Kempf, Frauenfeindlich

frauenfeindlichWie Frauen zur Ungeborenentötung gedrängt werden

Die weitgehende Freigabe von Abtreibungen in den 1970er Jahren wird von Vielen bis heute als „frauenfreundliche Errungenschaft der Emanzipationsbewegung“ angesehen. Martina Kempf erteilt mit ihrem Buch dieser oberflächlichen Sicht eine deutliche Absage. Das Gegenteil ist wahr. Was als „frauenfreundlich“ verkauft wird, weil es ein vermeintliches Recht beinhaltet, ist in Wirklichkeit zutiefst „frauenfeindlich“. Eine deutliche Mehrzahl der Frauen würde ihr Kind eigentlich gerne behalten.

Doch in etwa 70 % der Fälle von Ungeborenentötungen müssen diese auf den Druck des Partners, der Eltern oder des sozialen Umfeldes auf die Mutter zurückgeführt werden. Anhand von Aussagen von Beraterinnen und persönlicher Briefe betroffener Mütter wird deutlich, dass viele Männer das Ende der Partnerschaft oder der Ehe androhen, sollte sich die Mutter „für das Kind entscheiden“. Nur wenige Frauen haben die Kraft, sich einer solchen Androhung zu widersetzen.

Hinzu kommt, dass die so unter Druck geratenen Frauen weder durch den Gesetzgeber noch durch einen Großteil der Beratungsstellen unterstützt werden, zu einem „Ja“ für das Kind zu finden. Mütter, die ihre Kinder töten, handeln nicht aus persönlicher Freiheit, sondern unter einem enormen Druck, der durch ein lebensfeindliches Umfeld aufgebaut wird. Das kann Martina Kempf anhand erschütternder Einzelschicksale eindringlich belegen.

Die Folgen vorgeburtlicher Kindstötungen sind gravierend. Das Leid beginnt beim grausamen Leiden des Kindes, das zerstückelt, verätzt und abgesaugt wird und es setzt sich fort im Leid der Mütter. Martina Kempf führt verschiedene internationale Studien und Untersuchungen an, die das Leiden der Mütter nach vorgeburtlichen Kindestötungen belegen. Unter dem Begriff „Post-Abortion-Syndrom“ verbergen sich Depressionen, psychische Störungen, erhöhte Selbstmordraten und andere Nöte. Eine Untersuchung zeigte auch, dass in über 70 % der Fälle die Paarbeziehung nach einer Kindestötung etwa nach einem Monat zerfiel. Hinzu kommen eine ganze Reihe möglicher medizinischer Spätfolgen wie ein erhöhtes Brustkrebsrisiko oder Unfruchtbarkeit.

Martina Kempf deckt auch die skrupellosen Strategien und Vorgehensweisen der Abtreibungsbefürworter auf und spricht die lebensfeindliche und familienzerstörende Haltung der Organisation „pro familia“ an. Ein gesondertes Kapitel geht auf die Verstrickung der evangelischen Kirche in das Unrecht massenhafter Kindestötungen ein. Anstatt überzeugend den Widerspruch gegen das das Gebot „Du sollst nicht töten“ aufzudecken und dafür einzutreten, dass der „menschenverachtende Zwang des Umfeldes“, der so vielen Ungeborenentötungen zu Grunde liegt, beendet wird, wirkt die evangelische Kirche an zahlreichen Ungeborenentötungen mit, indem sie die dafür benötigten Beratungsscheine durch ihre diakonischen Beratungsstellen ausstellt.

Das Buch schließt mit mutmachenden Lebensberichten von Müttern, die sich trotz schwieriger Umstände und trotz äußerem Zwang gegen die Tötung und für das Leben ihres Kindes entschieden haben. Die Berichte zeigen, wie wichtig es ist, dass werdende Mütter in ihrem Umfeld Menschen finden, die sich voll und ganz für Mutter und Kind einsetzen und den Müttern alle erdenkliche praktische Hilfe zukommen lassen.

An diesem Buch hat mich die konsequente Haltung beeindruckt, mit der Martina Kempf das Unrecht beim Namen nennt. So spricht sie z.B. durchweg nicht euphemistisch von „Abtreibung“, sondern von „Ungeborenentötung“ oder „vorgeburtlicher Kindestötung“. Beeindruckt hat mich auch die „Beweiskraft“ der erschütternden Lebensberichte. Jedem Leser wird nach der Lektüre dieses Buches zweifellos klar sein, welch ein Fluch auf der vermeintlich selbstbestimmten Errungenschaft einer liberalen Abtreibungsgesetzgebung liegt und welch einen Segen die ernten, die sich gegen die Tötung und für das Leben ihres Kindes entscheiden.

Prediger Johann Hesse, Mai 2012 // Gemeindehilfsbund