Spurgeon, Unter dem Banner Jesu Christi

Spurgeon_BannerDass die Wahrheit zu allen Zeiten umkämpft war, dessen war sich Spurgeon ebenso gewiss wie der Überzeugung, dass die Versammlung der Heiligen eine Gemeinde unter Waffen war und bleiben musste, solange sie sich auf dieser Erde befand. Warum dies so sein muss, verkündigte der junge Spurgeon seiner Gemeinde im Dezember 1858:

»Das ist die rechte Ordnung, und es muss so sein. Wahrheit kann in dieser Welt nicht Wahrheit sein, wenn sie nicht umstritten wäre, und sogleich erahnen wir, dass es nicht so wäre, wenn der Irrtum ein Freund der Wahrheit wäre. Die fleckenlose Reinheit der Wahrheit wird immer im Krieg sein mit der Finsternis der Irrlehre und der Lüge.«

In diesem Kampf um die Wahrheit waren die reifen Christen besonders gefordert, denn ihnen verdankt die Gemeinde Jesu Rückgrat und Substanz. Die christlichen »Veteranen«, kampferprobt und erfahren, sollten den jungen Christen zur Seite stehen. Sie verfügen über die Weisheit, nicht zu schnell an die Front zu eilen, und sollten sie dennoch für Gott an vorderster Front stehen und kämpfen, dann würden sie nicht so leicht schwanken, weil sie es gelernt hatten, auf ihren allmächtigen Gott zu vertrauen.

Spurgeon wusste, dass die Gemeinde in seinen Tagen, die von Oberflächlichkeit und Zweckmäßigkeit charakterisiert waren, entschiedenere, tiefgründigere, besser unterwiesene und fester gegründete Christen brauchte, und beklagte den entsprechenden Mangel. Die Angriffe auf das Evangelium in der Zeit Spurgeons kamen aus zwei Richtungen. Es waren sowohl Angriffe durch neue Lehren als auch durch sogenannte »Reformer«, die das Evangelium umdeuteten und verdrehten. Dies geschah in einer Häufigkeit, dass Spurgeon schreiben musste:

»Ich erwarte, mindestens einmal pro Woche von einer neuen Lehre zu hören. Sooft der Mond in eine andere Phase eintritt, gibt es den einen oder anderen ›Propheten‹, der eine neue Theorie vorstellt, und glaubt mir, er wird für seine neue Lehre beherzter eintreten, als er es jemals für das Evangelium tat.«

Im Glaubenskampf nachzugeben, war für Spurgeon undenkbar. Eine Armee aus Jung und Alt war hier gefordert. Spurgeon war überzeugt, dass der Kampf für die Wahrheit weder von den jungen Christen allein noch ausschließlich von den reiferen Christen ausgefochten werden sollte, sondern dass Jung und Alt Schulter an Schulter für Gottes Reich streiten müssen.

Dies ist eine Einsicht, die wir auch heute wieder dringend nötig haben – in einer Zeit, in der manches Mal die jungen Streiter zu früh oder gelegentlich auch viel zu spät in die Verantwortung genommen werden. Hier ist ein ausgewogenes Maß an Miteinander gefordert. Spurgeons Ratschlag:

»Wir brauchen nicht nur die jungen heißblütigen Männer, die Gott uns immer schicken möge, denn sie tun für uns einen unschätzbaren Dienst, ohne den wir nicht auskommen können, aber wir brauchen auch die ruhigen, beharrlichen, gut disziplinierten, erfahrenen Herzen von Männern, welche die Wahrheit Gottes aus Erfahrung kennen und an dem festhalten, was sie in der Schule Christi gelernt haben. Möge daher der Herr, unser Gott, viele derartige Männer zu uns senden; sie sind unerlässlich.“

– Unter dem Banner Jesu Christi: Charles Haddon Spurgeon: Auszüge aus seinen Werken – ausgewählt und kommentiert von Georg Walter