Protest gegen „Kanzelrede“: Evangelischer Gottesdienst?

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„Das ist Gottesdienst, dass nichts anderes im Haus Gottes geschehe, als dass unser lieber Herr selbst mit uns rede durch sein heiliges Wort und wir wiederum mit ihm reden durch Gebet und Lobgesang.“

– Martin Luther

Informationen zum Sachverhalt

Am Sonntag Lätare, dem 10. März 2013, gab es in der St.-Lukas-Kirche in München eine Veranstaltung, die im Gemeindebrief als „10.00 Uhr-Gottesdienst mit Abendmahl“ angekündigt war. Dieser sollte ein „Gottesdienst zur internationalen Woche gegen Rassismus“ sein, was an sich schon sonderbar war, da dieser Hauptgottesdienst sein Proprium durch die Passionszeit hat. Zusätzlich wies der Gemeindebrief die diensthabende Pfarrerin als „Liturgin“ und zugleich den Imam von Penzberg, Bajrambejamin Idriz als „Kanzelredner“ aus. Das heißt aber: der Imam war der Prediger dieses Sonntags-Gottesdienstes. Eine christliche Predigt gab es nicht.

Bei der Liedauswahl ist offensichtlich auf alle christologischen Bezüge und alle Bezüge zur Passion Jesu Christi verzichtet worden (EG 447,1.3.6-7; EG 648; EG 634). Damit ist an dieser Stelle – neben dem Proprium des Sonntages und der Passionszeit – auch das Proprium des christlichen Glaubens überhaupt entfallen. Auffällig ist weiter, dass die Lesungen (Ps 27; Lk 10,25-33; Gen 12,1-3) und der Introitus nicht die des Sonntags Lätare waren. Es stellt sich die Frage, ob dies geschah, um bei den Muslimen keinen Anstoß zu erregen. Das Gebet des Tages wurde „nach Sure 1 aus dem Koran“ gebetet. Damit ist klar, in wessen Namen dieser „Gottesdienst“ auch gefeiert wurde: im Namen Allahs! Bereits hier fand also ein massiver Verstoß gegen das Erste Gebot statt.

Dass auf das Apostolische Glaubensbekenntnis verzichtet wurde und stattdessen ein theologisch leichtgewichtiges Lied gesungen wurde, in welchem Gott vom Schöpfer zum „Berater“ degradiert wurde, liegt ganz auf der Linie dieser Logik (EG 632, 1.3). Das Weglassen der zweiten Liedstrophe mit dem expliziten Bekenntnis zur Menschwerdung Jesu Christi und der Passion Jesu Christi am Kreuz enthält der Gemeinde den zweiten Artikel des Credo vor und verzichtet damit in einem Passionsgottesdienst auf das Bekenntnis zum heilsnotwendigen Kreuzestod des menschgewordenen Gottessohnes Jesus Christus.

Als Prediger bestieg der Imam von Penzberg, Bajrambejamin Idriz, die Kanzel. Er predigte über einige Koransuren und Bibelworte. Jede Sure, über die er sprach, sang er in arabischer Sprache vor. In seinem als „Kanzelrede“ deklarierten Vortrag wurde unter Hinweis auf die Suren 29,46 und 3,64 postuliert, dass Christen und Muslime an „ein und denselben Gott“ glauben würden und wir uns dem zu „ergeben“ hätten.

Unter diesem Vorzeichen wurde dann Abendmahl gefeiert. Der paulinischen Warnung vor dem Missbrauch des Leibes und Blutes Christi (1. Kor 11,27-29) wurde offenbar keine Beachtung geschenkt.

Zudem wurden die Fürbitten von einer Pfarrerin und dem Imam im Wechsel gesprochen. Fazit: Der Gottesdienst am Sonntag Lätare wurde in St. Lukas-München seiner Bestimmung beraubt und zweckentfremdet:

  • Er war eine als Gottesdienst bezeichnete Veranstaltung, bei der auch zu dem Gottesbild gebetet wurde, das der Koran und die Muslime für Gott halten. Dieses ist gemäß der Bibel und dem Augsburger Bekenntnis (CA I) aber ein anderer Gott als der des christlichen Glaubens.
  • Er war falscher Gottesdienst, denn er wurde (zumindest auch) im Namen des Gottes des Korans gefeiert.
  • Er war falscher Gottesdienst durch das Verdrängen der christologischen Aussagen in Lesungen und Ersatzbekenntnissen.
  • Er war falscher Gottesdienst, weil das Christuszeugnis verdunkelt und der christlichen Gemeinde vorenthalten wurde, indem offen Irrlehre über Christus und das Wesen Gottes gepredigt wurde (Muslime und Christen glaubten an denselben Gott).

Des Weiteren stellt sich die Frage nach dem Amtsverständnis und den Ordnungen der Kirche. Wie kann es sein, dass Pfarrer, Prädikanten und Lektoren eine Ausbildung durchlaufen müssen, Stellung zu Schrift und Bekenntnis nehmen müssen, von Mitgliedern der Kirchenleitung oder deren Beauftragten befragt und gehört werden, probepredigen müssen, wenn sogar Ungetaufte, Atheisten und Angehörige oder Vertreter fremder nicht-christlicher Religionen in Gottesdiensten eine „Kanzelrede“ halten dürfen, die im konkreten Fall die Predigt ersetzte (vgl. den facebook-Eintrag des Landesbischofs)? Dies führt unweigerlich zur Frage, was rechter Gottesdienst und rechte Predigt ist. Nach CA V sollen wir durch das Predigtamt den Glauben erlangen. Paulus sagt: „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi“ (Röm 10,17). Die Predigt soll durch die Verkündigung des Wortes Gottes in Gesetz und Evangelium Glauben wecken und stärken. Da aber, wo die Grundlage der Predigt nicht mehr allein das Wort Gottes ist, sondern wie im konkreten Fall Bibel- und Koranzitate quasi gleichberechtigt Grundlage einer Predigt bzw. „Kanzelrede“ sind, noch dazu eines nichtchristlichen Predigers ist dem Gottesdienst das Wort Gottes als Basis entzogen. Da wird kein christlicher Gottesdienst mehr gefeiert!

