Moore, Entwurzelt

Der christliche Glaube wurzelt in der Heiligen Schrift. Wer abweichend vom Wort Gottes Irrlehre verbreitet oder ihr anhängt, ist „entwurzelt“. Moore war lange Zeit Pastor in den USA und hat dort vieles gehört, gelesen und erfahren. Er berichtet von einer Bewegung, die sich schon deshalb nicht klar abgrenzen und definieren lässt, weil unklare Lehre zu ihrem Wesen gehört.

Vielleicht sind dem Leser bereits Begriffe begegnet wie „Dritte Welle“, „Wort des Glaubens“, „Wohlstandstheologie“ und „Neue Apostolische Reformation“ (NAR). Ihre Anhänger sind nicht organisiert, nur befreundet und lose vernetzt. Irrlehren predigen sie, leugnen sie auf Rückfrage, um sie dann im neuen Gewand zu wiederholen. Moore prüft viele ihrer Aussagen, zitiert ihre Quellen und hinterfragt propagierte Erscheinungen und Praktiken wie „Herrlichkeitswolke, Goldstaub, fallende Engelsfedern, plötzlich erscheinende Edelsteine, das Heraufbeschwören von Engel-Lichtkugeln, Feuertunnel, im Geist reisen, außerkörperliche Erfahrungen, Teleportation, außerbiblische Offenbarung, Totenauferweckung, die Neue-Wein-Bewegung, trunkene Herrlichkeit, Visualisierung, heiliges Lachen, Singsang, Eintauchen, Stimmgabeln und Engel aufwecken.“ (S. 136) ­­­­­Manches erinnert an die Berliner Erklärung von 1909 über die sogenannte „Pfingstbewegung“. Die „Dritte Welle“ hat nun ein Ausmaß erreicht, dass sogar die Pfingstler vor ihr warnen. (S. 126)

Das Buch enthält wertvolle Gedanken zu beidem, den Erscheinungen und Praktiken. Es lohnt sich allein schon die Frage, ob sich Gott durch irgendwelche „Praktiken“ zu was auch immer „fordern“ lässt. Es ist genau dieses falsche Gottesbild, das so viele andere Irrlehren mit sich bringt. Können wir „fordern“, dann liegt der Fehler bei uns, wenn wir es nicht tun. Dann ist nicht mehr Gott souverän, sondern wir bestimmen über unser Schicksal. Dann ist uns jegliche Heilung sicher, ab sofort. Dann ist uns auch die Herrschaft sicher, auch schon hier auf Erden – nach der Irrlehre des „Dominionismus“.

Um solche Gedanken zu rechtfertigen, wird die Lehre über Jesus Christus verfälscht. Dann wird gelehrt, Jesus sei nicht immer Gott gewesen, weder präexistent noch Gott vor seiner „Salbung“. Und ähnlich wie Jesus zur Göttlichkeit „gesalbt“ wurde, könnten auch wir es. In diesem Sinne soll Jesus unser Vorbild sein – schwach wie wir und wir könnten so stark sein wie er.

Zur Untermauerung der Irrlehren gibt es gar eine eigene Bibel-„Übersetzung“, die „Passion Bible“ von Brian Simmons. Darin wurden Begriffe wie „Herrschaft des Himmels, Weitergabe, Sphäre, Bestimmung und Fülle“ hinzugefügt, wo sie im Urtext gar nicht stehen. (S. 117) Hier schließt sich der Kreis – wer den Boden der Heiligen Schrift verlässt, ist „entwurzelt“.

Wie geschrieben behandelt das Buch Irrlehren, die z.T. offensichtlich, z.T. auch nur schwer greifbar sind. Es gibt keine Organisation mit gemeinsamer Erklärung, die man näher betrachten könnte. Stattdessen fallen Namen: Peter Wagner, Bill Johnson, Todd Bentley, Benny Hinn und viele andere. Sie werden zitiert und Verbindungen zueinander aufgezeigt. Die Gruppe mit dem vielleicht größten Einfluss ist die „Bethel Church“ mit ihrer Jugendbewegung „Jesus Culture“. Ihre Musik klingt gut, ist mitreißend und wird viel gehört. Das bedeutet nicht, dass der Baum gesunde Wurzeln hat und gute Früchte hervorbringt. Singen kann jeder.

Jesus Christus spricht: „Habt acht, dass euch niemand verführt!“ (Mt 24,4)

Möge das Buch helfen.