Papst? Was ist das, «der Papst»?

Geschlossene Gesellschaften. Eine fotografische Reise durch kommunistische Länder

Nordkorea intensiviert unter Kim Jong-un die Aufrüstung und den Personenkult. Man schätzt, dass das Land nach dem gescheiterten Raketentest mehr als eine Milliarde Euro für sein Raketenprogramm ausgegeben hat. Millionen Nordkoreaner gelten als unterernährt. Umgerechnet 32 Millionen Euro gab das Land aus, um Führerporträts und weitere Statuen anfertigen zu lassen. In jedem Haus in Nordkorea muss ein Bild der verstorbenen Machthaber hängen.

Die Bevölkerung ist, je nach vermuteter Parteiloyalität, in drei Gruppen eingeteilt: die Elite der Parteikader, die Arbeiterklasse und die «feindliche Klasse» der suspekten Personen. Dazu gehören auch die Christen. Die meisten Menschen dieser Klasse sind in Lagern interniert.

Dem Fotografen Tomas van Houtryve gelang es, unter der falschen Identität eines linientreuen Bewunderers an einer Gruppenreise teilzunehmen. Freies Fotografieren ist vollkommen ausgeschlossen. Dennoch gelang ihm mit dem Buch «Geschlossene Gesellschaften – Eine fotografische Reise durch kommunistische Länder» (Benteli Verlag) eine beeindruckende fotografische Annäherung.

Die Isolation des Landes ist total. Die Menschen in Nordkorea haben keinerlei Informationen darüber, was ausserhalb des Landes geschieht. Es gibt weder Telefone noch Internet oder Satellitenfernsehen. Der Fotograf berichtet, dass in der Reisegruppe einmal das Gespräch auf Religion und den Papst kam. Einer der Bewacher, er ist in einem Ministerium Chef für kulturelle Beziehungen mit Europa, zeigte sich interessiert. Dann habe er die Stirn gerunzelt, sei näher herangerückt und habe gefragt: «Der Papst? Was ist das, ‹der Papst›?»

– Quelle: factum