C.S. Lewis, Überrascht von Freude

Lewis_Freude„Ich habe dieses Buch … geschrieben, um dem Wunsch nachzukommen, ich möge berichten, wie ich vom Atheismus zum Christentum gekommen bin“, so der erste Satz des Autors in seinem Vorwort. Und noch einmal: „Das Buch soll die Geschichte meiner Bekehrung berichten; es stellt keine Autobiographie im herkömmlichen Sinn dar“, so der Beginn des zweiten Absatzes. Entsprechend wird es vom Verlag angepriesen: „Spannend beschreibt C.S. Lewis seinen Weg vom erklärten Atheisten zum überzeugten Christen. Eine außergewöhnlich tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem Christentum und ein sehr ehrliches Buch.“

Dem Otto-Normal-Leser fällt es schwer, im Verlauf des Buches dieser Linie zu folgen. Lewis beschreibt ausführlich seinen Lebensweg in jungen Jahren, aber nur selten mit klarem Bezug zu seiner Bekehrung. Das Buch ähnelt eher einer Autobiographie mit Beschränkung auf die ersten zwei Lebensjahrzehnte als einer christlichen Bekehrungsgeschichte, wie wir sie heute allgemein kennen und erwarten würden. Lewis erzählt so viel von Kindheit und Jugend und spannt damit, in seinen Worten, „das Netz“ so weit aus, wie vor ihm und nach ihm wohl kein Christ je Zeugnis gegeben hat. Nur wer den Autor bereits kennt, wird wenig überrascht und enttäuscht sein.

Die Kritik vorweggenommen ist auch dieses Lewis-Buch unterhaltsame wie geniale Literatur und bewahrt uns so manchen wertvollen Gedankengang, der herausfordert. Sein respektvoller, fairer und höflicher Umgang mit seinen Mitmenschen, die meisten von ihnen Andersdenkende, ist vorbildlich. Zwischen den Zeilen leuchtet Demut hervor. Wir erfahren so einiges über die z.T. schwierigen familiären und schulischen Verhältnisse damals sowie über das religiöse Umfeld von Lewis, dazu seine ehrlichen Gedanken und Urteile, die ihn – auch über die Suche nach „Freude“ – schließlich zum Theismus und in letzter Konsequenz zu Jesus Christus geführt haben. Am Ende war er „schachmatt“, ein widerwilliger Bekehrter, getrieben von der Gnade Gottes:

„Die Worte ‚compelle intrare‘, zwinge sie einzutreten, sind von bösen Menschen so mißbraucht worden, daß uns bei ihnen schaudert; doch richtig verstanden loten sie die Tiefe der Gnade Gottes aus. Die Härte Gottes ist freundlicher als die Weichherzigkeit der Menschen, und sein Zwang ist unsere Befreiung.“

Fazit: Wer eine „tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem Christentum“ sucht, sollte eher „Pardon, ich bin Christ“ von Lewis lesen. Wer sich für den Kern seiner Bekehrungsgeschichte interessiert, sollte zu kürzeren und einfacheren Biographien greifen. Wer aber Lewis mag und ihn besser verstehen will, der wird an „Überrascht von Freude“ nicht vorbeikommen.