Theologische Gedanken zum Drama Dahoam

Kotze_schalkerEigentlich ist Fußball nur ein simples Ballspiel, in dem zwei Mannschaften mit jeweils 11 Spielern etwa 90 Minuten gegen den Ball treten mit dem Ziel, öfter als die anderen das gegnerische Tor zu treffen. Ein schönes Spiel, das dem Menschen Freude bereiten soll – sowohl dem Spieler als auch dem Zuschauer. Ursprünglich nur ein Spiel, ist es mittlerweile leider sehr viel mehr als das.

Spätestens am Samstag durften wir es miterleben. 300 Millionen Zuschauer in 200 Ländern haben das diesjährige Champions League Finale zwischen Bayern München und dem FC Chelsea London gesehen. Von einem „historischen Ereignis“ wurde gesprochen, das Finale im eigenen Stadion. Eine öffentliche Sternstunde, in der sogar das Staatsoberhaupt seinen Kommentar in die Kamera lächeln durfte. Die Vorberichterstattung begann satte 9 Stunden vor Anpfiff. Auf mehrere Public Viewing Plätze wurden die Menschen ausgelagert weil 62.500 Plätze im Stadion nicht ausreichten, die gigantische Masse aufzunehmen. München im Ausnahmezustand.

Schon im Vorfeld gab es Besonderes. Das „Vater Unser“ wurde zu Werbezwecken in ein „Lieber Fußball-Gott“ umgedichtet. Bayern Fans verneigten sich vor ihrer Fahne und beteten zu wem auch immer für einen Sieg. Während des Spiels lesen wir dann einen Banner, auf dem Chelsea Fans sich zu ihrer „Religion“ bekennen. Und nach dem Spiel führen sich die einen auf als gäbe es keinen Sinn zu leben mehr und die anderen als wären sie nun endlich im Himmel.

Gegen das Gebet zum „Fußball-Gott“ gab es Proteste seitens der Kirche die von Sat1 mit den Worten abgewiesen wurden: „Geht es um Fußball, ist es üblich, eine Sprache mit religiösen Anleihen zu gebrauchen.“ Recht haben sie, denn schon lange wird vom Stadion als von einem „Tempel“ gesprochen oder der Strafraum zum „Allerheiligsten“ erhoben. Genau das ist heute aus dem Fußball geworden – ein religiöser Lebensinhalt, der die Zeit für das Wichtige raubt und den Glauben an den wahren Gott verdrängt. Nicht wenige denken dabei an „Brot und Spiele“ aus römischen Zeiten, nur dass die heutigen Helden in der Arena nicht etwa töten müssen.

Der ganze Hype ist auf dem Weg, auch das christliche Zeugnis zu vereinnahmen. Spieler wie Cacau oder Alaba bekennen sich öffentlich als Christen. Jürgen Klopp zusammen mit anderen outen sich in der sogenannten Fußball-Bibel: „Jürgen Klopp betet, Lewis Holtby bekreuzigt sich und Cacau steigt als Prediger auf die Kanzel“ heißt es in der Beschreibung. Über die anderen weiß man eher wenig, aber beim Trainer von Borussia Dortmund muss man sich schon fragen wofür er eigentlich betet und ob ihm die Verherrlichung Gottes tatsächlich wichtiger ist als der sportliche Erfolg. Wenn ihm im feierlichen Rausch ein „weiß der Teufel“ rausrutscht bekommt der Zuschauer doch den Eindruck, der Unterschied von Himmel und Hölle sei ihm derzeit nicht ganz so wichtig.

Aber zurück zu Samstag. Den christlichen Satz brachte am Ende Thomas Müller: „Fußball ist nicht alles im Leben.“ Genau. Hoffentlich durften das dieses Mal so einige lernen. Das Ausmaß seiner Sucht wird dem Süchtigen nämlich erst dann richtig bewusst, wenn er auf Entzug ist. Das Drama Dahoam ist für viele wie ein Entzug, für einige gar wie ein Todesfall. Aus der geplanten Siegesparade wurde ein Trauermarsch. Therapie und Verarbeitung erfolgen fortlaufend durch etliche Artikel und Kommentare in sämtlichen Zeitungen und Blogs, jedes andere Thema erscheint im Vergleich unwichtig.

Christen wissen, dass Krisen auch Chancen sind. Die derbe Enttäuschung der Fans am Samstag Abend ist eine historische Chance für viele, die Ausartung der simplen Ballsportart „Fußball“ zu erkennen und zu überlegen, was wirklich wichtig ist im Leben. Und vielleicht ist gerade das die eine klare Antwort des „Fußball-Gottes“ auf die vielen Gebete, die im Vorfeld leichtfertig gesprochen wurden.

– BILD: Schalke Fan // stupidedia.org