Lewis, Pardon ich bin Christ

Pardon_ich_bin_Christ„Jeder Mensch hat schon einmal zugehört, wie andere sich streiten. … Dabei scheint es, als wüssten beide Seiten um eine Art Gesetz oder Regel von Fair play, von anständigem Benehmen oder Sittlichkeit oder wie man es nennen will.“ (S.20,21) Mit diesem Verweis auf das Gewissen beginnt C.S. Lewis seine Argumentation für den christlichen Glauben und folgt damit – gewollt oder ungewollt – der Struktur des Römerbriefs. Wie geschrieben steht, ist dem Menschen das Gesetz ins Herz geschrieben und wenn er im Streit den anderen richtet, verurteilt er sich ebenso selbst: „Denn du, der du richtest, verübst ja dasselbe!“ (Römer 2:1, vgl. 2:15)

Dass auch der Leser nicht ohne Schuld ist, darauf zielt Lewis erst im zweiten Schritt. Lange hält er sich mit der Frage nach Recht und Unrecht auf. Was genau ist das „Naturrecht“, das „Sittengesetz“, das „Gesetz der menschlichen Natur“ – und woher kommt es? „… von einem unbestimmten Etwas, das die Welt lenkt und in mir als Gesetz sichtbar wird, das mich zum rechten Handeln anhält und mich mit Schuldbewusstsein und Unbehagen erfüllt, wenn ich Böses getan habe.“ (S.39) Lewis setzt nur kleine, dafür aber feste Schritte nacheinander in Richtung christlicher Glaube.

Um zu folgen, wird so mancher von seinem Weg umkehren und von vorne anfangen müssen. „Einem Menschen, der nicht einmal weiß, daß er etwas getan hat, was er bereuen müßte, und der infolgedessen auch keine Vergebung braucht, hat das Christentum nichts zu sagen.“ (S.44) Immer wieder formuliert Lewis klare Ausrufezeichen, die den Widerspenstigen dazu anhalten mögen, das Buch vielleicht doch einfach beiseite zu legen.

Kapitel I über das (Un-)Recht ist also Fundament von Kapitel II: „Vom Glauben der Christen“, auch in Abgrenzung von den Religionen. Er stellt den Teufel vor:

Ich behaupte nicht, etwas über die äußere Erscheinung des Teufels zu wissen. Wenn aber jemand seine nähere Bekanntschaft zu machen wünscht, so würde ich ihm sagen: «Keine Bange, wenn Sie ernsthaft wollen, werden Sie ihm schon begegnen. Was sie hinterher sagen werden, das ist allerdings eine andere Frage.» (S.57)

und anschließend Jesus Christus:

Ein bloßer Mensch, der solche Dinge sagen würde, wie Jesus sie gesagt hat, wäre kein großer Morallehrer. … Entweder war – und ist – dieser Mensch Gottes Sohn, oder er war ein Narr oder Schlimmeres. … Aber wir können ihn nicht mit gönnerhafter Herablassung als einen großen Lehrer der Menschheit bezeichnen. Das war nie seine Absicht; diese Möglichkeit hat er uns nicht offengelassen. (S.63)

um dann auf die Frage einzugehen: „Wie kann ein anderer für mich büßen?“ Auch hier erinnert die Reihenfolge an den Römerbrief, in etwa Kapitel 3-5. Lewis erklärt, was Buße ist, betont ihre Notwendigkeit und lässt auch die Warnung durchschimmern: „Gott wird kommen, dass ist sicher. … Und dann wird es zu spät sein, noch eine Wahl zu treffen.“ (S.74)

In Kapitel 3 – „Gebrauchsanweisung für den Menschen“ – spricht Lewis über Ethik und Moral, über die Tugenden, Sozialethik, sogar Psychoanalyse, Sittlichkeit und Sexualität, Ehe, Liebe und Verliebtheit, von der Vergebung und von der größten Sünde: dem Hochmut. Durch solche Zeilen scheint der Weg zur Sündenerkenntnis ganz gut geebnet. Das Kapitel schließt mit den, wie er es nennt, „theologischen Tugenden“, das sind Glaube, Liebe und Hoffnung, wobei der Glaube auch in Beziehung zu den Werken gesetzt wird.

Hat der Leser bisher alles verstanden, ist er bereit für Kapitel 4, das mit „Jenseits der Persönlichkeit oder Deutungsversuche zur Trinitätslehre“ etwas abschreckend überschrieben ist. In Worten des Römerbriefs, sind wir schließlich beim Thema Wiedergeburt und Heiligung angekommen. Natürlich ist „Pardon, ich bin Christ“ etwas ganz anderes als eine Auslegung des Römerbriefs, die grobe Struktur und Argumentation scheint aber ähnlich zu sein.

Hervorzuheben ist Lewis‘ respektvoller Schreibstil und die Tiefe seiner Argumentation. Immer wieder geht er auf „Einwände“ seiner Leserschaft ein und beleuchtet seine Gedanken von verschiedenen Seiten, um dann bei einem ausgewogenen Urteil zu landen. Im Gesamtergebnis bleibt die Hoffnung, dass gründliche Überlegungen beim Leser dasselbe bewirken wie beim Schreiber, nämlich die Bekehrung hin zum christlichen Glauben, hin zu Jesus Christus. Insgesamt ein wertvolles Buch, das Konzentration und Nachdenken verlangt:

Wenn man hundert Menschen befragt, weshalb sie ihren Glauben an das Christentum verloren haben, wird man feststellen, daß echte Argumente dabei selten eine Rolle gespielt haben. Die meisten Menschen lassen sich einfach treiben.