Spurgeon, Erwählt vor Grundlegung der Welt

Spurgeon_ErwählungIn sechs Predigten durchstreift der bekannte C.H. Spurgeon die Tiefen der Theologie: (1) Die Souveränität Gottes (Mt 20:15); (2) Erwählung (2.Thess 2:13f.); (3) Persöhnliche Sühne (Mt 20:28); (4) Die Unfähigkeit des Menschen (Joh 6:44); (5) Wirksame Berufung (Lk 19:5); (6) Die Lehren der Gnade verleiten nicht zur Sünde (Röm 6:14f.)

Mutig, wortgewandt wie immer und überzeugend legt Spurgeon kostbare Wahrheiten offen, die ans Herz gehen. Die Kapitel sind keine trockenen Lehrgebäude, sondern praxisbezogene Aufrufe an seine Hörer bzw. Leser. Ihre thematische Ordnung beginnt mit Gottes Souveränität. Lassen wir Gott Gott sein und Ihn tatsächlich auf dem Thron regieren, ergibt sich das Übrige beinahe von selbst.

Der Regierende gibt, wie Er will. Nicht nur die offensichtlichen Gaben wie Aussehen, Fähigkeiten, Lebensalter, sondern auch die geistlichen Gaben inkl. die Gabe der Errettung. Auf die bekannten Einwände geht Spurgeon gezielt ein und argumentiert hier vor allem mit der Lehre von der Souveränität Gottes: »Ist es mir nicht erlaubt, mit dem Meinen zu tun, was ich will?«

In seiner Predigt über die Erwählung erinnert Spurgeon an die Bekenntnisse der Kirchenväter, bevor er gewichtige Bibelstellen anführt. Seine Verteidigung ebnet ihm den Weg, die Erwählung selbst näher zu beleuchten. Gott erwählt den Einzelnen persönlich. Sie ist bedingungslos, denn auch der Glaube ist eine Gabe Gottes. Die Erwählung ist von Anfang an und bleibt in Ewigkeit, ihre Auswirkungen sind Heiligung (!), Standhaftigkeit im Glauben und Demut: „Erstens denke ich, zieht die Erwählung wie keine andere Lehre der Welt dem Gläubigen das letzte Hemd aus. Sie nimmt ihm sein ganzes Vertrauen in sein Fleisch bzw. jegliches Vertrauen auf etwas anderes außer Jesus Christus.“ (S.47)

Im Kapitel über die persönliche Sühne stellt Spurgeon die Größe der Erlösung vor Augen. Er misst sie an unserer Sünde, an Gottes Zorn und Gericht, an dem Preis den Christus zahlte, an der großen Befreiung aus Sünde und Hölle, und an dem Wirkungsbereich: Christus starb für viele und sicherte so deren Errettung. Die persönliche Sühne steht im Gegensatz zur Irrlehre von der allgemeinen Sühne, dass Jesus für alle starb aber nicht deren Errettung sicherstellte. „Die allgemeine Sühne ist wie eine große breite Brücke, die den Fluss aber nur zur Hälfte überspannt. Sie sagt klipp und klar, dass sie nur den halben Weg verschafft; sie stellt die Errettung keines Menschen sicher. Nun, ich würde meinen Fuß lieber auf eine schmale Brücke setzen, die bis zur anderen Seite reicht, statt auf eine Brücke, die breit wie die Welt ist, aber nicht bis auf die andere Seite führt.“ (S.68)

Die Unfähigkeit des Menschen ist ein geistlicher Defekt. Der Mensch will nicht »zu Christus kommen«, und er kann es auch nicht. Seine Natur ist verdorben und so braucht es den Vater, der den Sünder zieht, indem er ihn willig macht. Die Lehre führt in die Abhängigkeit von Gott und ins demütige Gebet um Gnade. Spurgeons fünfte Predigt über die wirksame Berufung ist biblische Auslegung am Beispiel von Zachäus. Christus beruft ihn, und sein Ruf ist im Leben von Zachäus wirksam. So geschieht es bis heute.

Damit sind die „fünf Punkte des Calvinismus“ abgedeckt. Zum Schluss predigt Spurgeon in sieben Abschnitten, dass die Lehren der Gnade nicht zur Sünde verleiten. Er betont die Gnade als den Kern des Evangeliums und als Basis für ein frommes, gottesfürchtiges Leben.

Fazit: Das Buch ist keine Milch, sondern feste Speise. Guten Appetit!