer haben die Welt auf den Kopf gestellt (Apg. 17,6). “ (J.B. Phillips: Preface to „The Young Church in Action“)

Es war der richtige Zeitpunkt gewesen! Die Errettung jedes einzelnen Menschen aus der ewigen Gottesferne rechtfertigte die Anstrengung. Schließlich ist durch den unermüdlichen Einsatz vieler Jünger das Evangelium bis zu uns gekommen. Wir haben denen viel zu verdanken, die ein klares JA dazu gefunden haben, ob Mission noch zeitgemäß sei oder ob sich alles lohne.

Ist Mission auch heute noch dran?

Dürfen wir uns heute noch gegenseitig ermutigen den Missionsauftrag auszuführen, trotz aller Risiken und Nebenwirkungen?

Noch lange nicht haben alle Menschen die biblische Botschaft gehört. Viele Volksgruppen warten noch immer darauf, zum allerersten Mal in einer ihnen verständlichen Sprache das Evangelium zu hören. Mehr als zwei Milliarden Menschen, etwa ein Drittel der Menschheit, haben immer noch keine Möglichkeit, von der Errettung durch Jesus Christus zu hören!

Wir sind so sehr beschenkt durch diese Beziehung zu Gott, dass es eine Ehre für uns ist, an Seinem Auftrag mitzuarbeiten. Der Staffelstab, den Paulus einst trug und den viele andere durch die Jahrhunderte getragen haben, liegt für uns bereit. Nimmst du ihn auf? C.T. Studd sagte einmal:

„Wenn Jesus Christus Gott ist und für mich starb,
dann kann für mich kein Opfer zu groß sein.“

Es lohnt sich, weil ich das tue, was Gott mir aufgetragen hat. Und wenn andere Menschen dadurch sogar den Retter kennenlernen, dann lohnt es sich allemal!

– Heiko Hagemann, New Tribes Mission, in Gehet Hin