Die Verkündigung im Gottesdienst ist grundsätzlich die Predigt. Diese hat nach CA XIV durch einen ordentlich berufenen Prediger zu geschehen.

Gegenwärtig läuft in der Landeskirche ein Klärungsprozess, was unter einer „Kanzelrede“ überhaupt zu verstehen ist, inwieweit sich eine Kanzelrede von einer Predigt unterscheidet und ob eine Kanzelrede als Verkündigung in einem Gottesdienst vom evangelisch-lutherischen Bekenntnis her überhaupt möglich ist. Grundsätzlich gilt: Kanzelreden sind nach Inhalt und Rednern enge Grenzen gesetzt. Mit Kanzelreden muss auf allen kirchlichen Ebenen in höchster theologischer und geistlicher Verantwortung umgegangen werden und es ist sehr sparsam davon Gebrauch zu machen, da die Kanzelrede die christliche Verkündigung in der Predigt durch einen dazu ausgebildeten, berufenen und ordinierten Prediger nie ersetzen kann. Kanzelreden dürfen im christlichen Gottesdienst grundsätzlich nur von Rednern mit christlich-kirchlichem Hintergrund gehalten werden.

Ansprachen und Reden fremdreligiöser und nicht-christlicher Vertreter können grundsätzlich nicht von der Kanzel aus gehalten werden, sondern gehören in Räume und Veranstaltungen außerhalb von Gottesdienst und sakralen Räumen. Jede Kanzelrede muss von der Gottesdienstleitung (Pfarrer und Kirchenvorstand) vor Schrift, Bekenntnis und Verfassung der ELKB verantwortet werden. Das gilt für jeden Gottesdienst, besonders aber für jeden als trinitarisch proklamierten Gottesdienst mit Feier des Hl. Abendmahls.

Umso schwerer wiegt es, dass die Handlung durch welche die Gemeinde um das Wort Gottes gebracht und in eine Handlung verstrickt wurde, die dem ersten Gebot zuwiderlief, durch die Münchner Stadtdekanin genehmigt wurde.

Unterschriftenaktion

Wir, die Unterzeichner, wenden uns als zur Wortverkündigung im Gottesdienst Berufene dagegen, dass es von Teilen der Kirchenleitung für möglich gehalten und gefördert wird, dass Muslime, ja gar Atheisten (Landesbischof Bedford-Strohm auf Facebook am 21.03.2013) im Gottesdienst „Kanzelreden“ halten bzw. predigen (z.B. die „Kanzelrede“ genannte „Predigt“ eines Imam in München, St.-Lukas am 10.03.2013).

Wir wenden uns grundsätzlich gegen die Mitwirkung von Ungetauften an Amtshandlungen der Kirche. Synkretistische Praktiken dieser Art wurden bereits von den Propheten im Alten Testament massiv abgelehnt und die Verantwortlichen im Priester- und Tempeldienst scharf kritisiert. Es kann theologisch nicht rechtens sein, dass Nichtchristen ein Patenamt ausüben oder bei Amtseinführung, Ordination usw. assistieren (so z.B. die Installation eines Pfarrers in Schwabach am 13.05.2012 unter Beteiligung eines Muslims als Assistent).

Wir wenden uns gegen die Feiern fremdreligiöser Kulte in kirchlichen Räumen (wie etwa bei der Feier des islamischen Ashura-Festes in einem evangelischen Kindergarten am 05.12.2012). Ein solches Handeln einiger Kirchenvertreter missbraucht den Gottesdienst, den Zweck der Predigt, das Predigtamt und stellt die exklusive Heilsbedeutung Jesu Christi (Apg 4,12) in Frage. Wir erwarten, dass die Kirchenleitung derartige Veranstaltungen zukünftig unterbindet. Erstunterzeichner (in alphabetischer Reihenfolge):

Dr. Dietrich Blaufuß, Pfarrer
Hans-Jörg Blomeyer, Pfarrer
Dr. Joachim Cochlovius, Pfarrer und 1. Vors. Gemeindehilfsbund
Rainer Dick, Evangelist
Martin Fromm, Pfarrer
Prof. Dr. Sven Grosse, Pfarrer
Dr. Jürgen Henkel, Pfarrer
Otto Kietzig, Pfarrer
Prof. Dr. Rainer Mayer, Pfarrer
Gerhard Muck, Pfarrer
Hilmar Pahlke, Pfarrer
Martin Pflaumer, Prädikant, Mitglied der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern
Egon von Rottkay, JO, Lektor
Ulrich Rüß, Hamburg, Pfarrer und Vors. der Konferenz Bekennender Gemeinschaften
Till Roth, Pfarrer und 1. Vors. des ABC Bayern
Gerhard Schmidt, Prädikant
Prof. Dr. Günther Rudolf Schmidt, Pfarrer
Gottfried Schoenauer, Dekan em.
Prof. Dr. Harald Seubert, Prädikant
Andreas Späth, Prädikant und 1. Vors. der KSBB Bayern
Helmut Steinlein, Pfarrer und Vors. AKE
Rolf-Alexander Thieke, Pfarrer
Hans-Joachim Vieweger, Prädikant, Mitglied der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern
Gunnar Zwing, Pfarrer