Paulus, der Heilige Geist und die Gemeinde

Gordon Fee Paulus Heiliger GeistDer Geist und das Volk Gottes

In der Sicht des Paulus meint „errettet sein“, daß Menschen Teil des Volkes Gottes werden, durch den Geist hineingeboren in die Familie Gottes, so daß sie alle miteinander einen Leib bilden, in dessen Zusammenkünften im Geist sie Gottes Tempel sind. Gott errettet nicht einfach eine Anzahl unterschiedlicher Individuen und bereitet sie auf den Himmel vor; vielmehr schafft er sich ein Volk für seinen Namen, unter dem er wohnen kann und das in seinem Leben und Dienen miteinander Gottes Leben und Wesen in all seiner Einheit und Verschiedenheit abbildet.

Der Geist und das ethische Leben

Für viele Menschen ist die Frage, „wie ein Christ sich zu verhalten hat“, ziemlich schnell beantwortet. Sie lesen Paulus‘ diverse Imperative (Befehle) als ein neues Gesetz und tun ihr Bestes, um diesen Regeln zu entsprechen, wobei sie im großen und ganzen jeder Anweisung das gleiche Gewicht beimessen: Nächstenliebe und Kopfbedeckung, Vergebung und das Schweigen der Frauen in der Gemeinde, sexuelle Reinheit und Essen oder Trinken – alle diese Dinge werden als gleich wichtig bewertet. Auch wenn wir aus Gnade errettet sind, erwartet Gott von uns, daß wir in jedem Bereich unseres Lebens in Übereinstimmung mit seinen Befehlen leben. Nur ist eine solche Sicht zu leicht und zu schwer zugleich und verrät jedenfalls eine vereinfacht und nur oberflächliche Auseinandersetzung mit dem, was Paulus gesagt hat.

Zu einfach ist die Sichtweise, weil sie rein individualistisch angelegt ist. Es ist viel einfacher, als Eremit ein Leben als Christ zu leben, als wenn man genötigt ist, seinen Glauben im Miteinander mit all den anderen unvollkommenen Menschen auszuleben, die die Gemeinde Gottes bilden. Sie ist zu einfach genau deshalb, weil sie kurzerhand aus der christlichen Ethik eine Sammlung paragraphenartiger Lebensregeln macht, bei denen es nicht so sehr um die Fürsorge füreinander geht, sondern um Banalitäten wie Essen und Trinken. Zugleich aber ist diese Sicht zu schwer, weil sie christliche Ethik in juristischen Begriffen auffaßt und dadurch unfähig wird, fehlerhaftes Verhalten zu vergeben oder die nicht Liebenswerten zu lieben. Eine solche Ethik geht deswegen an der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes, gemeinsam in der Kraft des Geistes das Leben der Zukunft zu leben, völlig vorbei.

– Gordon Fee in „Der Geist Gottes und die Gemeinde“