Was können wir tun, damit Menschen Christen werden?

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„Gerettet sein gibt Rettersinn!“

Unser Herr Jesus Christus hat uns den Auftrag hinterlassen: „Machet zu Jüngern alle Völker!“ Eigentlich hätte er das gar nicht sagen müssen. Wer die Erlösung durch Jesus Christus erfahren hat, kann dies Geschenk nicht für sich behalten. Wer weiß, was es heißt, verloren zu sein, der hat keinen sehnlicheren Wunsch als den, möglichst viele Menschen für Jesus zu gewinnen. Aber wie? Auf welchem Wege kann dieses Ziel am wirkungsvollsten erreicht werden?

Evangelisation und Marketing

Wir wollen eine bestimmte Einstellung erreichen – nämlich Vertrauen zu Christus und Liebe zu ihm und zu allen Menschen – und ein bestimmtes Verhalten – nämlich ein Leben nach den Maßstäben der Bibel und missionarischen Einsatz – erreichen. Was liegt da näher, als von denen zu lernen, die die Kunst der Beeinflussung von Einstellung und Verhalten am vollkommensten beherrschen. Das sind in unserer Zeit die Fachleute der Werbepsychologie und des Marketing.

So wird versucht, die Verkündigung des Evangeliums in ein angenehmes Umfeld einzubetten. Man stellt den Nutzen der Glaubensentscheidung heraus. So werden z. B. Untersuchungen dankbar aufgegriffen, die besagen, dass Glaubende Menschen gesünder sind als andere. Die Kosten sollen im Vergleich zum Nutzen möglichst gering erscheinen. Wir betonen, dass das Heil nicht mehr kostet als ein Gebet.

Der Glaube an Jesus wird mit positiven Assoziationen verknüpft. Persönlichkeiten mit Erfolg und Ansehen werden als Werbeträger in den Vordergrund gestellt. So, wie vor einiger Zeit der Name einer Tenniskönigin den Verkauf von Opel-Autos ankurbeln sollte, so fördern die Namen anderer Spitzensportler die Akzeptanz von Jesus Christus.

Das Ergebnis scheint dieser Strategie recht zu geben. Gemeinden, die ihre Außendarstellung ebenso wie ihre Binnenstruktur konsequent nach psychologischen Gesichtspunkten gestaltet haben, verzeichnen den größten Zulauf. Allerdings gibt es auch gewichtige Einwände gegen die Übertragung von Marketingmethoden auf Evangelisation und Mission. Nur der wichtigste soll hier genannt werden:

Ein Auto bleibt ein Auto. Das ist völlig unabhängig davon, wie es präsentiert wird und mit welchen Assoziationen es verknüpft wird. Das gilt für alle Gegenstände – Fußbälle, Fernseher, Marmelade, Fertighäuser … Sie bleiben, was sie sind, egal wie sie vermarktet werden.

Glaube ist aber kein Gegenstand, sondern eine Einstellung – genauer ein Vertrauen und auch eine Erwartungshaltung. Eine Einstellung aber wird nun gerade nicht unabhängig von der Präsentation sondern durch die Präsentation vermittelt. Die assoziative Einbettung bestimmt den Inhalt des Glaubens, für den geworben wird.

Wird also mit gesundheitsfördernden Wirkungen für den Glauben geworben, entsteht eine entsprechende Erwartungshaltung. Das gleiche gilt für Werbung durch besonders erfolgreiche Persönlichkeiten. Ebenso bestimmt eine gruppendynamisch oder massenpsychologisch fundierte Glaubensvermittlung den Glauben, der entsteht. Das ist nun allerdings unabhängig vom formalen oder bekenntnismäßigen Inhalt des vermittelten Glaubens.

Es ist also nicht egal, wie wir Menschen zum Glauben bringen, weil nämlich das „Wie“ das „Was“ fundamental bestimmt.

Von Christus lernen

Die Art der Glaubensvermittlung ergibt sich also notwendig aus der Art des Glaubens, den wir vermitteln. Da sich unser Glaube auf eine Person bezieht, ergibt sich also die Art der Glaubensvermittlung aus der Art dieser Person. Die Methodik der Evangelisation können wir also nur bei Jesus Christus selbst erlernen – und bei den Boten, die er unmittelbar beauftragt hat – den vier Evangelisten und dem Apostel Paulus. Als erstes machen wir allerdings eine Entdeckung, die dem Denken unserer Zeit äußerst befremdlich erscheint:

Es gibt keine Methode.

