Kim Chin-Kyung: „Nordkorea nicht isolieren“

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Nordkorea darf nicht pauschal als „Schurkenstaat“ angeprangert werden. Wer den dortigen Machthabern mit Freundlichkeit und Liebe begegne, helfe den Menschen mehr als Politiker, die das Land als Teil einer „Achse des Bösen“ betrachten und eine radikale Isolierung fordern. Diese Ansicht vertrat der Präsident von zwei christlichen Privatuniversitäten in Nordkorea und China, der in den USA und Asien tätige Geschäftsmann und Theologe Kim Chin-Kyung (Yanji/Nordostchina), bei der Stuttgarter Konferenz für Weltmission am 2. Juni. Veranstalter waren die evangelischen Organisationen „Christliche Fachkräfte International“, „Hilfe für Brüder International“ und „Co-Workers International“.

Vor rund 1.000 Besuchern berichtete Kim, dass er mit finanzieller Unterstützung durch zahlreiche christliche Werke in Nordamerika und Europa 2009 in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang die Pjöngjang Universität für Wissenschaft und Technologie gründen durfte, obwohl das kommunistische Land ein „gespanntes Verhältnis zum Christentum“ habe. Kim hat die Erlaubnis erhalten, täglich mehr als 33.000 Kinder zu speisen. Dies sei umso erstaunlicher, als die Hungersnot eigentlich im Ausland nicht bekannt werden soll.

„Wir orientieren uns an Jesus Christus, der auch zu großen politischen Ungerechtigkeiten schwieg und stattdessen seinen Feinden mit Liebe begegnete“, erläuterte Kim seine Initiativen. Er sei überzeugt, „dass Gott böse Herzen ändern kann, wenn die Menschen Gottes Liebe erfahren“. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen gehört das kommunistische Regime zu den weltweit schlimmsten Christenverfolgern. Geschätzt wird, dass bis zu 70.000 Christen in Straflagern gefangen gehalten werden, da sie als Staatsfeinde gelten.

Was Kommunisten beeindruckt

Wie Kim weiter sagte, habe er mit seiner Einstellung schon in den 90er Jahren die kommunistische Regierung in China beeindruckt. Sie habe ihm 1992 die Errichtung einer Universität im Nordosten der Volksrepublik erlaubt, wo eine große koreanische Minderheit lebe. Ziel der dortigen Yanbian Universität für Wissenschaft und Technologie – Kim ist auch deren Präsident – sei es, chinesische Fachkräfte für internationale Aufgaben fit zu machen. Den Unterricht erteilten 250 Christen aus zwölf Ländern, die von weiteren 500 Kurzzeitmitarbeitern unterstützt würden. In den Anfangsjahren habe es strenge Auflagen gegeben. Heute dürften die Studenten sogar an den Gottesdiensten ihrer Dozenten teilnehmen.

Laut Kim haben die Behörden gesehen, dass die Christen weder Antikommunisten noch Kapitalisten seien, sondern einen wichtigen Dienst für die Entwicklung Chinas täten. Die zum Studienprogramm gehörenden sozialen Einsätze während der Semesterferien würden ebenso geschätzt wie die Aufforderung an die Studenten, sich der Kommunistischen Partei anzuschließen. „Die Partei kann sich nur verändern, wenn Christen mitarbeiten“, so Kim. In Gesprächen zum Studienabschluss zeige sich immer wieder, dass viele Studenten von der Freundlichkeit ihrer Dozenten beeindruckt seien und den christlichen Glauben angenommen hätten. Viele der bisher mehr als 4.000 Absolventen gäben ihre Erfahrungen nicht nur in China weiter, sondern seien auch in islamischen Ländern Botschafter für Jesus Christus.

Alle Dozenten sind Christen

Ähnliche Auswirkungen könnte auch die vor zwei Jahren eröffnete Universität in Pjöngjang haben, so Kim, der von der nordkoreanischen Regierung ein unbefristetes Einreisevisum bekommen hat. Noch befinde sich die Hochschule im Aufbau. Für Kim ist es kein Zufall, dass das Universitätsgelände den Platz einschließt, an dem im vorigen Jahrhundert ein amerikanischer Missionar beim Versuch umkam, Bibeln nach Nordkorea zu schmuggeln. Die zu seinem Gedächtnis errichtete Kapelle sei später von den Kommunisten zerstört worden und dürfe nun von der Universitätsverwaltung neu gebaut werden. Wie in Yanbian unterrichteten auch in Pjöngjang nur Christen. Zunächst würden Lehrer gesucht, um den Studenten Englisch und Deutsch beizubringen.

Warum geht niemand durch die „offene Tür“?

Trotz dieser „offenen Tür“ für missionarisch engagierte Christen sei es bisher nicht gelungen, einen deutsche Pädagogen für einen mehrjährigen Einsatz in Nordkorea zu gewinnen, teilte der Leiter des Personalvermittlungsdienstes „Christliche Fachkräfte International“, Ulrich Weinhold (Stuttgart), mit. Organisatorische Probleme bestünden nicht. Die Stelle werde vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit gefördert und sei vom Auswärtigen Amt positiv geprüft worden. Außerdem habe Nordkorea eine Visa- und Arbeitsbewilligung ausgestellt. Ein Grund sei möglicherweise das anspruchsvolle Anforderungsprofil, so Weinhold. Ideal wären ein mit einer Promotion abgeschlossenes Germanistik- oder Linguistikstudium sowie gute Englisch-Kenntnisse.

Insgesamt lägen der Stuttgarter Zentrale rund 30 Bitten von kirchlichen Organisationen in der Dritten Welt um Entsendung von Fachkräften vor. Der vor 25 Jahren gegründete Dienst hat gegenwärtig 50 Entwicklungshelfer nach Asien, Afrika und Lateinamerika entsandt. Rund 50 mit „Co-Workers“ ausgereiste Kurzzeitmitarbeiter seien vor allem als Lernhelfer für Missionarskinder oder als Handwerker auf Missionsstationen tätig. Während der Stuttgarter Konferenz wurden zwölf weitere Fachkräfte und 50 neue Kurzzeitler ausgesandt. Vorsitzender der drei evangelischen Organisationen ist der Rektor des Gemeinschafts-Diakonissen-Mutterhauses Hensoltshöhe, Prof. Eberhard Hahn (Gunzenhausen/Mittelfranken).

– Quelle: idea im Juni 2011