Carson, Emerging Church

Carson Emerging ChurchEine neue Kirche entsteht, die „Emerging Church.“ Vielleicht haben Sie schon davon gehört, vielleicht haben Sie im Internet ihr Logo entdeckt oder Sie sind – wie auch wir – bereits vor dieser neuen Strömung gewarnt worden. Wer das Schlagwort nicht so richtig einzuordnen weiß mag sich auch auf D.A. Carson verlassen. Wenn er sich dieses Themas annimmt, dann muss es von Bedeutung sein. Und seine Analyse ist fair und kompetent.

Eine große Gefahr im Umgang mit der „Emerging Church“ liegt darin, dass sie sehr vielschichtig und nicht so richtig greifbar ist. Sie ist schwer zu definieren, ihre Kennzeichen sind schwer hervorzuheben und gerade das ist paradoxerweise sogar Teil ihres Wesens. Carsons Ansatz ist deshalb lobenswert, weil er sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzt und auch die positiven Aspekte findet und diese im ersten Teil seines Buches deutlich herausstellt. Gefährlich wird es, wenn jede falsche Praxis oder Irrlehre unter dem einen Dach „Emerging Church“ gesammelt und dabei auch jeder noch so richtige Ansatz bereits im Keim erstickt wird, nur weil er im gleichen kritischen Zusammenhang gesehen, beurteilt und folglich abgelehnt wird.

Carson stellt seinem Buch eine Kurzdarstellung der „Emerging Church“ voran und deutet sie als – postmoderne – Protestbewegung „gegen die traditionelle evangelikale Bewegung und im weiteren Sinne gegen alles, was sie unter »Moderne« versteht.“ Dabei nennt er Vorreiter und Vertreter beim Namen und beurteilt ihre Bücher und Lehren teils in Ansätzen, teils auch konkret und mit scharfen Worten. Erst am Ende geht Carson auf zwei Hauptfiguren der Bewegung ein, auf Brian McLaren aus den USA und Steve Chalke aus Großbritannien. Carson liefert Kritiken über ihre Bücher und verurteilt die darin enthaltenen Irrlehren, z.B. den Sühnetod Christi oder die Existenz der Hölle zu leugnen. Nicht jeder, der sich der Bewegung zugehörig fühlt, wird solche Irrlehren vertreten. Gleichzeitig sei er hier gewarnt, mit wem er sich unter dem genannten Dach versammelt.

Die besondere Stärke des vorliegenden Buches liegt in seiner Tiefe. Einen Großteil widmet es der „Analyse der Gegenwartskultur“ sowie einer Darstellung der vormodernen, modernen und postmodernen Erkenntnistheorien. Carson kritisiert nicht nur konkrete Inhalte der „Emerging Church“, sondern auch ihren erwähnten „Protest gegen die Moderne“ in seiner Oberflächlichkeit und liefert gleichzeitig das entsprechende Vorbild, es besser zu machen. Will die neue kirchliche Bewegung eine Antwort auf kulturelle Veränderungen sein so gilt es im ersten Schritt, ihren kulturellen Kontext auch wirklich zu begreifen. Werden falsche Fragen gestellt, wird man die richtigen Antworten nicht finden und die „Emerging Church“ ist tatsächlich nur ein großes Missverständnis.

Das besprochene Thema umfasst in der heutigen Realität viele Bereiche der kirchlichen Praxis wie Musik, Liturgie, Theater, u.v.a.m. Solche Aspekte behandelt Carson nur am Rande. Einen klaren Schwerpunkt legt Carson hingegen auf die Wahrheitsfrage, die biblische Lehre. Im Kern würde er sicher Spurgeon zustimmen, dessen Zitat die Diskussion hier beendet und zusammenfasst: „Es gibt nichts Neues in der Theologie ausgenommen das, was falsch ist.“