Schlagwort-Archive: Homiletik

Die Dauer der Predigt

Armbanduhr

Die Predigt dauerte mir entschieden zu lang. Zunächst war ich aufmerksamer Zuhörer, obwohl ich nach der langen Einleitung schon etwas erschrocken war, dass ich fünf Punkte zu erwarten hatte, die abgehandelt werden sollten. Eine schnelle Rechnung (auf Kosten der Aufmerksamkeit für den Predigtgegenstand!) ergab: 5 Minuten für jeden Punkt mal 5 = 25 Minuten. Das zur Einleitung hinzu. Mit einer halben Stunde hätte alles noch hinkommen können.

Aber es kam nicht hin. Nach 30 Minuten hörte ich nicht mehr zu, sondern stellte ganz abwegige Betrachtungen an. Vielleicht waren sie nicht so ganz abwegig, so dass es sich lohnte, sie anderen Predigern mitzuteilen. Abwegig freilich waren meine Gedankengänge für den Gegenstand der Verkündigung in der Predigt selbst.

Da ich von der guten Absicht des Predigers durchaus überzeugt war, fragte ich mich: »Warum predige ich denn länger als eine halbe Stunde?« Ich gebe das nicht gern zu, aber meine Frau hat letztens genau auf die Uhr gesehen und mir dann nachher gesagt, wie viel ich über eine halbe Stunde hinausgegangen war.

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Gesunde Predigtlehre

Man kann den Leuten in einer Viertelstunde mehr predigen, als sie in zehn Jahren tun werden. Wenn du vernimmst, daß die Leute am liebsten und emsigsten zuhören, so beschließe deine Predigt, so hast du auf eine andere Zeit wieder Zuhörer!

– Martin Luther

Die Sprache der Professionals

Redner-SpracheJede Berufssparte hat ihren Jargon, jede Zeit ihre Modeausdrücke. Aus beiden Elementen mischt sich zuweilen eine Redeweise, die geradezu das lebensnotwendige Handwerkszeug für »Öffentlichkeitsarbeiter« zu sein scheint. Politiker, Pfarrer, Public-Relations-Referenten, Akademie- und Seminarleiter, Berater und Gutachter kommen ohne gewisse Redewendungen nicht aus.

Sind es denn solch klare, präzise oder inhaltsschwere Begriffe, auf deren ständige Wiederholung wir nicht verzichten können? Keineswegs – es handelt sich um unbestimmte, eher ausweichende Floskeln: »Ich würde meinen…« – das an sich schon vorsichtige Verb auch noch im Konjunktiv gebraucht: Zeigt es nicht die Scheu, zu einer Sache Stellung zu beziehen?

»Ich sehe das so…« – ebenfalls eine von vornherein entschärfende Art der Argumentation. »Ich gehe zunächst davon aus…« – man möchte ja gern prophezeien, traut sich aber nicht die Urteilssicherheit eines Propheten zu.

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Bonhoeffers Ruf in die Nachfolge

„Es ist doch nicht nur die Schuld der anderen, wenn sie unsere Predigt, die ja gewiß ganz allein Christuspredigt sein will, hart und schwer finden, weil sie belastet ist mit Formeln und Begriffen, die ihnen fremd sind. Es ist doch nicht wahr, daß jedes Wort, das sich heute gegen unsere Predigt richtet, schon eine Absage an Christus, Antichristentum ist…

Wollen wir wirklich die Gemeinschaft mit denen verleugnen, deren es heute eine große Zahl gibt, die zu unserer Predigt kommen, sie hören wollen und doch immer wieder betrübt bekennen müssen, daß wir ihnen den Zugang zu Jesus zu schwer machen? Wir wollen von dem Ruf in die Nachfolge Jesu sprechen. Laden wir damit den Menschen ein neues, schwereres Joch auf? …

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Hänschen klein – Karikatur einer Predigt

Hänschen klein

Liebe Gemeinde!

Den Text für unsere heutige Predigt finden wir in unserem Volksliederbuch:

»Hänschen klein ging allein in die weite Welt hinein. Stock und Hut steh’n ihm gut, ist gar wohlgemut. Aber Mutter weinet sehr, hat ja nun kein Hänschen mehr: Da besinnt sich das Kind, läuft nach Haus geschwind.«

Soweit unser Text!

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