Luther und die Juden

luther_judenEine nahezu überall nachzulesende, aber kaum nachgeprüfte Behauptung ist eine (dem „späten“) Luther angelastete antijüdische Haltung. Ich empfehle dringend, diese Meinung nicht bedenkenlos zu übernehmen. (Wir machen das zu Recht ja auch nicht bei vielen anderen politisch korrekten „wissenschaftlichen Erkenntnissen“ wie Evolutionshypothesen, Klimakatastrophe, Historisch-kritischer Umgang mit der Bibel u.v.a.).

Man sollte aufhorchen, dass eine jüdische Wissenschaftlerin, Eva Berndt, Berlin, (vermutlich korrekt) belegt hat, dass der Vorwurf des Antijudaismus gegen Luther auf Fälschung zurückgeht und zu Unrecht besteht.

„Martin Luthers Handschriften [wurden] bereits zu Luthers Lebzeit verfälscht […] Die von Luther handschriftlich verfasste Supputatio Annorurm Mundi 1541 (1545) Sign. 2 in: Inc 8 o 1214 lässt antijüdische Lutherdrucke, deren historische Quellen dem Codex Vaticanus entnommen sind, eindeutig als Fälschungen nachweisen.“

„Die lateinische Bibelausgabe des Hieronymus (Vulgata) die er [Luther] mit Sicherheit in seinen Händen hielt, ist eine Original Ausgabe und aus dem hebräischen wortgetreu übersetzt.“

Deshalb wird „Die griechische Übersetzung der Hebräischen Quellentexte in der Ausgabe der Septuaginta […] nicht länger als Grundlage der Christlichen Bibelübersetzung von Martin Luther unterstellt werden können“.

„Somit schließt diese Tatsache eine Urheberschaft Luthers an der Entstehung antijüdischer Lutherdrucke aus, da deren Intentionen aus dem Griechischen (Itala = Vetus latina = Septuaginta/LXX) entstammt. Die Martin Luther unterstellten antijüdischen Lehraussagen über das Judentum basieren auf der Vetus Latina, deren Grundlage aus der Rückübersetzung aus dem Griechischen der Septuaginta basiert und bereits durch Hieronymus 380 – 420 als Fälschung erkannt worden war.“ […] (http://www.fantomzeit.de/?p=186)

„Eva Berndt weist nach, dass dem Reformator seit Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit Fälschungen unterschoben wurden. Seine antisemitischen Schriften, darunter „Von den Juden und ihren Lügen“, zählt sie dazu. Diese Schrift wird übrigens in der Lebensbeschreibung des Juden Josef von Rosheim wortwörtlich zitiert und als von Luther stammend beklagt. Somit ist sie auf 1539 zu datieren, nicht erst auf 1542/43.“

(Monika Beck M.A., in Israel-Nachrichten 22.1.’93)

Ich und vermutlich auch Sie, wir haben nicht die Fähigkeiten und Kapazitäten, das zu prüfen. Auf dieser Seite dürften Kenner aber entsprechende Belege finden: http://eva-berndt-berlin.com/Zusammenstellung/III.%20Bibeleditionen/02_E…

Dass Eva Berndts Forschungsergebnisse nicht einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, erscheint mir wenig verwunderlich. Viel zu viele müssten ja dann zugeben, dass sie einem Irrtum aufgesessen sind, wie ihn Eugen Roth paraphrasiert: „Die Wissenschaft, sie ist und bleibt, was einer ab vom andern schreibt.“

Fazit: Wir sollten betont vorsichtig mit der Behauptung antisemitischer Äußerungen von Dr. Martin Luther umgehen!

– Quelle: Leserbrief