Singen im Flüsterton – Christen in Nordkorea

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Trotz heftiger Verfolgung harren rund 400.000 Christen im Untergrund aus. Obwohl sie sich vor der Geheimpolizei verstecken müssen, kommen sie zusammen. Manchmal nur zu zweit, hinter geschlossenen Vorhängen, und singen im Flüsterton.

Noch vor hundert Jahren galt Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang mit ihren 100 Kirchen als das „Jerusalem des Ostens“. Unter Präsident Kim Il Sung verschwanden in kurzer Zeit Hunderte von Gemeinden. Heute ist das abgeschottete Land ein Synonym für Menschenverachtung und Unterdrückung. Seit acht Jahren steht es auf Platz 1 des Open Doors-Weltverfolgungsindex. Damit ist Nordkorea der schlimmste Christenverfolgerstaat.

Verordneter Götzendienst

Das Regime schuf seine eigene Religion. Alle Bürger müssen den verstorbenen Kim Il Sung als „unsterblichen Vater“ und seinen Sohn Kim Jong Il als „erwählten Retter“ gottgleich anbeten. Wer sich nicht vor den landesweiten monumentalen Kim Il-Sung-Statuen verbeugt, dem drohen harte Strafen. Das Volk leidet unter der Lebensmittelknappheit durch Misswirtschaft, Naturkatastrophen und der Bereicherung durch die Elite. Über 30 Gefangenenlager stehen für die Grausamkeit des Terrorregimes. Millionen Nordkoreaner fielen bereits den Lebensumständen oder der Hungersnot zum Opfer.

Christen im Arbeitslager

In Christen sieht das diktatorische Regime Staatsfeinde, die es auszurotten gilt. Nahezu 70.000 Christen leiden derzeit in Arbeitslagern. Folter, Hinrichtungen und barbarische Experimente sind an der Tagesordnung, berichten Augenzeugen. Bis zu 18 Stunden täglich arbeiten die Gefangenen wie Sklaven. Soon Ok Lee kam 1994 nach sechs Jahren Arbeitslager frei*. Sie berichtet, Christen werden in den Lagernam meisten gequält. „Doch viele sangen, während sie verprügelt wurden. Ich sah nie einen Christen, der seinen Herrn verleugnete.“ Die zerstörerische Welt des Kommunismus führt zu Misstrauen und verordneter Kontrolle. Nachbarn, Kollegen oder die eigenen Kinder können zu Verrätern werden. Lehrer horchen Schüler systematisch aus; etwa ob ihre Eltern eine Bibel besitzen. Ri Hyon-Ok (33) wurde im Sommer 2009 wegen Bibelverteilung hingerichtet. Ihre drei Kinder, ihr Mann und Ris Eltern sind seitdem in einem Arbeitslager verschwunden.

Hoffnung im Untergrund

Trotz heftiger Verfolgung harren rund 400.000 Christen im Untergrund aus. „Obwohl wir uns vor der Geheimpolizei verstecken müssen, kommen wir zusammen“, erzählt ein Gemeindeleiter. Manchmal nur zu zweit treffen sie sich, ziehen die Vorhänge zu und singen im Flüsterton. Selbst im Staatsapparat gibt es Nachfolger Jesu. Seit Mitte der 1990er Jahre unterstützt das Hilfswerk für verfolgte Christen Open Doors die Untergrundgemeinde in Nordkorea mit Bibeln und christlicher Literatur, Lebensmitteln und medizinischer Hilfe sowie Schulungen und Glaubenskursen.

In China laufen Hilfsprojekte für nordkoreanische Flüchtlinge. Neben erschütternden Berichten erzählen Einheimische aber auch davon, wie Gott die Christen ermutigt und Hoffnung inmitten von Dunkelheit schenkt. Sie wissen, dass andere weltweit für sie beten. Der Bedarf an Bibeln ist gestiegen. Die Untergrundgemeinde wächst, Hausgemeinden vernetzen sich, und nordkoreanische Christen starteten eine eigene Gebetskampagne. „Wir beten für neue Wege, das Evangelium weiterzugeben. Bitte betet mit, dass der Herr uns die Kraft gibt, am Glauben festzuhalten“, so ihre Botschaft an uns.

 

Romy Schneider ist Pressereferentin des Hilfswerks für verfolgte Christen Open Doors.
Buchtipp: Soon Ok Lee, “Lasst mich eure Stimme sein“, Euro 9,95, Brunnen/Open Doors Gebetskampagne „Nordkorea“ Begleitet wird die Gebetskampagne „Bete für Nordkorea“ mit Vorträgen, einem Sonderheft, der Augenzeugen-Dokumentation „Flucht aus Nordkorea“ (DVD) und dem „Bete für Nordkorea“-Anstecker. Bestellung und Veranstaltungsanfragen:

www.opendoors-de.org