Seelsorge an okkult belasteten Menschen

Handschellen

Auch der erfahrene Seelsorger begibt sich mit starker Zurückhaltung auf das Gebiet der okkulten Belastung. Einen wesentlichen Dienst hat uns der bekannte Evangelist Pfarrer Dr. Kurt Koch gegeben. Sein Buch »Seelsorge und Okkultismus« ist eine ausführliche Darstellung und Materialsammlung für diese Fragen. Wir benutzen im folgenden zu einer kurzen Obersicht für die Seelsorge an okkult Belasteten einen Aufsatz des Verfassers in »Deutsches Pfarrerblatt 58/561«.

1. Der Begriff »Okkulte Belastung« ist eine religiöse Aussage und kein medizinischer Ausdruck. Die Theologie weiß um die Wirklichkeit übernatürlicher Gegebenheiten. Die Medizin hat naturwissenschaftliche Belange zu vertreten. Die Psychiatrie tut gut, wenn sie die theologische Seelsorge nicht bevormunden will. Jeder kann dem ändern dienen mit der Gabe, die der Schöpfer ihm anvertraut hat.

2. Die Grundlage einer seelsorgerischen Betreuung okkult Belasteter ist die Diagnose. Diese ist außerordentlich schwer und verantwortungsvoll, eine Fehldiagnose geradezu verhängnisvoll.

a. Die gründliche Kenntnis psychiatrischer Krankheitsbilder ist unerlässlich. Auch die Vertrautheit mit den grundsätzlichen Fragen der Psychotherapie und der Tiefenpsychologie. Krankheitsfälle sollen von Belastungsfällen zu unterscheiden sein. Kranke gehören in die Behandlung des Arztes. Okkult Belastete bleiben in der Seelsorge. Fehldiagnosen gibt es auf beiden Seiten. »Ich wehre mich entschieden dagegen, wenn von Psychiatern okkult Belastete einfach als schizophren bezeichnet werden.« Um das hierzu nötige Wissen zu bekommen, müsste weitgehend eine Umstellung des theologischen Studiums stattfinden.

b. Zur richtigen Diagnose gehört die charismatische Ausrüstung des Seelsorgers. Er muss Werkzeug des Heiligen Geistes sein. Er braucht die Gabe der Geisterunterscheidung.

c. Bei der okkulten Belastung gibt es Symptome, die dem Seelsorger eine Diagnose ermöglichen. Okkult Belastete reagieren auf geistliche Beeinflussung. Das ausgeprägteste Symptom ist der Widerstand gegen alles Göttliche. Sehr oft sind sie Abwehrreaktionen gegen ihren Willen unterworfen. Die wichtigsten Abwehrsymptome sind:

Nervöse Unruhe, Brechreiz, Übelkeit, Lachreiz, Schlafsucht, Bewusstseinstrübung bis zur Geistesabwesenheit, Spottsucht, Lästersucht bis zur Tobsucht, Unfähigkeit zu glauben und zu beten. Der Widerstand kann sich auch darin zeigen, dass etwa eine Heilbehandlung durch einen okkulten Heilpraktiker dazu führt, dass der Patient sich plötzlich jeder kirchlichen Gemeinschaft entzieht oder einer schwarmgeistigen Bewegung verfällt.

3. In der Therapie gibt es keine Symptombehandlung. Die Heilung kann nur im Einklang mit Christus und seinem Wort eintreten. Hier geht es nur um totale Entscheidungen, um die ganze Hingabe an Jesus.

a. Der entscheidende Ausgangspunkt zum Freiwerden ist die Beichte. Sie ist keine Forderung, sondern eine Hilfe. Okkult belastet sein heißt, im Verborgenen, im Finstern stehn. Beichten heißt vom Finsteren ins Licht treten. Das Finsternisreich steht unter Satans Gewalt, Christus aber hat uns errettet von der Obrigkeit der Finsternis.

b. Die Sündenvergebung muss zugesprochen werden. Die Auswirkung eines okkulten Bannes zeigt sich im Nichtglaubenkönnen. Da hier keine Theorie hilft, sei nur auf einige Dinge hingewiesen. Die Zusage der Vergebung kann durch die schlichte Annahme des Heils in Christus geschehen. Auch das Lossagegebet ist schon seit der Urgemeinde bekannt und geübt worden.

Das Gebieten im Namen Jesu kann mit Zurückhaltung geübt werden. Gerade hier ist große Vorsicht nötig, weil der Missbrauch zum Gegenteil führt. Eine große Hilfe ist mit kleineren oder größeren Gebetskreisen gegeben, wobei auch das biblische Gut des Fastens wieder zu seinem Recht kommen kann.

c. Für die Befreiten ist es schließlich unerlässlich, dass sie von einer tragenden Gemeinde aufgenommen werden und die Hilfe der biblischen Ordnung von Apostelgeschichte 2, 42 praktisch erfahren.

 

Dr. Willi Grün, Wort und Tat, Kassel, Januar 1959