Lucarini, Worship bis zum Abwinken

Lucarini WorshipEin sehr gutes, tiefgründiges, relevantes Buch, das auf den ersten Blick nur unterschätzt werden kann.

Worship bis zum Abwinken ist die deutsche Übersetzung des englischen Buches Why I left the Contemporary Christian Music Movement. Der wohl originell aber vielleicht etwas zu flapsig übersetzte Titel mag über die Qualität des Buches hinwegtäuschen. Dazu dämpfen der eher unbekannte Name und die begrenzten Mittel zur Vermarktung dessen weitere Verbreitung, was wirklich schade ist.

Lucarini hat sicher nicht „abgewunken“, als er seinen Dienst als Lobpreisleiter aufgegeben hat. Stattdessen beweist er mit diesem Buch, als reifer Christ auf bestimmte Fehlentwicklungen in den Gemeinden hinweisen und sie mit viel Scharfsinn aufdecken zu können. Seine Erfahrungen als Insider, seine Bibelkenntnis und seine Demut prägen die Qualität seiner These.

Das Buch handelt zuerst von der musikalischen Entwicklung in den christlichen Gemeinden, von dem Wechsel zum modernen Musikstil, der im Sinne einer besucherfreundlichen Gottesdienstgestaltung vollzogen wird, oft zum Leid und auf Kosten der eher konservativen Geschwister. Lucarini weist hier auf die Grenze der christlichen Freiheit hin: anderen Anstoß sein und zur Sünde verleiten.

Doch christliche Musik dient vor allem der Anbetung, und so geht der Autor auch auf das Wesen der Anbetung und auf den wesentlichen Charakter eines echten Gottesdienstes ein. Die folgende Analyse soll beispielhaft genügen, die Prägnanz des Buches etwas kennenzulernen:

Im Alten Testament lautet das hebräische Wort für Anbetung schachah, was die Strong’s Concordance definiert als „herabdrücken, sich niederwerfen (insbesondere in Verehrung vor einem König oder vor Gott), sich niederbeugen, ducken, niederfallen, flach auf den Boden fallen, demütig anflehen.“ Im Neuen Testament wurde das Wort proskyneo meistens mit „Anbeten“ übersetzt. Es bedeutet so viel wie „küssen, wie ein Hund die Hand seines Herrn leckt, kuschen, ducken, sich in Ehrerbietung niederwerfen.“ … Stimmt unsere Haltung mit dieser Definition überein, wenn wir Gott nahen, um ihn anzubeten?

Als ehemaliger Vertreter des modernen Lobpreises kennt Lucarini die Argumente ihrer Befürworter. Er hat sie selbst gebracht und erfolgreich vertreten, nun aber auch schmerzhaft gegen sich erfahren, wenn er – wie in diesem Buch – seine Gegenargumente darlegt. Die Stärke des Buches liegt in seiner theologischen Fundiertheit, die fruchtlose Diskussionen überflüssig macht. Lucarini antwortet mit Exegese, bekennt seine damaligen Fehler und lädt den Leser ein, ihm zu folgen und Buße zu tun.

Ein gutes Buch endet nicht mit Kritik, sondern zeigt Alternativen auf. Der Autor selbst hat viele Gemeinden besucht, Erfahrungen gemacht und schließlich seine Gemeinde gefunden, in der er das Geschriebene im Gottesdienst auch praktisch erleben kann und darf. Möge das Buch in Deutschland dazu beitragen, dass solche Gemeinden erhalten bleiben oder auch wieder entstehen.