Keine Empfehlung: Blue Like Jazz von Donald Miller

Blue_like_JazzDarf man über ein Buch schreiben, wenn man nur etwa ein Drittel davon gelesen hat? Wahrscheinlich eher nicht, aber wen interessiert heute schon was man darf und was nicht. Den Autor des vorliegenden Buches interessieren ja auch keine Regeln und schlimmer noch – er macht sogar Werbung damit: Wie Jazz soll das Buch sein, sozusagen künstlerisch herausragend.

Dass Noten in der Musik zwar unharmonisch sein können, aus moralischer Sicht aber nur schwer mit den Nöten eines Buchs vergleichbar sind, übersieht der Autor wie seine Anhängerschaft inkl. der christlichen. Ein New York Times Bestseller wird das Werk genannt, hochgelobt von ebenso christlichen Autoren die vor ihm schon ähnliche Verkaufsschlager zu Papier gebracht haben. Schlimmstenfalls, so dachte ich, ist das Buch wenigstens nicht schlecht, falls es doch nicht richtig gut ist. Aber genau da liegt das Problem: Blue Like Jazz ist lauwarm-mittelmäßig und verführt den Christen zu eben solcher Mittelmäßigkeit.

Ich hätte gewarnt sein müssen und ärgere mich. „Unfromme Gedanken über christliche Spiritualität“ ist der Untertitel. Gedanken darf bei mir jeder äußern, gegen das Modewort „Spiritualität“ regen sich zwar Assoziationen in mir aber ich will aufgeschlossen sein und trotze ihnen, doch jetzt frage ich mich: Wieso „unfromm“? Ist an „fromm“ etwas verkehrt?

Genau dieser Eindruck wird vermittelt. „Fromm“, das sind die anderen aber der Autor brüstet sich mehr oder weniger damit, dass er es nicht ist. Rebellisch will er sein wie Jazz in der Musik. Sich nicht fügen, Ratschlägen nicht folgen sondern seinen eigenen Weg gehen. Und so erzählt er eine Geschichte nach der anderen über die man teils lachen, teils grübeln aber auf jeden Fall immer wieder seufzen muss, jedenfalls solange man sich noch als „fromm“ bezeichnen würde.

Einige Beispiele. In jungen Jahren findet Miller zusammen mit seinem Freund ein Pornoheft und ergötzt sich am Inhalt. Zwar deutet der Autor an, dass seine Blicke nicht der christlichen Moral entsprechen und doch frage ich mich, wieso er den Vorfall nun erwähnt. Soll es der Unterhaltung dienen oder ist es im Kontext wichtig? Sollen wir daraus lernen oder will er uns etwas bekennen? Ich tappe im Dunkeln. Auf den nachfolgenden Seiten werden meine Fragen jedenfalls nicht beantwortet, vielleicht aber am Buchende das ich leider nie erreichen werde.

Etwas später folgt der Szenenwechsel auf ein College, das er als das das gottloseste in der Gegend bezeichnet und von dem ihm Christen abgeraten haben. Er ging – es ist keine Überraschung mehr – trotzdem dorthin und konnte so seinen Stoff sammeln um letztlich dieses Buch zu schreiben. Immerhin werden neben saufenden und kiffenden Gestalten auch christliche Vorbilder erwähnt und doch entgleitet mir immer wieder der Seufzer und die Frage, was das eigentlich alles soll.

Weggelegt habe ich das Buch schließlich, als Miller davon schreibt er wollte sich wohl christlich benehmen, konnte es aber leider nicht und sollte es wohl auch nie versuchen. „Durch den Geist die Taten des Leibes zu töten“ kommt ihm nicht in den Sinn. (Röm 8:13) Was folgt ist ein Sumpf aus billiger Gnade, einem Label namens „Veränderung“ und impliziertem „alles-nicht-so-schlimm“ oder „die-anderen-haben-es-auch-erlebt.“ So richtig schlau wird man aus dem Geschreibe nicht, soll man wohl auch nicht. Es ist halt „Jazz“.

Theologisch falsch ist das Buch auf jeden Fall. Zwar ein eleganter Versuch, den Menschen auf seine Sünde aufmerksam zu machen und dann zu einem gnädigen Gott zu führen, aber Eleganz ist etwas anderes als Wahrheit. Mit dem Sex der Pinguine vergleicht der Autor seinen Instinkt, dem Ruf Jesu zu folgen. Wenn das so richtig sein soll fragt sich der Leser warum dann nicht entweder schon alle Menschen diesem Instinkt gefolgt oder aber die Pinguine nicht bereits ausgestorben sind.

Was grundsätzlich fehlt ist die gesunde Ausrichtung. In dem Buch scheint der Autor sich nur um sich selbst zu drehen und reiht aneinander, was er und seine Kumpels so Spektakuläres erlebt haben. Nichts gegen Biographien oder ähnliche Geschichten, aber sie sollten dann doch besser Gott verherrlichen und nicht so sehr den Autor, selbst wenn dieser sich an „Jazz“ probiert.