Schlimmste humanitäre Katastrophe am Horn von Afrika

Brot

Das UN-Flüchtlingskommissariat spricht von der „schlimmsten humanitären Katastrophe der Welt“: Am Horn von Afrika sind als Folge der größten Dürre seit 60 Jahren mehr als zehn Millionen Menschen vom Verhungern bedroht, davon sind etwa ein Drittel Kinder. Tausende begeben sich auf die Suche nach Nahrung und Wasser. In hoffnungslos überfüllten Flüchtlingslagern herrschen chaotische Zustände; Beobachter sprechen von „Höllenvisionen“.

Christliche Organisationen wollen zur Hilfe eilen, und eine islamische Terrororganisation hat gelobt, sie nicht mehr zu vertreiben. Fünf Länder sind nach Angaben der „Aktion Deutschland Hilft“ von der Hungersnot betroffen. In Kenia brauchen 3,5 Millionen Menschen humanitäre Hilfe; in Äthiopien sind es 3,2 Millionen, in Somalia 2,8 Millionen, in Uganda 600.000 und in Dschibuti 120.000. Rund 500 Millionen US-Dollar (358 Millionen Euro) sind nach UN-Schätzungen bis Ende des Jahres zur ersten Linderung der Katastrophe nötig.

BBC-Korrespondent: „Höllenvision“

Am schlimmsten ist die Situation in Somalia. Täglich fliehen rund 1.400 Hungernde über die Grenze nach Kenia in das Flüchtlingslager Dadaab. Es ist für 90.000 Hilfesuchende ausgelegt; im Augenblick leben dort etwa 380.000 Flüchtlinge. Ben Brown, Korrespondent der britischen Rundfunkanstalt BBC, beschreibt die Zustände in einem Noternährungszentrum für Kleinkinder als „Höllenvision“. Winzige Säuglinge, nur Haut und Knochen; Einjährige wiegen so viel wie sonst Neugeborene. Die kenianische Regierung hat sich bisher geweigert, das Lager auszubauen oder weitere zu errichten; sie befürchtet, dass sich die Flüchtlinge aus dem bitterarmen Somalia auf Dauer niederlassen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei ihrer Begegnung mit Staatspräsident Mwai Kibaki eine Million Euro für Dadaab zugesagt.

humedica: Ernährung unter ärztlicher Aufsicht

In zwei Flüchtlingslagern im äthiopisch-somalischen Grenzgebiet leistet das christliche Hilfswerk humedica (Kaufbeuren) medizinische Hilfe. „Wie so oft ist es leider so, dass Mütter und Kinder am stärksten von dieser Hungerkatastrophe bedroht sind“, erklärt Prof. Bernd Domres (Tübingen). Dringend würden gezielte Ernährungsprogramme unter ärztlicher Aufsicht benötigt. Domres ist mit der Ärztin Irmgard Harms (Hindelang), Krankenpfleger Matthias Gerloff (Ammerbuch), Koordinator Robert Wunderlich und Koordinatorin Judith Kühl in die Krisenregion gereist. Seit einigen Jahren engagiert sich humedica mit langfristigen Entwicklungsprojekten und einem Patenschaftsprogramm in der Region.

Shabab-Miliz hebt Verbot westlicher Hilfswerke auf

In Somalia hat die radikal-islamische Al-Shabab-Miliz der BBC zufolge ihren Kampf gegen westliche Hilfsorganisationen ausgesetzt. Im Jahr 2009 hatte die Gruppe, die mit dem Terrornetzwerk El Kaida in Verbindung steht und weite Teile des Landes kontrolliert, einen Bann über nicht-islamische Hilfswerke verhängt. Aufgrund der Hungersnot habe man jetzt ein Komitee gebildet, um den Einsatz der Hilfswerke zu koordinieren, sagte Shabab-Sprecher Scheich Ali Mohammed Rage. Westliche Organisationen seien willkommen, solange sie rein humanitäre Arbeit leisteten und keine „hinterhältigen“ Ziele verfolgten.

Die Shabab-Miliz will das Land am Horn von Afrika von Christen „säubern“ und strebt danach, das islamische Religionsgesetz, die Scharia, durchzusetzen. In den vergangenen vier Jahren hat Shabab mehr als 18.000 Zivilisten getötet; eine Million Menschen mussten fliehen. Weniger als ein Prozent der 8,7 Millionen Einwohner Somalias sind Christen, die übrigen meist Muslime.

– Quelle: idea // Bild: ©pixelio/Halina Zaremba