Methode bedeutet eigentlich einen Weg, den man gehen muß, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Wenn man die Methode beherrscht und sie richtig anwendet, dann erreicht man mit Sicherheit das Ziel. Eine Methode in diesem Sinne gibt es aber bei der Glaubensvermittlung nicht. Das sagt unser Herr Jesus Christus in Johannes 14,6: „Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.“ Und in Johannes und 6,65: „Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben.“

Daraus folgert dann mancher das andere Extrem: Dann kann ich also nichts dazu tun, daß Menschen zum Glauben kommen. Folgerichtig unterbleibt dann jeder Versuch, das Evangelium über den Kreis der gläubigen Gemeinde hinauszutragen. Aber hat nicht der selbe Herr Jesus Christus auch gesagt – in Matthäus 28,19: „Machet zu Jüngern alle Völker!“

Also: Es gibt zwar keine Methode, aber:

Es gibt einen Auftrag.

Wir sollen also, was nur Gott kann. Wie ist das zu verstehen? Wenn Gottes Wort uns doch eine Erklärung bieten würde,

  • wie ein Mensch zum Glauben kommt und
  • was Menschen dazu tun können!

Aber genau das tut Gottes Wort. An einer Stelle hat unser Herr Jesus Christus einem Menschen erklärt, wie es geschieht, dass der rettende Glaube entsteht. Johannes berichtet uns davon im dritten Kapitel seines Evangeliums. Der Grundtext zu Mission und Evangelisation ist Johannes 2,23 – 3,14. Diesen werden wir zunächst betrachten. Hier wird der Vorgang des Christwerdens sozusagen systematisch theologisch erklärt. Dann werden wir einige Hinweise auf die Praxis der Apostel ansehen – sozusagen als praktisch theologische Ergänzung.

Die Lehre Jesu – Johannes 3

In Johannes 2,23+24 begegnen wir Menschen, die glauben an Jesus, „weil sie die Zeichen sahen, die er tat.“ Aber diesen Leuten vertraut Jesus sich nicht an. Ihre Erwartungshaltung macht es ihm unmöglich, sich diesen Menschen zu offenbaren. Es ist hier ähnlich wie in Kapitel sechs. Dort entzieht sich Jesus der Menge, als sie ihn angesichts des Brotwunders zum König machen will. Damit wird zunächst einmal deutlich, was wir nicht zu tun haben.

Was wir nicht zu tun haben

Es gibt eine Erwartungshaltung, die den rettenden Glauben unmöglich macht. Diese Erwartungshaltung entsteht im Angesicht von Zeichen und Wundern. Wenn Menschen von Jesus die Erfüllung ihrer natürlichen Bedürfnisse erwarten, kann er sich ihnen schon nicht mehr offenbaren. Statt dessen flieht er vor ihnen. Häufig wird für Jesus geworben, indem man herausstellt, was es „bringt“, an ihn zu glauben:

  • Jesus löst deine Probleme.
  • Jesus macht dich gesund.
  • Jesus macht dich erfolgreich.
  • Jesus bringt Wohlstand.
  • Jesus bringt Zufriedenheit …

Die Reihe ließe sich fortsetzen. Das geschieht in der guten Absicht, „Menschen für Jesus zu gewinnen“. Aber, wie die Schrift uns zeigt, ist gut gemeint in diesem Fall das gerade Gegenteil von gut. Wer solche Erwartungen an Jesus weckt, der errichtet, ohne es zu wissen und zu wollen, zwischen den Menschen und Jesus eine unsichtbare Wand, die diese Menschen auf Dauer von Jesus trennt. Auf Veranstaltungen, seien sich noch so evangelistisch gemeint, wo Bedürfnisbefriedigung durch Jesus verheißen wird, geschieht das, was wir in Johannes 6,15 lesen: „Als nun Jesus merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er …“

Jede Werbung für Jesus, die den Glauben an ihn in den Augen des natürlichen Menschen sinnvoll oder vorteilhaft erscheinen lässt, mag wohl Begeisterung für Jesus zu wecken, den rettenden Glauben aber wird sie nicht nur nicht wecken, sondern sie wird ihn verhindern. Denn Jesus entzieht sich jedem, der ihn zum Anwalt seiner menschlichen Interessen machen möchte (vgl. auch Lukas 12,13-15). Aber es gibt auch andere. Es gibt Menschen, denen Jesus sich nicht entzieht, sonder offenbart. Ein solcher Mensch begegnet uns in Johannes drei, Vers eins: „Es war aber ein Mensch …“

Die Voraussetzung zum Glauben

Dieser Mensch bringt andere Voraussetzungen mit, als die Vielen, die um der Zeichen willen glaubten. Denn er bringt andere Erwartungen mit als jene. Dieser Mensch kommt nicht, damit Jesus ihm den Magen füllt oder ihn von seinen Beschwerden befreit. Er kommt, weil er in den Himmel will. Aber er will nicht in den Himmel, weil es dort schöner ist als in der Hölle. Damit würde er noch zu denen gehören, denen Jesus sich nicht anvertraute (2,24).

