Textus Receptus oder Nestle-Aland?

Anmerkung: Liebi beginnt mit Hintergrundwissen zur Debatte, führt alte, alexandrinische Papyri zur Stützung der Echtheit der Evangelien an und übernimmt ihr von vereinzelten Experten höchstmögliches Alter, ohne auf – berechtigte – Kritiken der Kollegen hinzuweisen. Das ist schade und ein eher schwacher Beginn eines ansonsten sehr hilfreichen Vortrags.

Interessant sind die geschichtlichen Zusammenhänge zwischen der Reformation (Luther, ab 1517), dem Beginn des Buchdrucks (Gutenberg, ab 1450) und den Osmanen, die 1453 Konstantinopel eroberten und aus dem damaligen oströmischen (byzantinischen) Reich die Gelehrten mit ihren griechischen Manuskripten des Neuen Testaments in den Westen trieben. Gebrauchte die katholische Kirche bis dahin nur die lateinische Übersetzung der Bibel (Vulgata, ab 400 n.Chr.), so konnten nun die Reformatoren direkt aus den griechischen Handschriften die Bibel in ihre Sprache übersetzen (Luther, Zwingli, King James). Erasmus veröffentlichte damals auf Grundlage dieser Manuskripte (Textus Receptus) ein griechisches Neues Testament.

Erst ab dem 19. Jahrhundert standen der Wissenschaft Manuskripte (z.B. Sinaiticus) zur Verfügung, die noch älter waren als 400 n.Chr., der Großteil vom alexandrinischen Texttyp. Seitdem wird die moderne, textkritische Debatte geführt zwischen Mehrheitstext (Textus Receptus + weitere Manuskripte des byzantinischen Texttyps) und „Nestle-Aland“, welche – bis heute – den älteren, alexandrinischen Handschriften den Vorzug geben.

Ab Minute 50 geht Liebi auf einzelne Argumente zugunsten des Mehrheitstexts ein. Rudolf Ebertshäuser hat zum Beitrag ein Manuskript zur Verfügung gestellt.

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