Fritz Binde: Die Speise der Einfalt

Brot und WeinDie reine Einfalt ist auch ein Schreiben im Geiste. Durch erwählte und besonders ausgerüstete Einfältige gab Gott die Heiligen Schriften. Jede dieser Schriften ist von Gott eingegeben, das heißt: von seinem Geiste »durchweht«, und in seiner Wahrheit geläutert. Von Gott aus haben diese Menschen sowohl geredet als geschrieben, nicht durch menschlichen Willen, sondern vom heiligen Geist getrieben.

Dieser außerordentliche Zeugendienst war die Probe auf die Reinheit ihrer Einfalt. Menschen von gleicher Gemütsbeschaffenheit wie wir wurden derart zur Einfalt gegen Gott geläutert, daß er ihnen die Offenbarung seines Werkes, Wesens, Willens und Weges anvertrauen konnte. Welch eine völlig von Gott hingenommene, für Gott abgesonderte Einfalt bedeutet dies doch! Wie müssen sie im Geist gewesen sein, um nur das zu schreiben, an was der Geist sie erinnerte oder was er ihnen zeigte oder sagte!

Und doch blieb die Einfalt eines jeden Schreibers die seiner persönlichen Eigenart; und doch redet aus allen Schriften der eine Gott. So ist die Bibel das mannigfaltigste und doch einheitlichste, weil einfältigste Buch auf Erden. Durch die Einfalt vermittelt, ist es nun als Gottes Wort die Speise der heiligen Einfalt geworden.

Wovon sollte die Einfalt denn sonst leben? Geist aus Gott kann sich nur durch Gott nähren, Leben aus Gott kann nur durch Gott weiterleben. Beides, seinen Geist und sein Leben, hat Gott in sein Wort hineingelegt. So ist das geschriebene Wort Gottes die einzige Nahrung der Einfalt, durch die sie am Leben erhalten werden kann. Sie lebt »von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht«. Jede Vernachlässigung des Wortes Gottes schwächt sie. Jede Verfälschung des Wortes Gottes schädigt sie. Jede Trennung vom Wort Gottes tötet sie.

– Fritz Binde in „Die heilige Einfalt“ // Bild: ©hamiltonsflame/Joshua Hinson