Boice, Die Unfehlbarkeit der Bibel

UnfehlbarkeitDas vorliegende Buch, dessen deutscher Herausgeber Prof. Dr. Samuel Külling ist, enthält 6 apologetische Aufsätze sehr kompetenter bibeltreuer amerikanischer Gelehrter, die alle das Thema der Irrtumslosigkeit der Bibel behandeln. Der Buchtitel ist etwas verwirrend, denn den Begriff „Unfehlbarkeit“ bezieht man eher auf die absolute Wahrheit in Heilslehren, wohingegen der Begriff „Irrtumslosigkeit“ auch die Fehlerlosigkeit in naturwissenschaftlichen und geschichtlichen Aussagen, also in allen Punkten, einschließt.

Zunächst beleuchtet John H. Gerstner die Lehre der biblischen Inspiration anhand der Kirchengeschichte. Er schlägt einen Bogen von der frühen Kirche über Augustinus, das Mittelalter bis zur Reformation und dann über die nachreformatorische Scholastik in die heutige Zeit. Es wird deutlich, dass die Lehre von der Inspiration der Schrift immer zu den Hauptpfeilern des Christentums gehörte und nicht erst in den letzten Jahrzehnten aufkam.

Im zweiten Kapitel beschäftigt sich James I. Packer mit heutigen Ansichten über die Bibel. Welche Ansichten begegnen uns bei Evangelikalen, bei Liberalen, welche in der Neoorthodoxie und in der katholischen Kirche? Welche Diskussionen werden geführt und wie wichtig ist die Lehre von der Irrtumslosigkeit?

Es folgt ein Aufsatz von Gleason L. Archer über das Selbstzeugnis der Bibel. Der Autor zeigt, wie die Schreiber des NT´s und Jesus Christus selbst mit dem AT umgegangen sind und geht auf die alttestamentlichen Zitate im NT ein.

Der vierte Aufsatz lautet „Allein die Schrift!“. Darin behandelt R. C. Sproul das reformatorische Prinzip „sola scriptura“ und bezieht es auf die Lehre der Irrtumslosigkeit. Er zitiert aus verschiedenen reformierten Bekenntnissen und behandelt auch die Frage nach einer „begrenzten Irrtumslosigkeit“.

Danach schreibt James M. Boice über den Zusammenhang eines Predigers und dem Wort Gottes. Er diagnostiziert einen Verfall in der heutigen Predigt und geht auf dessen Wurzel, die er in einem Abrücken von der Inspiration der Schrift sieht, ein. Auch zeigt er anhand von Predigten aus der Bibel (Petrus, Paulus) Grundlinien und unverzichtbare Inhalte der Verkündigung auf.

Im letzten Aufsatz legt Kenneth S. Kantzer die Situation der Evangelikalen im Hinblick auf die Irrtumslosigkeit dar und gibt Ratschläge, wie sich diese in Zukunft verhalten sollten. Er ist der Meinung, dass im Evangelikalismus vielmals ein Antiintellektualismus vorliegt, was aber auch zu viel Unsicherheit geführt hat und unnötig ist.

Im Anhang findet man noch eine Stellungnahme des „Internationalen Rates für biblische Irrtumslosigkeit“ und einen Artikel von Francis A. Schaeffer über die derzeitige evangelikale Situation mit Lösungsansätzen.

Allen Aufsätzen ist das lehrmäßig intellektuell hohe Niveau gemeinsam, welches aber nicht die gute Lesbarkeit verringert, was sicher auch der gelungenen Übersetzung zu verdanken ist. Man spürt bei allen Schreibern eine Hochachtung vor dem Wort Gottes. Es wird deutlich, dass es auch intellektuell sehr vernünftig ist, der Bibel vollständig zu vertrauen und sie als das anzusehen, was sie ist – Gottes irrtumsloses Wort. Auch wenn ich vielleicht nicht in jedem Detail mit allen Aussagen und Formulierungen der Autoren übereinstimme, leistet das Buch einen wichtigen apologetischen Beitrag und ist sehr zu empfehlen.

Sebastian Gruner (Erlbach-Kirchberg)