Jesus selbst bringt zum Ausdruck, was diesen Menschen zu ihm treibt: Er sucht das Reich Gottes (3,2+5). Genauer übersetzt: Die Herrschaft Gottes. Dieser Mann möchte, daß Gott in seinem Leben zu Seinem Recht kommt. Er möchte unter der Herrschaft Gottes leben. Er möchte, daß Gottes Wille in seinem Leben geschieht. Er möchte Gott ganz gehören. Einem Menschen, der das möchte, dem kann Jesus sich offenbaren. Er sagt das ausdrücklich in Johannes 7,17: „Wenn jemand den Willen Gottes tun will, der wird erkennen, ob die Lehre von Gott ist, oder ob ich von mir selbst aus rede.“

Wir erfahren ja nicht direkt, was Nikodemus den Herrn gefragt hat. Wir konnten nur indirekt aus der Antwort Jesu erschließen, dass es um die Herrschaft Gottes ging. Wir können uns allerdings ein ziemlich genaues Bild davon machen, wie die Frage gelautet haben wird. Es war die Frage, die alle wirklich frommen Juden damals umtrieb, und diese Frage ist es auch, die alle wahrhaft frommen Menschen zu allen Zeiten und überall umgetrieben hat und bis heute umtreibt. Wir hören sie zum Beispiel aus dem Munde des reichen Mannes in Markus 10,17: „Was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?“

Das ist ja auch unsere Fragestellung, wenn auch jetzt im Blick auf die anderen: Was sollen wir tun, damit Menschen das ewige Leben ererben? Was sollen wir tun, damit Menschen unter die Herrschaft Gottes kommen? Hätten wir anstelle des Herrn Jesus Christus die Frage von Nikodemus gestellt bekommen, wären wir als evangelikale Christen um eine Antwort wohl kaum verlegen gewesen. Du mußt dich bekehren! Du mußt dich für Jesus entscheiden! Das ist doch klar. Das ist gar keine Frage. Die Frage ist nur: Wie kriegen wir Menschen wie Nikodemus und erst Menschen unserer Zeit da hin, dass sie das auch tun?

So ergibt sich aus unserer Antwort auf die Frage des Nikodemus nach seinem Weg ins Reich Gottes logisch zwingend unsere Frage nach unserem Weg der Evangelisation. Was aber wäre, wenn schon die Frage des Nikodemus falsch wäre? Dann wäre unsere Antwort auch falsch. Und alles, was wir bisher daraus gefolgert haben, wäre auch falsch.

Und genau das macht Jesus im folgenden dem Nikodemus deutlich: Die Frage, die du stellst, ist falsch. Die Frage, die alle wahrhaft frommen Menschen aller Zeiten und Völker als ihre letzte, tiefste, entscheidende Frage gestellt haben, ist falsch. Darum sind auch alle Antworten, die bisher auf die Frage nach der Herrschaft Gottes gegeben wurden, ebenfalls falsch.

Das heißt: Wir müssen alles vergessen, was wir bisher über den Weg zum Glauben, zur Errettung, ins Reich Gottes, zum ewigen Leben gedacht haben. Wir können alles vergessen, was uns bisher im Blick auf das Christwerden als selbstverständlich galt. Wir müssen noch mal ganz von vorne anfangen. Wir müssen noch mal ganz neu denken.

Um es noch einmal deutlich zu sagen: Wir müssen uns von allem verabschieden, was uns bisher als selbstverständlich gegolten hat. Denn die Selbstverständlichkeiten sind die größten Hindernisse auf dem Weg zur Erkenntnis der Wahrheit. Und die Selbstverständlichkeiten der religiösen Tradition sind die größten Hindernisse auf dem Weg zum wahren Glauben.

Das ging den Juden zur Zeit Jesu so: Um an Jesus glauben zu können, mussten sie ihre Selbstverständlichkeiten über Bord werfen und noch einmal ganz von vorne anfangen. Das ging den Katholiken zur Zeit Luthers so: Um das Evangelium zu verstehen, mussten sie ihre Selbstverständlichkeiten über Bord werfen und noch einmal ganz von vorne anfangen. Und das geht uns Evangelikalen des einundzwanzigsten Jahrhunderts nicht anders: Um das Evangelium zu verstehen, müssen wir unsere Selbstverständlichkeiten über Bord werfen und noch einmal ganz von vorne anfangen.

