Wir begehen nicht nur Sünden, wir sind Sünder

Hieronymus Bosch

Diejenigen, die glauben, dass die Bibel Gottes Wort ist, sagen oft: »Alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes« (Römer 3,23). Das ist eine tiefgründige und überaus wichtige Wahrheit. Aber das ist noch nicht alles. N.P. Williams hat es mit den folgenden Worten ausgedrückt:

»Ein gewöhnlicher Mensch mag sich schämen, Schlechtes zu tun. Der Heilige aber, mit einer Verfeinerung der moralischen Empfindlichkeit und größerem Vermögen der Selbstbeobachtung ausgestattet, schämt sich, dass er ein solcher Mensch ist, der dazu neigt, Schlechtes zu tun.«

Sünde ist nicht nur etwas, was wir tun; es ist eine Macht, die tief in unserer menschlichen Natur verwurzelt ist. Wenn wir uns zu Christus bekehren, bekommen wir den Heiligen Geist, und durch seine Kraft beginnen wir, unsere gefallene, sündige Natur zu überwinden.

Aber von Natur aus sind wir rebellisch, ungehorsam und verhärtet gegenüber Gott. Deshalb ruft der Psalmist aus: »Gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht! Denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht« (Psalm 143,2). Der Prophet Jeremia beklagt die folgende Tatsache: »Trügerisch ist das Herz, mehr als alles, und unheilbar ist es. Wer kennt sich mit ihm aus?« (Jeremia 17,9). König David verfolgt diesen Zustand zurück bis zu seiner Geburt: »Siehe, in Schuld bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen« (Psalm 51,7). Diese angeborene Verdorbenheit ist so schlimm, dass Paulus sagt: »Ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleische, nichts Gutes wohnt« (Römer 7,18).

Was Paulus mit »Fleisch« meint, ist nicht seine Haut, sondern sein natürliches Selbst ohne die Erlösung Christi und ohne das Wirken der Veränderung durch den Heiligen Geist. Ein anderer Ausdruck, den Paulus für das »Fleisch« verwendet, ist der »natürliche Mensch« — d.h. der Mensch, der wir von Natur aus sind, ohne Christus. In 1. Korinther 2,14 sagt er zum Beispiel: »Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird.« Mit anderen Worten: Der »natürliche Mensch« (oder das »Fleisch«) ist so entgegengesetzt zu der geistlichen Wirklichkeit, dass er die Dinge Gottes nicht verstehen oder annehmen kann. Ein solcher Mensch wird sich nicht an Gott erfreuen. Das natürliche Herz in ihm ist so sehr in seinem Verlangen verdorben, dass es die Schönheit Christi weder sehen noch genießen kann.

Das ist das, was Paulus meint, wenn er in Römer 8,7-8 sagt, dass die Gesinnung des Fleisches »Feindschaft gegen Gott ist, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie kann das auch nicht. Die aber, die im Fleisch sind, können Gott nicht gefallen.« Beachten Sie dabei den Gedanken, dass etwas nicht getan werden kann. Er kommt zweimal vor. Der natürliche Mensch, der durch das Fleisch charakterisiert ist, aber noch nicht von Christus verändert worden ist, hat eine so feindliche Gesinnung gegen Gottes glorreiche Autorität (was sich im Ungehorsam gegenüber seinen Geboten zeigt), dass er sich weder an Gott noch an Gottes Wegen erfreuen kann. Er kann viele religiöse und moralische Dinge tun, aber sein Herz ist weit entfernt von Gott (Matthäus 15,8), und er kann auch nicht anders, als die Größe und die Autorität Gottes als unerwünscht anzusehen.

– John Piper, Wenn die Freude nicht mehr da ist, S.46f.

– Bild: Die Völlerei auf Hieronymus Boschs Tafel der sieben Todsünden