Zur Entwicklung der Schlachter-Bibel

Schlachter MiniaturbibelSeitdem die von Gott gesegnete Schlachter-Bibel erstmals im deutschsprachigen Raum erschien, hat sie eine Entwicklung durchgemacht, die nur wenigen bekannt ist.

Die erste Ausgabe – die berühmte Miniatur-Bibel – erschien 1905. Revolutionär war das schlanke, dünne Format, das in jede Jackentasche passte. Im Jahre 1907 folgte dann eine Großdruckausgabe, die sogenannte “Hausbibel”. Wesentliches Merkmal der ursprünglichen Schlachter-Bibel war, daß der Bibeltext fortlaufend gesetzt war und der Textfluss lediglich bei einer Änderung der Thematik bzw. bei einem neuen Grundgedanken durch Sinnabschnitte unterbrochen wurde. Im AT hatte diese Ausgabe – analog der Elberfelder-Bibel – vereinzelt auch den alttestamentlichen Gottesnamen mit Jehova wiedergegeben.

Sprachlich war diese Ausgabe schon damals sehr volkstümlich und gab den Urtextsinn oft mit großer Genauigkeit wieder, ohne sklavisch an die Form des Grundtextes gebunden zu sein. Allerdings hatten diese Ausgaben keinerlei Parallelstellen oder Fußnoten und nur einen minimalen Anhang.

Nach Schlachters Heimgang übernahm dann die Privilegierte Württembergische Bibelanstalt die Schlachter-Bibel und gab diese schließlich in der von Linder und Kappeler revidierten Fassung heraus. Diese Fassung wies an einigen Stellen größere Veränderungen auf. Zugunsten der Genauigkeit hatte man die wuchtigen Schlachter-Formulierungen hier und da durch andere Formulierungen ersetzt. Am Ende des Alten und des Neuen Testamentes gab es einen Apparat, in dem u.a. Textvarianten dargestellt wurden. Im Anhang fanden sich außer Angaben zu Maßen, Gewichten, Münzen und Zeitrechnung auch ein Bibelleseplan und ein Wegweiser in die Heiligen Schrift.

Nach dem zweiten Weltkrieg ließ die Genfer Bibelgesellschaft nach Absprache mit der Familie des Übersetzers die Schlachter-Bibel neu bearbeiten. 1951 erschien sie in revidierter Fassung, basierend auf dem Original-Text von 1905. Sie war sprachlich noch flüssiger und wies die ganzen Vorteile der bisherigen Ausgaben auf. Leider hatte auch sie keine Parallelstellen und nur wenige Fußnoten. Das Name Jehova wurde in der ganzen Bibel durch HERR ersetzt.

1995 gab die Genfer Bibelgesellschaft eine erneute Revision in Auftrag. Der Text von 1951 wurde nochmals sprachlich bearbeitet. Veraltete Wörter und Satzstellungen wurden an den heutigen Sprachgebrauch angepasst. Ein wichtiges Merkmal der Revision ist die konsequente Wiedergabe des überlieferten reformatorischen Grundtextes im NT und des überlieferten hebräischen Grundtextes (Masoretischer Text) im AT. Ausgangspunkt der Revisionsarbeit war die Überzeugung, dass die Bibel Wort für Wort von Gott inspirierte, irrtumslose und vollkommene Offenbarung Gottes darstellt. Die gesamte Bearbeitung wurde nach bibeltreuen Grundsätzen vorgenommen.

Beim Übersetzen wurde der Ansatz Schlachters beibehalten, eine wortgetreue Wiedergabe mit einem sinngetreuen und sprachlich klar verständlichen deutschen Ausdruck zu verbinden. Insgesamt wurde die Übersetzung durch die Bearbeitung an vielen Stellen genauer und kommt nun dem Grundtext näher. Dabei wurde jedoch eine übertriebene Genauigkeit auf Kosten der Klarheit vermieden. Wo der Sinn des Originals nur durch eine etwas freiere, sinngetreue Wiedergabe im Deutschen ausgedrückt werden kann, wurde dies in Anlehnung an Schlachters Prinzipien auch bewusst getan.

Die revidierte Schlachter-Bibel eignet sich sowohl fürs Bibelstudium wie für die Lektüre in der Stillen Zeit. Sie ist aufgrund ihrer klaren, gut verständlichen Sprache für die Kinder. und Jugendarbeit ebensogut geeignet, wie für die Weitergabe an ungläubige Menschen. Sie kann für viele bibeltreuen Gemeinden eine Alternative sein, die einer geistlichen Verwässerung und dem Vordringen von geistlich fragwürdigen modernen Übertragungen vorzubeugen.