Aber: Die Beispiele aus vergangenen Zeiten zeigen uns, dass es sich lohnt, Selbstverständlichkeiten über Bord zu werfen und noch einmal ganz von vorne anzufangen. So lassen Sie uns einmal mit der Bereitschaft, noch einmal ganz neu zu denken, mit dem Herrn Jesus mitgehen auf dem Weg, den er den Nikodemus führt.

Was geschehen muss

Nikodemus wollte wissen – und wir wollen wissen, was wir tun müssen, damit ein Mensch unter die Herrschaft Gottes kommt. Aber der Herr sagt uns nicht, was wir tun müssen. Er sagt uns, was mit uns geschehen muss. Vers 3: „Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde…“ Und Nikodemus begreift sofort, die Tragweite des Gesagten. Vers 4: „Wie kann ein Menschen geboren werden, wenn er alt ist? Kann er etwa wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?“

Die Antwort ist klar: Das kann er nicht! Und selbst wenn er das könnte, würde es nichts nützen. Denn, Vers 6: „Was vom Fleisch geboren ist, ist Fleisch.“ Es geht nicht darum, dass wir noch einmal geboren werden. Das Wort, das mit „von neuem“ übersetzt wurde, heißt wörtlich „von oben“. Wir benötigen also nicht nur eine zweite Geburt. Wir benötigen eine grundlegend andere Geburt. Eben eine Geburt von Gott. Der Herr sagt auch, was dazu gehört. Vers 5: „Wasser und Geist“.

Es gibt mancherlei Spekulationen, was denn mit dem Wasser gemeint sein könne. Aber wir spekulieren nicht. Wir achten auf das Wort, das geschrieben steht. Die beste Auslegung der Bibel ist die Bibel selbst. Und da finden wir, dass in der Bibel Wasser in der Regel nichts anderes ist als eben Wasser – H2O. Ganz vereinzelt wird Wasser in übertragenem Sinn gebraucht. Und da steht es dann für den Heiligen Geist. Das wird aber durch den Zusammenhang auch deutlich gemacht.

Ein Beispiel ist Johannes 4,10-15. Da ist von „lebendigem Wasser“ die Rede bzw. von „Wasser, das zu ewigem Leben sprudelt“. Ein anderes Beispiel ist Hesekiel 36,25-27. Da sagt Gott in Vers 25, dass er durch „reines Wasser“ sein Volk von den Götzen reinigen wird, und die Deutung auf den Heiligen Geist steht in Vers 27 gleich daneben. Hier aber, in Johannes 3,5 steht „Wasser und Geist“. Da kann Wasser nur Wasser bedeuten, denn wenn das Wort „Wasser“ den Geist bezeichnen würde, dann wäre der Zusatz „und Geist“ ja sinnlos. Also gehört zur Geburt von oben Wasser.

Aber die Schrift zeigt uns auch, dass hier nicht das Bad am Samstag Abend gemeint ist und auch nicht ein Besuch im Schwimmbad. Wenn das Neue Testament im Zusammenhang mit Geist, neuer Geburt, neuem Leben oder Christ werden von Wasser spricht, dann ist immer eindeutig von der Taufe die Rede. Zur Geburt von oben gehört also die Taufe.

Aber der bloße Vollzug der Taufe bringt noch nicht den Geist und die neue Geburt. Denn sonst hätte Jesus den Geist nicht neben dem Taufwasser noch extra erwähnen müssen. Und er hätte nicht eigens erklären müssen, wie der Geist kommt. Beim Wasser war eine Erklärung nicht nötig, da jeder die Taufe des Johannes kannte. Zur Geburt von oben ist also die Taufe nötig und der Geist.

Wie man tauft, wissen wir. Das kann man beschreiben und das kann man lernen. Und dann kann man es machen. Aber wie kommt der Geist? Das kann man nicht beschreiben. Und das kann man erst recht nicht machen. Das zeigt der Herr in Vers 8 deutlich: „Der Wind (griechisch: pneuma) bläst, wo er will.“ Pneuma heißt sowohl Wind als auch Geist. Der Wind ist nicht verfügbar. Er ist nicht steuerbar. Man kann ihn wohl abhalten. Aber man kann ihn nicht produzieren. Man kann höchstens pusten. Aber dadurch entsteht ja nicht wirklich Wind. Und selbst im Windkanal bringen wir nur ein sehr begrenztes Windchen zustande.

