Thomas, Alles. Für Dich.

Thomas Alles für dichEin christliches Buch über Freude und Vergnügen steht in der Gefahr, von denen gelesen zu werden die ihren lauwarmen oder gar ausschweifenden Lebensstil bestätigt sehen wollen und von denen eben nicht gelesen zu werden, für die es eigentlich geschrieben wurde. Viele Christen schwenken von der heute so populären Selbstliebe über zum genauen Gegenteil, zum Selbsthass. Mit vielen Argumenten, Bibelstellen, Lebensbeispielen und Zitaten namhafter Christen versucht der Autor stattdessen ein Gegengewicht zu finden, das zur Balance führt und dem Schöpfer alle Ehre gibt.

Freuen wir uns über ein Geschenk, freut sich auch der Schenkende. Das ist im Alltag so wie auch in unserer Gottesbeziehung. Der HERR ist traurig, wenn wir seine Gaben ablehnen. Noch trauriger ist er, wenn wir trügerischem Ersatz unterliegen. Heilige, reine, maßvolle Vergnügungen und einfache Sinnesfreuden wappnen uns gegen die unreinen, sündhaften Versuchungen dieser Welt, schreibt Gary Thomas. Er korrigiert falsche Denkweisen, benennt krankhafte Symptome, zeigt Wege der Freude auf und warnt dabei auch vor heutigen Gefahren.

Die Brisanz des Themas wird am deutlichsten wenn der Autor Beispiele nennt wie das Bier von C.S. Lewis, die Zigarren von Spurgeon oder seine eigene Lust am Marathon. Wer in dem Buch Anlass zur Kritik sucht, wird an solchen Stellen sicher fündig. Wer aber bisher unter falscher, selbstgerechter Frömmigkeit leidet wird hoffentlich feststellen, dass er sich selbst in ein Joch gespannt hat, in das der HERR ihn gar nicht eingeladen hat. Die Schlüsselstelle des Buches findet sich auf Seite 102:

„In manchen Leben und in manchen Situationen wird das »Jesus allein« gelten. Gott mag uns unseren Ehepartner nehmen, unsere Kinder, unser Zuhause – scheinbar alle Freuden, die wir haben. Und in solchen Situationen werden wir entdecken, dass er wirklich und wahrhaftig genug ist. Aber ich glaube, die Weisheit lehrt uns, dass ein solches Leben »nur für geladene Gäste« bestimmt ist. Man kommt nur durch Gottes Führung dorthin. Wir sollten es nicht im Sinne einer selbst auferlegten Verpflichtung anstreben. Die Alte Kirche strafte junge Gläubige, die dem Märtyrertod nachstrebten. Sich der letzten Verfolgung demütig zu ergeben, ist das eine. Aber es ist etwas völlig anderes, sich selbst zu heldenhafter Frömmigkeit aufzuschwingen, um seine Reife zu beweisen.“

Solch ein »geladener Gast« ist wahrscheinlich Pastor Kim. Auf seine Geschichte sei hier verwiesen und es bleibt dem Leser überlassen, ob er tatsächlich auch solch einen Ruf hört oder aber nicht. Sinnvolle Ergänzungen zum Thema sind außerdem die bekannten Werke von John Piper.

Fazit: Die einen mögen das Buch als Ausrede missbrauchen, den anderen wird es heilsam sein.