Metaxas, Bonhoeffer

Metaxas_BonhoefferEs ist ausgerechnet ein Amerikaner, der die Geschichte des deutschen Märtyrers Dietrich Bonhoeffer neu aufgerollt hat. Sein neues Buch zeigt den Widerständler als streitbaren evangelikalen Christen, der noch heute eine Botschaft an die Kirche hat. Am Dienstag stellten Autor Eric Metaxas und Unions-Fraktionschef Volker Kauder das Buch in Berlin vor.

„Herr, was dieser Tag auch bringt, dein Name sei gelobt.“ Es war an Weihnachten 1943, als Dietrich Bonhoeffer, Gefangener der Nazis, diese Worte niederschrieb. Im April 1945 wird er hingerichtet, wenige Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Er mag sein Schicksal kommen gesehen haben, fest steht in jedem Fall, dass er es freiwillig gewählt hat. Genausogut hätte Bonhoeffer in Amerika Fuß fassen können, wo er 1939 eine Gastprofessur annehmen wollte. Schon in den USA angekommen entschied er sich zur Rückkehr ins für ihn als aufständischen Christen gefährliche Deutschland.

Es sind die Worte seines Morgengebets, Ausdruck des Friedens in größter Bedrängnis, die Unions-Fraktionschef Volker Kauder wählte, um Bonhoeffer ein weiteres Mal aus den USA kommend in Deutschland zu begrüßen – nämlich als er das Werk „Bonhoeffer – Pastor, Agent, Märtyrer und Prophet“ vorstellte. Das Buch steht derzeit auf Platz vier der „New York Times“-Bestsellerliste in der Kategorie „Print & E-Books“.

Kirche sein – auch gegen den Zeitgeist

„Die ganze Welt muss wissen, dass Gottes Idee von einem guten Deutschen Bonhoeffer entspricht“, erklärte Metaxas seine Motivation, ausgerechnet eine Bonhoeffer-Biografie zu veröffentlichen. Der Yale-Absolvent hat deutsche Wurzeln – und ist bekennender Christ. Auch deshalb habe die Geschichte des Widerständlers Bonhoeffer sein Herz und seinen Verstand „gefangengenommen“, wie er sagte. Erst ein befreundeter Christ habe ihn in den 80er Jahren mit der Geschichte des Märtyrers bekannt gemacht. Metaxas fragte sich damals: „Warum habe ich diese Geschichte noch nie gehört?“

Heute hofft er, dass nicht nur jeder Deutsche, sondern auch jeder Amerikaner sich mehr mit dem Leben des berühmten Theologen beschäftigt. Jeder solle erfahren, dass die Nazis antichristlich waren, auch wenn sie sich selbst als Christen dargestellt hätten. Bonhoeffer selbst habe immer klar und eindeutig zu seinem Glauben gestanden, kurz vor seinem Tod stärker denn je. „Ich bete, dass Bonhoeffers prophetische Stimme auch heute noch gehört wird“, sagte Metaxas und rief die Kirchen zu mehr Selbstbewusstsein auf: Kirche müsse Kirche sein, auch jenseits der political correctness. Damals wie heute passe sich die Gemeinde zu sehr der Welt, der Gesellschaft und dem Zeitgeist an.

Kauder nannte Bonhoeffer schlicht „einen Helden“. Metaxas Buch zeige seine „tiefe Gläubigkeit und Gottesergebenheit“. Doch der Autor werfe auch einen neuen Blick auf Bonhoeffer. Erstmals verschaffe er durch spannende und eindrückliche Erzählweise einem neuen, größeren Publikum Zugang zu dem Geistlichen. Auch Kauder machte klar, dass Gott im Dritten Reich nicht einfach verschwunden sei: „Er wurde von den Nationalsozialisten aus der Zeit verbannt“, sagte er. Stattdessen hätten die Nazis versucht, das Christentum zu instrumentalisieren. „Die Weimarer Republik ist nicht an zu vielen Nationalsozialisten gescheitert, sondern an zu wenigen Demokraten und Christen zu Grunde gegangen“, sagte Kauder. Bonhoeffer habe gezeigt, dass das „Reden und Handeln“ möglichst „nahe beieinander liegen soll“. Er hoffe nun auf Erfolg des Buches in den USA, „weil es einen Deutschen vorstellt, auf den wir allen Grund haben, stolz zu sein“.

– Quelle: Medienmagazin pro