Der Wind/Geist bläst, wo er will. Er bläst, nicht wo du willst. Er bläst nicht wo die Kirche will. Er bläst auch nicht, wo ein Pastor will. Der Geist bläst nur da, wo er will. Niemand hat ihn in der Hand. Jeder Sakramentalismus ist ausgeschlossen. Aber „du hörst sein Sausen wohl.“ Wenn der Wind weht, dann merkt man das. Der Heilige Geist zeigt Wirkung, wenn er da ist. Umgekehrt kann man schließen: Keine Wirkung – kein Geist. Man kann wohl erkennen, ob er da ist. Aber man kann nicht machen, dass er kommt. Das hat Gott sich vorbehalten.

Aber Jesus schenkt uns doch einen Blick darauf, wie Gott das tut. Vers 14 und 15: „Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ Der Herr weist damit auf 4. Mose 21 hin: Israel hatte sich versündigt. Als Strafe schickte Gott tödliche Giftschlangen in das Lager. Er befahl Mose, eine Schlange aus Erz aufzurichten und bekannt zu geben: „Wer gebissen ist, muss sterben. Aber wenn er auf diese Schlange schaut, wird er am Leben bleiben.“

Mose konnte niemanden retten. Aber konnte die Voraussetzung schaffen, dass jemand gerettet werden konnte. Er konnte das göttliche Rettungsmittel aufrichten und darauf hinweisen. Alles weitere lag nicht in seiner Hand. So können wir Christus am Kreuz vor den Menschen erhöhen und auf ihn hinweisen. Alles weitere liegt nicht in unserer Hand. Allerdings: Hätte Mose nicht getan, was Gott ihm geboten hatte, dann wäre er am Tode der Menschen schuld gewesen. So sind auch wir am ewigen Tode von Menschen schuld, wenn wir von Christus schweigen.

Wie es die Apostel gemacht haben

Dass wir Christus damit richtig verstanden haben, sehen wir daran, dass die Apostel ihn genau so verstanden haben. So tun alle vier Evangelisten nichts anderes, als den gekreuzigten Christus vor Augen zu stellen. Alle Evangelien sind Passionsgeschichten mit mehr oder weniger ausführlicher Einleitung.

Und der Apostel Paulus sagt es ausdrücklich, wenn er sein Missionswerk beschreibt (vgl. dazu auch die Missionspredigten in Apostelgeschichte 2, 3, 10, 13 und 17). 1. Korinther 2,2 und 4: „Ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Christus – und den als Gekreuzigten.“ „Mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft.“

Paulus hat also ausdrücklich auf alle damals zu Gebote stehenden Methoden verzichtet und sich allein auf die Botschaft vom Gekreuzigten Christus beschränkt. Und unter dieser Botschaft kam der Geist zur Wirkung. Galater 3,1 und 2: „O ihr unverständigen Galater! Wer hat euch bezaubert, denen doch Christus vor Augen gemalt war als der Gekreuzigte?“ „Das allein will ich von euch erfahren: Habt ihr den Geist empfangen durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben?“

Die Frage ist nur rhetorisch, die Antwort klar: Durch die Predigt vom Glauben empfingen sie den Geist. Und in dieser Predigt wurde Christus vor Augen gemalt als der Gekreuzigte. Wir können also festhalten: Unsere evangelistisch-missionarische Aufgabe ist: „Christus vor Augen malen als für uns Gekreuzigen!“

  • Die evangelistische Verkündigung muss Christus als den für die Hörer Gekreuzigten vor Augen malen.
  • Die der Verkündigung folgende Seelsorge muss Christus als den für den Hörer Gekreuzigten vor Augen malen.
  • Die begleitenden Lieder müssen Christus als den für die Hörer Gekreuzigten vor Augen malen.
  • Der musikalische Rahmen der Evangelisation muss Christus als den Gekreuzigten widerspiegeln.
  • Alle anderen Aktivitäten der christlichen Gemeinde müssen auf Christus als den Gekreuzigten hinweisen.

Dann kann der Geist wehen und Menschen von neuem, von oben, aus Gott gebären. Er muss nicht, aber er kann. Und er wird es tun, wo und wann es Gott gefällt. Denn Gott hat versprochen dass Sein Wort nicht leer zurückkehrt, sondern tut, wozu er es gesandt hat. Denn Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Und wir dürfen dazu helfen, indem wir den Menschen Christus als den Gekreuzigten vor Augen malen.

– Pastor Johannes Frey, Bremen // Quelle: Informationsbrief der Bekenntnisbewegung, Nr. 276, Februar 2013 (www.bekenntnisbewegung.de) // Bild: ©CreationSwap/Scott Johns