Spinnenseide leitet Wärme besser als Kupfer

Spinnenseide

Spinnenseide ist in vielfacher Hinsicht etwas ganz Besonderes. Nur schrittweise kommt die Wissenschaft hinter ihr Geheimnis.

Organische Materialien sind keine guten Wärmeleiter. Eine Ausnahme bilden die Fäden des Spinnennetzes. Spinnenseide besitzt einen Wärmeleitwert von 416 Watt pro Meter. Zum Vergleich: Kupfer hat einen Wärmeleitwert von 401 Watt pro Meter. Damit zählt Spinnenseide zu den besten Wärmeleitern überhaupt. Das berichten Forscher der Iowa State University aufgrund von Experimenten an Fäden der Goldenen Seidenspinne.

Und noch etwas erstaunt: Wird Spinnenseide gedehnt, verstärkt sich deren Wärmeleitfähigkeit. Bei einer maximalen Dehnung um 20 Prozent erhöht sich die Leitfähigkeit um denselben Wert. Das stellt alles bislang Bekannte auf den Kopf. Denn bei Dehnung leiten die allermeisten Materialien schlechter.

Heute lässt sich Spinnenseide rein chemisch herstellen. Was trotz vielfältiger Forschung aber noch immer nicht nachgeahmt werden kann, sind die mechanischen Eigenschaften. Die US-Forscher vermuten das Geheimnis der enormen Wärmeleitfähigkeit der Spinnenseide in ihrer besonderen Molekularstruktur. Die Proteine der Seidenmoleküle könnten Nanokristalle enthalten, die in Federform miteinander verknüpft sind. Erforscht und nachgewiesen wurde ein solcher Mechanismus aber noch nicht.

Der Respekt und das Staunen über die Spinnenseide werden durch die neuesten Forschungsergebnisse nur noch grösser. Wie schafft es die Spinne, die Rohseide so zu veredeln, bis sie ihre unerreichte Dehn- und Wärmeleitfähigkeit erhält? Sie sondert die Rohseide über eine Drüse ab und bearbeitet sie im entscheidenden Moment mit Wasser nach. Das Rätsel um die Fähigkeit der Spinnen, die derartige Materialien herstellen und zu Netzen zusammenbauen können, ist nach wie vor gross.

 

– Quelle: factum // BILD: ©pixelio/Ulrich Kuhn