Ohne Gottes Zorn ist Gottes Liebe bedeutungslos

Gewitter

Moderne Evangelisation beginnt mit: „Gott liebt dich und will dich glücklich machen.“ Lesen Sie die Literatur der besucherfreundlichen Bewegung und Sie werden feststellen, dass sie damit beschäftigt ist, jede Botschaft positiv zu gestalten…Aber man kann die Wahrheit über Gottes Zorn nicht mit einer nur positiven Botschaft unter einen Hut bringen, wenn man das Evangelium verkündigt. Man kann einem Ungläubigen die Wahrheit über Gottes Zorn nicht in einer „optimistischen“ Weise verkünden.

Folglich wird das Evangelium in den [besucherfreundlichen] Gemeinden oftmals gekürzt – und die Botschaft, die vor allem geopfert wird, ist der Ausgangspunkt des paulinischen Evangeliums – die Realität des göttlichen Zorns! Diejenigen, die glauben, allezeit nur positiv sein zu müssen, sind gezwungen, wesentliche Abschnitte der Schrift wie Römer 1, Lukas 16, alle warnenden Schriftstellen im Hebräerbrief, viele alttestamentliche Wahrheiten und etwa die Hälfte der Unterweisungen Jesu zu ignorieren. Und auf diese Weise verändert eine Philosophie die Botschaft der Wahrheit.

Ich möchte bei Ihnen nicht den Eindruck erwecken, dass ich dafür bin, das zu verkündigen, was hart, immer negativ, bedrückend und abstoßend ist. Natürlich bin ich es nicht. Aber wie wir wiederholt gesagt haben, es muss eine biblische Balance zwischen Negativem und Positivem geben, andernfalls predigen wir nicht den Willen Gottes. Und die Strategie, die derzeit in Mode gekommen ist, besteht darin, das Evangelium so zu drehen und wenden, dass es ausschließlich positiv ist. Das kann nicht die biblische Botschaft sein. Es ist sicherlich nicht das Evangelium Gottes zum Heil.

Für Paulus war die Drohung Gottes, dass Er dem Menschen ewig zürne, der Ausgangspunkt in seiner Verkündigung. Er war entschlossen, den Menschen die schreckliche Realität von Gottes heiligem Zorn und die aussichtslose Abscheulichkeit menschlicher Verderbtheit aufzuzeigen. Es war kein optimistisch gestimmter Weg, um ein Thema einzuleiten, sondern Paulus behandelte dieses Thema unter der Leitung des Heiligen Geistes.

Gottes Zorn ist entscheidend für das, wer Er ist. Alle seine Attribute sind in göttlicher Vollkommenheit im Gleichgewicht. Wenn Er keinen gerechten Zorn hätte, wäre Er nicht Gott. Ohne Seinen Zorn ist die Vorstellung von Gottes Liebe bedeutungslos: „Du liebst die Gerechtigkeit und hasst die Gesetzlosigkeit“ (Ps 45,7). Überdies hasst Gott die Sünde ebenso sehr und innig wie er den gefallenen Sünder liebt. Das eine ohne das andere ist völlig inhaltlos.

Oftmals begegnen wir dieser doppelten Bedeutung von Zorn und Gnade. „Wer an den Sohn glaubt, der hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm“ (Joh 3,36). Dieser Vers erscheint in dem gleichen Kapitel mit dem bekannten Vers aus Johannes 3,16. Ohne ein Verständnis der Ernsthaftigkeit von Gottes Zorn gegen alle Sünde, verliert selbst die Aussage „sie werden nicht verlorengehen“ in Johannes 3,16 ihre Bedeutung.

– John MacArthur, Ashamed of the Gospel, S.132-133 // Bild: ©pixabay (CC0 1.0)